Der Napf ist immer gefüllt

"Menschen des Jahres": Tierteller Eifel e.V.

Jünkerath. Wenn Menschen alleine leben und dazu vielleicht noch persönliche Schicksale verkraften müssen, sind Haustiere oft eine wichtige Stütze. Der »Tierteller Eifel e.V.« sorgt für genug Futter.

Futter, Hygiene, Tierarztbesuche - das alles kostet Geld. Und gerade in schwierigen Lebenssituationen, in denen die Tiere den Menschen Kraft geben, sitzt genau das nicht immer so locker. "Oft ist ein Haustier das letzte, was Rentner noch haben. Das wegzunehmen, wäre eine Katastrophe", weiß Heidi Fuchs. Sie engagiert sich ehrenamtlich beim Verein "Tierteller Eifel". Und zwar ziemlich stark, wie der Vereinsvorsitzende Hans-Dieter Budick findet. Deshalb hat er auf den Aufruf des WochenSpiegel hin, Vorschläge für die "Menschen des Jahres" einzureichen, Heidi Fuchs und die ebenso engagierten Manuela Hoffmann und seine Frau Luise Budick genannt.Vor allem kümmert sich der Verein - genauso wie die "Tafeln" für Menschen - um die Versorgung von Haustieren mit Futter. Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt er auch Tierarztkosten.

Der "Tierteller" ist der einzige Verein seiner Art zwischen Trier und Köln. Entsprechend weitverzweigt ist der Kundenstamm. Seit fast vier Jahren sorgen die ehrenamtlichen Mitglieder dafür, dass Hund, Katze und Co nicht hungern müssen. Inspiriert zur Idee wurden Luise und Hans-Dieter Budick, als sie an der Kölner Tiertafel vorbeifuhren. "Wir dachten, gerade auf dem Land müsste es doch viele Tiere geben", erklärt Hans-Dieter Budick. Rund ein Jahr dauerte die Vorbereitung bis zur ersten Futtermittelausgabe. "Nach der ersten Ausgabe hatten wir unsere Zweifel. Nur drei Leute waren gekommen", erinnert er sich: "Aber es wurden dann immer mehr." Heute profitieren 230 Tiere und ihre rund 100 Besitzer von der Futterausgabe, die alle zwei Wochen gegenüber dem Jünkerather Bahnhof stattfindet. Luise Budick ist sich sicher, dass der Bedarf eigentlich noch größer ist: "Aber viele schämen sich, die Hilfe in Anspruch zu nehmen."

Zwölf Mitglieder zählt der Verein aktuell. Hans-Dieter und Luise Budick sowie Manuela Hoffmann und Heidi Fuchs bilden den aktiven Kern. Manuela Hoffmann lebt von Kindesbeinen an mit Tieren zusammen. Bei ihr wohnen zwei Katzen, von denen eine bereits 13 Jahre alt ist. »Ich wollte immer was mit Tieren machen«, sagt sie. Bei einem Tag der offenen Tür lernte sie den Verein kennen und ist seitdem aktiv dabei. Als Heidi Fuchs in Frührente ging, suchte sie eine Beschäftigung, bei der sie etwas Gutes tun konnte – und landete nach einem Anruf schließlich beim »Tierteller«. »Wenn man hier die Ausgabe gemacht hat, ist man zufrieden und geht mit einem guten Gefühl nach Hause«, berichtet sie. Bei ihr leben zwei Katzen und ein 16-jähriger Hund. "Sobald es etwas zu tun gibt, sind sie zur Stelle", lobt der Vereinsvorsitzende seine drei Mitstreiterinnen.

So war es auch Mitte Juli, als die Hochwasserkatastrophe die Ausgabestelle verwüstete. Zwei Meter hoch stand das Wasser in den beiden angemieteten Garagen und etwa einen halben Meter hoch im Ausgaberaum. Aufgequollenes Trockenfutter, nasse Utensilien des Tierbedarfs, Matsch und Wasser - vier Tage lang ackerte das Quartett mit Unterstützung einiger Kunden und Mitglieder, bis das gröbste geschafft war. »Wir haben sogar Flusskrebse aus der Garage geholt«, berichtet Heidi Fuchs schmunzelnd. »Jeder hatte am Ende des Tages Schmerzen«, erzählt Hans-Dieter Budick. Danach ging es stundenweise weiter. Nebenbei half man noch der Vermieterin der Räumlichkeiten in ihrer Wohnung. Aufgeben stand zu keinem Zeitpunkt zur Debatte.

In einer Garage wurden Paletten aufgestellt und was noch brauchbar war, wurde dort gelagert. "Relativ zeitnah kamen auch Spenden von Großfirmen, die uns regelmäßig mit Futtermitteln unterstützen", berichtet Hans-Dieter Budick. Auch etliche Futter- und Geldspenden von privat, Vereinen und weiteren Unternehmen erreichten den Tierteller. Zur Aufbewahrung wurden in Stadtkyll Lagerboxen angemietet. Und die Vereinsmitglieder erlegten sich noch mehr Arbeit auf. Mit Futter und Tierbedarf machten sie nach Absprache mit den Bürgermeistern im August in Waxweiler, Densborn und Gemünd Station, um dort Hochwasserbetroffene mit Haustüren zu unterstützen. Auch den Bringservice, mit dem der "Tierteller" Kunden beliefert, die nicht mobil sind, wurde ausgeweitet auf Flutgeschädigte. Die Ausgabe in Jünkerath - aktuell aus dem Auto heraus - wurde auf zwei Termine im Monat ausgeweitet.

Aus der Not hat der Verein eine Tugend gemacht. Denn statt der monatlichen Ausgabe in den derzeit nicht mehr nutzbaren Räumen in Jünkerath wird es ab März zwei Ausgabestellen geben: jeden zweiten Freitag im Monat in Hallschlag, jeden vierten Freitag in Gerolstein. Über Unterstützung freut man sich beim "Tierteller Eifel" übrigens jederzeit. Eine Jahresmitgliedschaft kostet nur 24 Euro. Auch wer ins seiner Freizeit nur einige wenige Stunden erübrigen kann, aber dennoch etwas Gutes für Tier und Mensch tun möchte, ist dem Verein eine große Hilfe.

https://tiertellereifel.jimdofree.com/

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