Corona statt „kleines Sommerloch“

Mayen. Im Landkreis Mayen-Koblenz gibt es Ende Juli offiziell 4.671 Arbeitslose – 131 mehr als im Vormonat und 783 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,9 Prozent, das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als im Juni und 0,6 Punkte mehr als im Juli 2019.

Den deutlich höheren Anstieg an Arbeitslosen verzeichnet der Rechtskreis des Sozialgesetzbuches (SGB) III (Arbeitsagentur), wo 2.766 Menschen aus dem MYK-Kreis gemeldet sind. Das sind im Landkreis 129 Menschen mehr als im Vormonat. Vor einem Jahr waren im Landkreis 763 Menschen weniger arbeitslos gemeldet.

Im Landkreis Mayen-Koblenz stieg die Arbeitslosigkeit um 2 auf nun 1.905. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Anstieg um 20. 

Auch auf dem Stellenmarkt ist die Krise noch deutlich ablesbar. Zwar wurden dem Arbeitgeberservice im Juli 273 neue Arbeitsstellen aus dem MYK-Kreis gemeldet, wodurch die Gesamtzahl der vorliegenden Stellenangebote in der Region nun bei 2.656 liegt (Stadt: 1.264/ Landkreis: 1.392). Dies sind jedoch immer noch 1.888 weniger als vor einem Jahr (Stadt: 690/Landkreis: 1.198).

Die Kurzarbeit spielt in der Corona-Krise nach wie vor eine entscheidende Rolle, um größeren Schaden für die regionale Wirtschaft zu verhindern. In den letzten vier Wochen zeigten 13 Betriebe aus der Stadt für 2.218 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit an – im Juni waren es noch 45 Betriebe, aber nur 301 Beschäftigte. Insgesamt gab es seit Anfang April in Koblenz 1.708 Anzeigen für 29.311 Beschäftigte.

Im MYK-Kreis zeigten im Juli 15 Betriebe für 56 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit an – 37 Betriebe mit 217 Beschäftigten waren es im Monat zuvor. Insgesamt zeigten seit April 2.109 Unternehmen für 20.739 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Kurzarbeit an.  

Da mit einer solchen Anzeige lediglich die Möglichkeit geschaffen wird, Kurzarbeit zu nutzen, ist dies jedoch nur ein Indiz dafür, wie viele Betriebe und ihre Mitarbeiter(innen) diese Unterstützung tatsächlich nutzen. Klarheit wird es erst verzögert geben, da die Abrechnung im Nachhinein erfolgt und die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit haben, ihre Unterlagen bei der Arbeitsagentur einzureichen.

 „Nicht zuletzt wegen der Möglichkeit zur Kurzarbeit ist die Arbeitslosigkeit in den letzten Monaten nicht so stark angestiegen, wie manche es befürchtet hatten“, betont Frank Schmidt, Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. Vor allem in der in Anfangszeiten der Corona-Krise stark gebeutelten Gastronomie zeichne sich zurzeit eine gewisse Entspannung ab. „Wie es weitergehen wird, hängt jedoch nach wie vor von der Entwicklung der Pandemie ab. Gibt es die befürchtete zweite Welle, steigt auch die Gefahr für den Arbeitsmarkt wieder an.“

Nachhaltig von Pandemie und Lockdown geprägt ist auch der Ausbildungsmarkt in der Region. Wenige Wochen vor dem offiziellen Start des neuen Ausbildungsjahres sind in Koblenz laut Statistik noch 260 und im Landkreis noch 292 junge Menschen auf der Suche nach einer Perspektive. 427 Betriebe in der Stadt und 442 im Landkreis konnten ihre Lehrstellen bislang nicht besetzen. Damit kommen rein rechnerisch mehr als eineinhalb Stellen auf jeden Bewerber und jede Bewerberin.

Damit seien die jungen Leute, die sich bislang nicht entscheiden konnten, zwar noch immer in einer komfortablen Situation, betont Schmidt. Allerdings gibt ihm zu denken, dass mehr als 350 Lehrstellen weniger gemeldet wurden als im Vorjahr (Stadt: 130/Landkreis: 226). „Das ist vor allem für die Unternehmen selbst ein Problem. Angesichts eines nach wie vor hohen Fachkräftebedarfs sollte jeder, wenn eben möglich, an der Ausbildung festhalten.“

846 Jugendliche aus Koblenz und 1.088 aus dem Landkreis baten seit Oktober 2019 um die Unterstützung der Berufsberaterinnen und Berufsberater. „Corona hat viele Pläne platzen lassen – etwa dann, wenn sie mit Auslandsaufenthalten verbunden waren. Das erhöht den Beratungsbedarf.“ Der nach wie vor geschlossenen Agentur setze die Berufsberatung ein hohes Maß an Kreativität entgegen, indem sie zum Beispiel gemeinsam mit Kooperationspartnern Aktionen wie „Azubi-Spots“ initiiere oder Jugendliche zum „Walk & Talk“ einlade.

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