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Fast 160.000 Euro für den Apollo-Falter

Untermosel. Mit der "Aktion Grün" fördert das rheinland-pfälzische Umweltministerium mit fast 160.000 Euro Maßnahmen an der Untermosel zum Erhalt des Apollo-Falters - der weltweit einzigartigen Schmetterlingsart. Das teilt das Umweltministerium am "Tag des Artenschutzes" mit.

Waren es 2015 noch knapp 2.000 Falter, ist der Bestand des Mosel-Apollos im vergangenen Sommer auf nur noch rund 100 Exemplare dramatisch gesunken. Durch den zunehmenden Verlust geeigneter Lebensräume und nicht zuletzt durch den immer weiter voranschreitenden Klimawandel drohe, so Umweltministerin Anne Spiegel, jetzt der endgültige Verlust dieser faszinierenden Schmetterlingsart. Mit einer vorbildlichen gemeinsamen Initiative hätten die Landkreise Cochem-Zell und Mayen-Koblenz ein umfassendes Rettungsprojekt gestartet, um das Aussterben dieser äußerst seltenen Spezies zu verhindern und eine Trendwende einzuleiten, sagt Spiegel zur finanziellen Förderung des Projektes durch das rheinland-pfälzische Umweltministerium.

Insgesamt erhalten die beiden Landkreise in diesem und im kommenden Jahr 157.640 Euro für Maßnahmen, die sie von Cochem bis Winningen entlang der Untermosel gemeinsam mit den Verbands- und Ortsgemeinden sowie mit Winzerbetrieben umsetzen wollen. Hierzu zählen unter anderem Freistellungsmaßnahmen auf rund vier Hektar, Erfassungen der Kernvorkommen und gegebenenfalls die Nachzucht von Faltern, um die bestehenden Vorkommen zu stützen. Auch sollen speziell auf Schmetterlinge abgestimmte Blühmischungen ausgesät werden, damit das Nahrungsangebot für die Falter verbessert wird. Weiterhin sei eine punktgenaue Erfassung der aktuellen und ehemaligen Vorkommen vorgesehen, um die verbliebenden Vorkommen genau abgrenzen zu können. Hinzu komme eine Analyse von Ausweichlebensräumen zur Ermittlung möglicher neuer Biotope. Schließlich soll gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren sowie Winzerinnen und Winzern die Schmetterlingsart bekannter gemacht und deren Schutz durch die gesamte Region unterstützt werden.

"Das Projekt zur Rettung des Mosel-Apollofalters ist ein ermutigendes Beispiel im Kampf gegen das Artensterben. Der Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt kann aber nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, den Klimawandel zu stoppen. Naturschutz ist ohne Klimaschutz nicht möglich – und umgekehrt. Nur wenn wir das Klima schützen, sichern wir langfristig auch unsere Artenvielfalt", betont Spiegel.

Der Bereich des unteren Moseltals in den Kreisen Cochem-Zell und Mayen-Koblenz ist das einzige Verbreitungsgebiet des Mosel-Apollofalters weltweit. Das aktuelle Verbreitungsgebiet erstreckte sich auf den Bereich zwischen Bremm/Calmont und den Hängen bei Winningen. Aufgrund der wenigen Vorkommen und des geringen Verbreitungsgebietes wurde er in der "Roten Liste der Schmetterlinge von Rheinland-Pfalz" als vom Aussterben bedrohte Art eingestuft. Der Mosel-Apollofalter gehört zu den streng geschützten Arten nach § 7 des Bundesnaturschutzgesetzes.

Foto: Axel Schmidt

www.mueef.rlp.de

 

 

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Kommentar von Dieter Möhring
Die Projektförderung ist zu begrüßen. Interessant ist, dass die Förderzusage kurz vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz erfolgte.
Der deutliche Rückgang des Apollofalters ist keine Neuigkeit. Schreiben an das Landesministerium u.a. von den Rheinisch Westfälischen Schmetterlingskundlern zum dramatischen Rückgang des Apollofalters an der Mosel und zu erforderlichen Rettungsmaßnahmen wurden in der Vergangenheit nicht beantwortet, einfach ignoriert.
Interessant wäre auch die Quellenangabe zu den genannten Zahlen des Apollofalters von 2000 Exemplaren im Jahr 2015 zu nunmehr 100. Für mich erst mal nicht nachvollziehbar.
Die Fördersumme von ca. 160.000 € über zwei Jahre und für zwei Landkreise scheint erst mal beachtlich. Beachtet man jedoch, dass m.E. tatsächlich wenig belastbare wissenschaftliche Daten über die eigentlichen Ursachen des Rückgangs der Art und selbst über die tatsächliche Anzahl des Falters in den vermeintlichen Lebensräumen besteht, relativiert sich die Projektfördersumme. Diese grundlegende Daten und Fakten müssen erst mal belastbar erhoben und ausgewertet werden. Die Kosten der eigentlichen praktischen Maßnahmenumsetzungen u.a. für Entbuschung von Brachen, Futterpflanzeneinsaaten, Aufklärungsmaßnahmen zu dosierter Düngung und Pflanzenschutz kommen noch dazu.
Für die Region der Terrassenmosel ist der Apollofalter ein wesentlicher Werbeträger. Sein Einsatz, seine Vermarktung für Weinwirtschaft, Gastronomie und Beherbergungsbetriebe spielt eine wesentliche wirtschaftliche Rolle auch im Hinblick auf eine "Genussregion Mosel". Das alles ist ganzheitlich zu betrachten.
Vielleicht schafft es Frau Spiegel in diesem Zusammenhang ja auch die Umsetzung der so genannten "Drieschenverordnung" in Schwung zu bringen. Das ist die "Landesverordnung zum Schutz bestockter Rebflächen vor Schadorganismen", wie es im Behördendeutsch heißt. Es ist die Verpflichtung in aufgegebenen Weinbergflächen Rebstöcke mit Wurzeln sowie Pfähle bzw. Drahtanlagen zu entfernen, um die Ausbreitung der Reblaus zu vermeiden, die ggf. auf intakt bewirtschafte Weinberge übergreift. Gleichzeitig soll die Verbuschung von Weinbergen und somit auch die Beeinträchtigung des Lebensraums des Apollofalters verhindert werden. Die wirksame Umsetzung der Landesverordnung durch die zuständigen Landwirtschaftskammern wäre im Rahmen der Förderprogrammumsetzung ein wesentlicher Baustein.
Freuen wir uns auf eine erfolgreiche Programmumsetzung, wirken wir unterstützend mit und sehen optimistisch nach vorn.

Lehmen, März 2021
Dieter Möhring