Spurensicherung in der Geschichte

Dokumentationskoffer vom LVR für Museen im Rheinland

Euskirchen. Besucht man ein Museum, so bekommt man nur einen Ausschnitt der Sammlung zu sehen. Eine Auswahl, die zur aktuellen Ausstellung – oder eben zur Dauerausstellung passt. Doch hinter den Kulissen besitzen die Museen noch eine Vielzahl von Objekten, die natürlich alle inventarisiert und sicher gelagert werden müssen. Doch das ist keine so einfache Aufgabe.

Eine Umfrage der LVR-Museumsberatung im Projekt „Provenienzforschung in NRW“ an die rund 1100 Museen in Nordrhein-Westfalen hat ergeben, dass über die Hälfte der antwortenden Museen Objekte besitzt, die noch nicht inventarisiert worden sind. „Deshalb haben wir einen Dokumentationskoffer als Hilfestellung entwickelt“, erzählt Annika Flamm, wissenschaftliche Referentin bei der LVR-Museumsberatung.

Diesen Koffer verteilt der LVR nun an die Museen im Rheinland, um ihnen die Inventarisierung zu erleichtern. Als erstes Museum in NRW bekam nun das Euskirchener Stadtmuseum einen solchen Koffer überreicht. Das passt ganz hervorragend, denn die Zeit des Lockdowns wird im Kulturhof genutzt, um die Inventarisierung intensiv voranzubringen. Dabei ist das Team des Euskirchener Museums schon vorbildlich unterwegs.

„Bei jedem Objekt, was uns zukommt, werden sofort alle Informationen notiert, die uns zur Verfügung stehen“, erzählt die Leiterin Dr. Heike Lützenkirchen. Mit dem Eingangsbuch aus dem LVR-Koffer wird dieser Arbeitsschritt noch einmal einfacher. Ist das Objekt im Museum erfasst, werden in einer digitalen Kartei die Herkunft, Geschichte und auch das Material festgehalten.

Gerade die unterschiedlichen Materialien stellen die Museumsmitarbeiter vor einige Herausforderungen, denn wenn man etwas inventarisieren will, muss es schließlich auch mit einer erkennbaren und haltbaren Nummer versehen sein. „Das muss aber so gemacht werden, dass keine Beschädigungen am Objekt entstehen“, erklärt Annika Flamm.

Deshalb finden sich in dem Dokumentationskoffer eine Vielzahl von Hilfsmitteln, um diese Nummern anzubringen. Bei einem alten Stoff beispielsweise wird die Nummer mit wenigen Stichen angenäht, bei einem Silberpokal wird der Zettel mit Lack befestigt, der sich vollends wieder ablösen lässt. „Der Koffer erinnert an die Werkzeuge der Spurensicherung in einem Krimi. In diesem Falle ist es eben die Spurensicherung in der Geschichte“, so Alfred Jaax, Erster Beigeordneter der Stadt Euskirchen, bei der offiziellen Übergabe des Koffers.

Das Stadtmuseum besitzt Sammlungsstücke aus Stoff, Metall, Holz, Papier, Porzellan, Glas und Plastik. Und die Sammlung aus Objekten, die einen direkten Bezug zu Euskirchen oder den Menschen, die hier leben, haben, soll weiterwachsen. „Wenn jemand ein Objekt hat, welches er dem Stadtmuseum anbieten will, freuen wir uns darüber natürlich sehr“, sagt Museumsleiterin Dr. Heike Lützenkirchen. Wer ein Objekt abzugeben hat, kann sich an das Museum wenden unter Tel.: 02251-6507438 oder per Mail unter museum@euskirchen.de

Für das Team des LVR hat die Verteilaktion gerade erst begonnen. „In den nächsten Wochen erhalten dank der LVR-Museumsförderung noch 64 weitere Museen den Dokumentationskoffer“, so Annika Flamm.

Alle Informationen zum Inhalt des Koffers sowie ergänzende Materialen erhalten Sie hier: www.museumsberatung.lvr.de

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