Frederik Scholl

Der Rotbach fließt jetzt in natürlichen Schleifen

Sinzenich. Im Sinne des Hochwasserschutzes fließt der Rotbach in Sinzenich seit vergangener Woche durch ein neu geschaffenes Bachbett.

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Freuen sich gemeinsam über den »Umschluss« des Rotbachs in sein neues Bachbett (v.li.): Sinzenichs Ortsvorsteher Josef Heinrichs, Zülpichs Beigeordneter Ottmar Voigt, Bürgermeister Ulf Hürtgen, Erftverband-Vorstand Dr. Bernd Bucher und Planungsingenieur Volker Gimmler.

Freuen sich gemeinsam über den »Umschluss« des Rotbachs in sein neues Bachbett (v.li.): Sinzenichs Ortsvorsteher Josef Heinrichs, Zülpichs Beigeordneter Ottmar Voigt, Bürgermeister Ulf Hürtgen, Erftverband-Vorstand Dr. Bernd Bucher und Planungsingenieur Volker Gimmler.

Foto: Scholl

»Das Problem and dieser Stelle ist, dass der Rotbach und der Marienbach beide höher liegen, als die Ortslage Sinzenich. Das heißt wenn die ausufern, fließen die dem natürlichen Gefälle folgend durch die Ortslage durch«, schildert Volker Gimmler, Planungsingenieur beim Erftverband den bisherigen Status Quo. Die neue Maßnahme soll das künftig verhindern. Der Marienbach und der Rotbach wurden auf eine Länge von etwa 600 Metern in die Fläche zwischen den beiden ursprünglichen Bachbetten verlegt. Der Marienbach liegt jetzt weiter südlich vom Ortsrand entfernt. Der Rotbach fließt künftig in natürlichen Schleifen, sogenannten Mäandern. »Dadurch haben wir Platz geschaffen zwischen der Ortlage und dem neuen Verlauf des Marienbachs. In diesem Raum haben wir einen breit ausgezogenen Schutzwall errichtet«, so Gimmler. Zudem sei zwischen Rotbach und Marienbach das Gelände zu einer sogenannten Sekundäraue abgesenkt worden. »Das Wasser kann also früher aus den Rotbach in diese Sekundäraue ausufern, ohne, dass es Schaden anrichtet«, erklärt der Ingenieur. Insgesamt bedeute das, dass man das Hochwasser länger in der Aue halten könne.

Ökologischer Lebensraum

Die Aue selbst wird mit auetypischen Gehölzen bepflanzt, um dem Gewässer ein naturraumtypisches Umfeld zu schaffen. So werde auch ein ökologisch hochwertiger Lebensraum geschaffen.

Rund ein Jahr haben die Baumaßnahmen bisher gedauert. »Wir werden voraussichtlich Ende des Jahres mit der Bepflanzung und den Arbeiten fertig sein. Die Kosten für die gesamte Maßnahme belaufen sich auf Rund 1,3 Millionen Euro. 80 Prozent werden durch das Land NRW gefördert.

»Es ist eine lang ersehnte Maßnahme, die nicht nur Sinzenich hilft, sondern auch anderen Ortschaften. Zudem ist es sehr schön, wenn man Hochwasserschutz mit ökologischen Aspekten kombinieren kann. Wir freuen uns auf den Auenwald«, betont Zülpichs Bürgermeister Ulf Hürtgen.

Für weitere Entlastung von Sinzenich und der weiter unterhalb liegenden Ortschaften könnte in Zukunft auch ein Hochwasser-Rückhaltebecken oberhalb von Schwerfen sorgen. Die Entwürfe des Erftverbandes sehen diese Maßnahme im Rotbachtal oberhalb der am südlichen Ortsrand gelegenen Talmühle vor. Durch den Bau eines maximal 8,75 Meter hohen und am Fuß 50 Meter breiten Dammes könnten im Bedarfsfall auf einer Einstaufläche von rund sechs Hektar zirka 165.000 Kubikmeter Wasser zurückgehalten und zeitlich verzögert abgelassen werden. Wann es in die konkrete Planung oder gar Umsetzung dieses Projekt gehe, stehe jedoch noch nicht fest.

Eine weitere, mittelfristig umsetzbare Maßnahme – in diesem Fall mit interkommunalem Charakter – sei laut Erftverband die Umgestaltung des Mühlensees in Kommern. Ziel ist dort die Maximierung des Hochwasserrückhalteraumes sowie die Realisierung einer Drosselabgabe. Diese Maßnahme würde nicht nur zu einer Reduzierung der Hochwassergefahr für die Mechernicher Ortslagen Kommern und Firmenich/Obergartzem führen, sondern unter anderem auch für die am Bleibach gelegenen Zülpicher Ortsteile Dürscheven und Mülheim-Wichterich.

 


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