"Lehmensart": Blick auf die Lebenswelt von Flüchtlingen

Lehmen. "Mein Nachbar kam mit dem Boot über's Meer" ist der Titel einer Veranstaltung von der Kulturinitiative "Lehmensart" gewesen, die Flüchtlinge in den Fokus rückte.

Unter anderem erläuterte Werner Huffer-Kilian, Pastoralreferent und Vertreter der Asyl-Fachkonferenz des Dekanates Maifeld-Untermosel, im vollbesetzten Pfarrsaal die Rahmenbedingungen für Flüchtlinge im Asylverfahren und deren Weg in unsere direkte Nachbarschaft. Ein Beispiel für die praktische Hilfe gaben Christa Schmidt und Wilfried Weinand vom Ökumenischen Arbeitskreis "Hilfe für Flüchtlinge". Sie begleiten schon seit vielen Jahren Flüchtlinge in den Gemeinden Rhens, Brey, Spay und Waldesch und sind dabei eng mit den Migrationsdiensten der Sozialverbände wie Caritas oder AWO vernetzt. Einmal im Monat organisieren sie abwechselnd in den Pfarrräumen dieser Gemeinden das "Cafe International", ein Begegnungstreffen, das zum Miteinander einlädt.

Ein weiteres Beispiel: Als Elfjährige kam eine heute 21-jährige Tschetschenin mit ihrer Familie nach Deutschland und lebte hier bis vor kurzem im Flüchtlingsstatus der "Duldung". Im vergangenen Jahr hat sie das Gymnasium mit dem Abitur abgeschlossen. Sie berichtete von den alltäglichen Schwierigkeiten, die das Leben in der Duldung mit sich bringt. Ihre Erzählungen machten auch deutlich, wie widersprüchlich die Erwartungen und gesetzlichen Regelungen sind, die an die Flüchtlinge gestellt werden: eine Arbeitserlaubnis für den Vater war nur mit einem gültigen Pass zu bekommen, aber den Pass konnte er nur dann erhalten, wenn er arbeitet und seine Familie von staatlichen Leistungen unabhängig finanzieren kann. Dass die Flüchtlinge für sich selbst Verantwortung übernehmen und vor allem finanziell unabhängig sein möchten, wurde auch im Gespräch mit zwei syrischen Flüchtlingen deutlich, die seit gut zwei Jahren mit ihren Familien in Lehmen wohnen.

"Lehmensart" ist es gelungen, den Blick auf die Lebenswelt der Menschen zu richten, die in Deutschland Schutz vor Verfolgung, Terror und Gewalt suchen. Durch die persönliche Fluchtgeschichte eines deutschen Vertriebenen, der nach dem 2. Weltkrieg irgendwann auch in Lehmen gestrandet war, wurde den anwesenden Gästen zusätzlich in Erinnerung gerufen, dass es viele Parallelen zur heutigen Situation der Flüchtlinge gibt. Stimmungsvoll wurde der Abend  durch die musikalischen Beiträge von Nicole Mercier aus Kalt abgerundet. Mit eigenen Liedern, und auf der Gitarre begleitet von Thomas Schilling, gelang es, viel von dem Lebensgefühl der Flüchtlinge an die Zuhörer weiterzugeben.

Wer weitere Informationen zur ehrenamtlichen Begleitungen von Flüchtlingen erhalten oder selbst aktiv werden möchte, kann sich mit Werner Huffer-Kilian in Verbindung setzen: Dekanatsbüro Maifeld-Untermosel, Obertorstraße 8, 56294 Münstermaifeld, Telefon: 0 26 05 / 9 62 78 17, Mobil: 01 70 / 7 93 84 20, E-mail: huffer-kilian@t-online.de

Foto: privat

www.lehmensart.de

 

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