Zaghafte Entspannung am Arbeitsmarkt

Mayen. Im Landkreis Mayen-Koblenz zählten die Statistiker zum Monatsende 4.540 arbeitslose Frauen und Männer – elf mehr als im Mai. Vor einem Jahr wurden 921 Arbeitslose weniger gezählt. Die Arbeitslosenquote liegt wie im Vormonat bei 3,8 Prozent. Das sind 0,7 Punkte mehr als im Juni 2019.

Im Landkreis ging die Zahl der Arbeitslosen im SGB III in den vergangenen vier Wochen um 33 auf 2.637 zurück. Vor einem Jahr gab es 822 Arbeitslose weniger. Eine Zunahme der Arbeitslosen um 44 gab es im Juni im SGB II, wo nun 1.903 arbeitslose Menschen gemeldet sind. Das sind 99 mehr als im Vorjahr. 

Auch der Stellenmarkt scheint den größten Einbruch zumindest vorläufig überwunden zu haben. So wurden dem Arbeitgeberservice im Juni 335 neue Stellen aus dem Landkreis gemeldet. Damit gibt es laut Statistik bei Firmen im MYK-Kreis 1.227 offene Stellen. Das sind im Landkreis Mayen-Koblenz 1.176 weniger als vor einem Jahr.

Nach wie vor spielt die Kurzarbeit in der Corona-Krise am Arbeitsmarkt eine herausragende Rolle. Im Landkreis gab es in den letzten vier Wochen neue Anzeigen von 32 Betrieben für 190 Beschäftigte. Im Mai zeigten 113 Unternehmen für 1.472 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Kurzarbeit an. Seit Anfang April gab es KuG-Anzeigen für 20.656 Beschäftigte. 

Da mit einer solchen Anzeige lediglich die Möglichkeit geschaffen wird, Kurzarbeit zu nutzen, ist dies jedoch nur ein Indiz dafür, wie viele Betriebe und ihre Mitarbeiter(innen) diese Unterstützung tatsächlich nutzen. Klarheit wird es erst mit Verzögerung geben, da die Abrechnung im Nachhinein erfolgt und die Unternehmen bis zu drei Monate Zeit haben, ihre Unterlagen bei der Arbeitsagentur einzureichen.

 „Es ist zu früh, um von einer echten Entspannung zu sprechen“, erklärt Frank Schmidt, Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. „Aber wir sind froh, dass der Abwärtstrend zumindest vorläufig gestoppt ist und auch der Stellenmarkt sich langsam wiederbelebt.“ Gerade Letzteres stehe in deutlichem Zusammenhang mit der beginnenden Feriensaison und den gelockerten Reiseauflagen, von denen vor allem gastronomische Betriebe nach wochenlanger Durststrecke profitierten.

Wie nachhaltig der derzeitige Trend ist, wagt Schmidt allerdings nicht vorherzusagen. Virus und Lockdown  haben bei vielen Unternehmen zu tiefe Wunden hinterlassen.  

Wunden, die auch den regionalen Ausbildungsmarkt beeinflussen – allerdings nicht so sehr, dass die Ausbildung 2020 grundsätzlich gefährdet ist. Zwar wurden seit Oktober vergangenen Jahres knapp 400 Lehrstellen weniger gemeldet als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, während rund 50 Jugendliche mehr um Unterstützung bei der Ausbildungssuche nachfragten. Trotzdem gibt es Ende Juni mehr unbesetzte Lehrstellen (Landkreis: 478) als unversorgte Bewerber (Landkreis: 397).

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