Alltagsradwege werden ausgebaut

Auftaktveranstaltung zum Radwegekonzept

Daun. Die VG Daun will mit Beteiligung der Bürger ein Radwegekonzept erstellen lassen, um den alltäglichen Radverkehr zur erhöhen.

»Die Eifelregion gehört zu den besser gestellten Regionen, was den touristischen Radverkehr angeht«, sagt Peter Gwiasda. Er muss es wissen, schließlich war er 1985 Mitgründer des Kölner Planungsbüros VIA, das sich auf Verkehrsplanung spezialisiert und deutschlandweit viele Radverkehrsnetze konzipiert hat. Nun sollen er und seine Kollegin Andrea Fromberg der Verbandsgemeinde Daun auf die Räder helfen. Im Forum Daun fand am vergangenen Mittwochabend die Auftaktveranstaltung zum geplanten Radverkehrskonzept für die VG statt. Rund 40 Interessierte – darunter insbesondere zahlreiche Vertreter der Ortsgemeinden – wohnten der Veranstaltung bei. Ziel des Konzepts soll es sein, die Infrastruktur für den touristischen, vor allem aber für den alltäglichen Radverkehr zu verbessern.

»Das Verkehrsmittel Fahrrad erlebt aktuell eine Rennaissance«, sagte Dietmar Welling aus der Bauabteilung der VG-Verwaltung: »Ziel ist es, die Dörfer über ein familien- und touristenfreundliches Netz mitein­ander zu verbinden.« Touristische Sehenswürdigkeiten sowie die bereits bestehenden Themen- und Hauptradwege sollen an das Netz angeschlossen werden. Wichtig sei, dass die Wege außerhalb des Straßenverkehrs verlaufen. Die Grenze der VG Daun soll aber nicht die Grenze für die Radwege sein. »Wir arbeiten fast zeitgleich an einem Konzept in der VG Gerolstein. Und auch die VG Kelberg hat Interesse signalisiert. Da sind wahrscheinlich übergreifende Projekte möglich«, sagte Peter Gwiasda. Aus den Reihen der interessierten Bürger wurde bereits beim ersten Treffen deutlich, dass eine bessere Verbindung zwischen Daun und Gerolstein gewünscht wird. Die Ortsgemeinden, Interessenverbände und -gruppen, aber auch alle interessierten Radfahrer sollen in die Planung einbezogen werden. Dazu wird es Workshops geben, in denen die Beteiligten ihre Erfahrungen und Vorstellungen austauschen. Auf dieser Grundlage wird das Planungsbüro VIA einen Konzeptvorschlag erstellen.

In einem ersten Schritt haben die Planer ein »Wunschliniennetz« mit Luftlinien zwischen den wichtigsten Orten und Zielen zusammengestellt. Über dieses Netz soll gewährleistet werden, dass alle größeren Ortsteile miteinander verbunden werden. Die »Luftlinien« werden dann auf tatsächliche Wege übertragen, die das Alltagsnetz abbilden. Touristische Wege können ergänzt werden. Bei den Alltagswegen gehe es um möglichst schnelle Verbindungen, so Gwiasda.Bis zu den ersten Workshops, die im Januar stattfinden sollen, will das Planungsbüro ein Netz existierender Wege erstellen, auf denen die Radwege verlaufen könnten. Da sich die Bürger vor Ort am besten auskennen, sollen sie in den Workshops besprechen, welche Wege davon am besten nutzbar sind und wo es Probleme gibt. Anhand der Vorschläge werden die Planer alle Wege – voraussichtlich rund 300 Kilometer – mit dem Fahrrad abfahren und Gegebenheiten wie Wegbreite, Oberfläche, Knotenpunkte mit einer speziellen App digital erfassen.

Die Ergebnisse sollen bis zu den zweiten Workshops, die für August 2022 geplant sind, vorliegen. Alle Informationen und Karten sollen unter anderem auf der Internetseite der VG Daun zur Verfügung gestellt werden, sobald sie vorliegen. Etliche Wege werden sicher – wie es bereits jetzt der Fall ist – über vorhandene Wirtschaftswege laufen. »Die Berufskollegen legen da aber in den letzten Jahren eine gewisse Reserviertheit an den Tag«, sagte Marco Weber, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. Gerade im vergangenen Jahr habe der Radverkehr auf den Wirtschaftswegen zugenommen und es komme immer wieder zu Konfliktsituationen. Deshalb mögen bei dem Konzept Ausweichmöglichkeiten bedacht werden. Allerdings könnten beide Gruppen davon profitieren, denn je nach Weg bestehen Möglichkeiten hoher finanzieller Förderungen für den Ausbau. Und gut ausgebaute Wege seien eine Aufwertung sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Kommunen, so Weber.

Peter Gwiasda ist davon überzeugt, durch ein Konzept den Radverkehr auch in ländlichen Bereichen mit »topographisch bewegten Gebieten« erhöhen zu können. Er verwies auf die 14.000-Einwohner-Stadt Isny im Allgäu. Dort werden laut einer Befragung 25 Prozent der Wege mit dem Rad zurückgelegt. »25 Prozent werden wir hier bei den weiten Entfernungen zwar nicht erreichen, aber 15 Prozent bestimmt«, erklärte er. »Wir brauchen die Mobilitätswende, um künftig bezahlbar von A nach B zu kommen«, resümierte VG-Bürgermeister Thomas Scheppe.

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