Freunde, Gesundheit und der Zusammenhalt der Familie zählen

Euskirchen. Trotz eines Schicksalschlags in der Brings-Familie spielten die Kölschrocker in Euskirchen für ihre Fans.

Vermutlich hatte der Song „Sulang mer noch am Lääve sin“ für Brings nur selten eine solche Bedeutung wie bei ihrem Konzert am Freitagabend im Euskirchener City-Forum. Mit belegter Stimme kündigte Frontmann Peter Brings den Song an – in Gedenken an Daniel „Jamba“ Schulz. Das langjährige Mitglied der Brings-Crew war zwei Tage zuvor im Alter von 30 Jahren an Krebs gestorben. Ein Bild von ihm wurde während des Songs auf der Videowand eingeblendet. Für Brings war es das erste Konzert nach seinem Tod. „Wir wussten vor zwei Tagen noch gar nicht, ob wir heute spielen können“, erklärte Peter Brings. Daher verdient es Respekt, dass die Band und ihre Crew trotzdem ein gutes Konzert ablieferten und „mit dem Herzen dabei“ waren, wie Peter Brings verkündete. „Ich habe fest daran geglaubt, dass wir es schaffen. Wir haben alles getan und ich fühle mich, als hätten wir verloren“, so der Frontmann vor der letzten Zugabe „Heimjon“. Und weiter: „Drum lasst uns darauf konzentrieren, was zählt: Fründe, Gesundheit und dat de Familisch zesammesteiht.“ Bis diese letzten Töne verklungen waren, hatten Brings den rund 2000 Zuschauern allerdings gut zweieinhalb Stunden eingeheizt. Zuletzt spielte die Band vor 20 Jahren im City-Forum ein Konzert. Damals kamen rund 600 Fans, wie Bassist Stephan Brings sich erinnerte. Damals war die Band allerdings auch noch nicht im Karneval aktiv. Am Freitag aber schöpften die Kölschrocker umfangreich aus ihrem Karnevalsrepertoire.

Stimmgewaltiges "Halleluja"

Gleich zu Beginn durchquerten sie auf ihrem Weg zur Bühne mit großen Leuchtstäben in der Hand das Publikum und verkündeten: „Kölle ist et jeilste Land.“ Auch Stimmungskracher wie „Poppe Kaate Danze“, „Besoffe vör Glück“, „Man müsste nochmal 20 sein“, „Nur nicht aus Liebe weinen“ und „Jeck yeah!“ waren auf der Setlist natürlich vertreten. Manch ein Song klang wie von einem riesigen Frauenchor aus dem Publikum begleitet. Über das stimmgewaltige „Halleluja“ hätte sich vermutlich so mancher Pastor gefreut. Auch Text und Melodie zu „Liebe gewinnt“ hatte ein Großteil des weiblichen Publikums hörbar drauf. Etwas aus dem Rahmen fielen da Songs wie das ruhige „Melanie“ in lateinamerikanischem Rhythmus. Einlassen auf den Song war nicht ganz einfach, da man bei den ruhigen Tönen nicht überhören konnte, dass sich zahlreiche Anwesende lieber lautstark unterhielten. Einige ältere Songs hatten Brings auch im Gepäck. So etwa „Nur mer zwei“ von 1992 und „Kölle, loß die Maske falle“, mit dem die Band unterstrich, dass sie sich nach wie vor ihre sozialkritische Haltung bewahrt hat. Die Ballade „Niemols im Läve“ vom 1997er-Album „5“ mündete in Instrumentallärm und anschließend in „Superjeilezick“, das mit Zitaten von „Whole lotta love“ und „Thunder“ gespickt war. Nach dem „Kölsche Jung“ und dem ballermannwürdigen Partyschlager „Hück räänt et Kölsch“ erklungen die Stimmen der Fans wohl so laut wie bei keinem anderen Lied – die Balladenversion von „Eifel“ traf das Publikum schließlich mitten in die Seele.

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