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Jecke Vögel flattern an Zuschauern vorbei

Von den Wänden des Festwagens der Nordeifelwerkstätten (NEW) in Kuchenheim krächzen in den kommenden Tagen ein paar bunte, bestens gelaunte Vögel auf die Jecken an den Zugrändern hinab. Das Federvieh sticht sofort ins Auge, denn es ähnelt in seiner Machart und Präzision den Wagen in den Karnevalsmetropolen Köln und Düsseldorf. Das kommt nicht von ungefähr.
Bilder
Die Logos verschiedener NEW-Abteilungen zieren die Bäuche der knatschverdötschten Karnevalsvögel.

Die Logos verschiedener NEW-Abteilungen zieren die Bäuche der knatschverdötschten Karnevalsvögel.

Für die verdötschten NEW-Vögel stand Jacques Tilly Pate. Tilly ist der Wagenbauer des Düsseldorfer Rosenmontagszuges schlechthin. Seit über 30 Jahren entwirft und baut er Karnevalswagen, darunter die des Prinzenpaares und zahlreicher politische Themen, die für Aufsehen gesorgt haben. »Wir gehen seit zehn Jahren in Zügen in der Umgebung mit«, berichtet Marc Wilden, Werkstattleiter der NEW in Kuchenheim und Kall. Angefangen hat es mit dem Kuchenheimer Karnevalszug. Mittlerweile gehen die NEW-Mitarbeiter im Euskirchener Rosenmontags- sowie Südstadtzug mit.

Tilly war begeistert

»Vor sechs Jahren waren wir erstmals mit einem geliehenen Wagen dabei, vor fünf Jahren haben wir unseren eigenen Wagen erstanden«, erzählt er: »Die treibenden Kräfte waren immer Achim Baum und Rodger Ody.« Unter der Leitung von Jürgen Spilles wurde der Wagen von hauptamtlichen Kräften und den Mitarbeitern mit Handicap der Abteilung Handwerkliche Dienste der NEW-Tochter EuLog gestaltet und aufgebaut. Da Spilles diesmal ausfiel, suchte Wilden jemand, der beim Wagenbau hilft. »Für die Düsseldorfer Werkstätten für angepasste Arbeiten baut Tilly seit Jahren die Wagen«, weiß der gebürtige Kölner: »Ich dachte: Wer fragt, bekommt eine Antwort.« Tatsächlich war Tilly von der Idee angetan, dass die NEW ihren Leuten die Teilnahme am Zug ermöglichen. »Viele waren früher selbst in Karnevalsvereinen aktiv. Das ist ihnen aber aufgrund ihrer Erkrankungen oft nicht mehr möglich«, weiß Wilden. Den Kontakt zu Tilly hatte er Anfang Januar aufgenommen. Für eine ausführliche Unterstützung reichte die Zeit da nicht mehr. So agierte Tilly laut Wilden als »Spiritus Rector«. Die Idee der Vögel auf dem Wagen stammt von Tilly. »Er sagte: Ihr seid doch gut drauf. Ihr seid doch Spaßvögel«, so Wilden. So wurde kurzerhand ein alter Entwurf Tillys noch einmal genutzt. Wilden und einige Mitarbeiter reisten nach Düsseldorf und waren völlig begeistert von den Wagenhallen.

Erste Kniffe gelernt

Sie lernten erste Tricks und Kniffe, etwa die plastische Umsetzung einer Skizze. Oder dass eine Mischung, die Knochenmehl und Kreide beinhaltet, die Reliefs besonders hart macht. Und auch wie man Farbakzente richtig setzt. Doch in der Kürze der Zeit alles zu lernen, wäre zu viel gewesen. So bekamen die Kuchenheimer Jecken Unterstützung von Profibauern aus den Reihen um Tilly. Bald soll es einen Workshop geben, in dem den Mitarbeitern die Kunst des Wagenbaus nähergebracht wird. »Vielleicht werden wir so gut, dass wir den Wagenbau anderen Vereinen anbieten können«, schwärmt Wilden: »Es würde unsere Mitarbeiter stolz machen, wenn sie am Zugrand stehen und einen ihrer Wagen sehen. Wir haben einige supertalentierte künstlerisch Begabte und die wollen wir fördern.«

Umzüge

Mit dem diesjährigen Wagen sind die NEW-Jecken samstags im Euskirchener Südtstadtzug sowie sonntags im Kaller und montags im Euskirchener Karnevalszug unterwegs.