DEHOGA-Kreisvorsitzender: "Die Zeit drängt"

Mayen. Gastronomie, Hotellerie und der Einzelhandel sind durch Corona geschwächt. In vielen Unternehmen herrscht Endzeitstimmung. Michael Helling, DEHOGA-Kreisvorsitzender Mayen-Koblenz äußert sich zur Lage.

Michael Helling: "Endzeitstimmung. So geht es vielen Kollegen nicht nur in der Gastronomie und Hotellerie. Auch der Einzelhandel, Veranstaltungstechniker und viele Gewerbebetriebe (denken sie zum Beispiel auch an die Autohäuser, die über Generationen eine Marke wie "Opel" vertreten und ebenfalls vorgeschädigt durch Konzernstrategie sind), die vom direkten Kundenkontakt und den dadurch generierten Umsatz leben, werden diese Situation wie sie jetzt anhält - so sehr sie auch nötig ist und wir diese auch verstehen um unser aller Leben und unsere Gesundheit zu schützen - nicht lange überstehen.

Defacto ist schon der komplette Reisemarkt mehr oder weniger seit dem 8. März eingebrochen. Und durch die immer schärfer werdende, notwendigen Freiheitsbeschränkungen gegen Null gegangen.

Nur noch ganz begrenzte gastronomische Betriebe, die ein To go-Angebot haben, haben zurzeit noch Umsatz, was diesen Betrieben noch sehr zu gönnen ist.

Den Umsatz, den wir in den letzten Wochen verloren haben, können wir nicht nachholen oder aufholen. Denn ein Bett, das heute nicht belegt ist, kann morgen nicht doppelt belegt werden. Ein Tisch, der besetzt ist ,kann nicht doppelt vergeben werden. Somit wäre für unsere Branche hinausgehend über die dringend notwendigen Liquiditätshilfen eine Gewährung von verloren Zuschüssen, die die Lohn und Fixkosten kompensieren dringend notwendig.

Das Fatale an einem Kredit ist, dass man diesen zurückzahlen muss, diese zusätzliche Belastung wird kaum ein Unternehmen stemmen können. Daher wäre dies keine wirkliche Hilfe.

Dies betrifft  alle kleinen mittelständischen Betriebe, alle Soloselbstständigen branchenübergreifend, denn die Finanzkrise, in die wir durch die Corona-Krise jetzt schon gestürzt werden, wird viele andere angeschlossene Betriebe durch den Wegfall von Aufträgen ebenfalls in arge Bedrängnis bringen. Ebenso natürlich auch die rund 150.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Mitarbeiter in unserem Gewerbe in Rheinland-Pfalz.

Sollte die Politik keine wirklich tiefgreifende Maßnahmen in die Realität umsetzen, wird sich unsere wirtschaftliche Landschaft in den nächsten Monaten radikal verändern und das Umfeld wie wir es gewohnt sind ebenfalls.

Dann wird es viele kleine Restaurants Beherbergungsbetriebe und (Einzelhandels-)Geschäfte nicht mehr geben.

Und wir hoffen weiterhin, dass in dieser Zeit die politischen Maßnahmen wie Förderinstrumente, verlorene Zuschüsse, Bürgschaften und sehr unkomplizierte Anträge sowie notwendige Kulanz und gegebenenfalls Verzicht bei Abgaben und Steuern genauso schnell in unserer Region in unsere Betriebe kommen. Damit wir weiterhin als Mittelstand Arbeitgeber für unzählig viele Mitarbeiter bleiben können.

 Die Zeit drängt! Denn am 27. März müssen wir die Sozialversicherungsbeiträge für unsere Arbeitnehmer überweisen, was in der Regel ja schon 25 Prozent der Lohnkosten ausmacht. Und zum 31. März sind die Nettoauszahlung der Gehälter fällig. Ebenso die bereits laufenden Kreditzinsen und Tilgungen. Abschläge für Gas, Strom, GEZ, GEMA, Müllabfuhr, Straßenreinigung, Wartungsverträge, Leasingverträge und so weiter.

Bis dahin muss eine verlässliche Lösung in den Betrieben angekommen sein. Oder zumindest eine zinslose Überbrückung bis zum Eintreffen der Förderung durch das Finanzministerium geregelt sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

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