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»Landrat kann man nicht studieren«

26 Jahre war Günter Rosenke Landrat des Kreises Euskirchen. Jetzt geht er in den Ruhestand. Im Gespräch mit dem Wochenspiegel blickt er zurück und spricht über seine Pläne.
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Landrat Günter Rosenke geht in den Ruhestand. Im Gespräch mit dem Wochenspiegel blickt er auf seine Amtszeit zurück. Foto: Kreis Euskirchen

Landrat Günter Rosenke geht in den Ruhestand. Im Gespräch mit dem Wochenspiegel blickt er auf seine Amtszeit zurück. Foto: Kreis Euskirchen

»Ich habe meine Aufgabe immer sehr gerne gemacht, schließlich ist Freude am Beruf eine der wichtigsten Voraussetzungen«, sagt Günter Rosenke. Er blicke auf viele schöne Erinnerungen zurück, schließlich seien diese – wie er selbst immer betont – »Wärmeflaschen fürs Herz«. Mit einem Schmunzeln sagt Rosenke: »Ich habe früh angefangen, diese Wärmeflaschen zu sammeln, damit ich im Ruhestand möglichst viele davon genießen kann.«
Was lag ihm in seiner Amtszeit besonders am Herzen? Die Stärken des Kreises Euskirchen weiter voranbringen, das touristische Potenzial ausbauen und die solide Mittelstandswirtschaft fördern, um nur zwei Beispiele zu nennen. »An erster Stelle standen bei mir die Bürgerinnen und Bürger«, so Rosenke. »Unser Slogan (»Kreis Euskirchen – einfach wohlfühlen«) war für mich hier der entscheidende Ansporn.«

Thema Gesundheit spielte übergeordnete Rolle

Das Thema Gesundheit hat für ihn während seiner Amtszeit immer eine übergeordnete Rolle gespielt. So sei unter anderem das Projekt »Telenotarzt« ein Schwerpunkt. Im Notfall bekommt dabei die Besatzung eines Rettungswagens per Funk- und Videotechnik Unterstützung und Anweisungen von einem Notarzt, sofern kein mobiler Notarzt zur Verfügung steht. »Auch für die Verbesserung der Telemedizin habe ich mich immer eingesetzt. Sicherlich hat auch mein erlernter Beruf als Technischer Beamter im Fernmeldewesen damit zu tun, dass ich eine gewisse Technikaffinität an den Tag lege«, erklärt der Landrat. Auch die Errichtung einer Pflegeschule im Kreis Euskirchen ist für den 69-Jährigen eine Herzensangelegenheit. »Vor zwei Jahren haben wir intensiv daran gearbeitet, eine solche Schule im Kreis zu etablieren. Und gerade jetzt in der Corona-Krise haben wir deutlich feststellen müssen, woran es in dieser Hinsicht mangelt. Am Pflegepersonal. Leider fällt das vielen erst auf, wenn die Not da ist«, erläutert Rosenke.

»Wer stehen bleibt, steht im Weg«

»Wer stehen bleibt, steht im Weg«, so lautet Günter Rosenkes universaler Leitspruch. »Das gilt tatsächlich für alle Bereiche, mit denen ich zu tun hatte«, sagt der Landrat.
Dass ein Chef immer nur so gut sein kann wie sein Team, dessen war und ist sich der scheidende Landrat bewusst. »Man kann nicht alles können und ist immer auf eine gute Zusammenarbeit angewiesen. Wenn eine Verwaltung nach außen gut da steht, dann ist es  auch das Verdienst der Mitarbeiter. Ich bin immer offen und dankbar gewesen für konstruktive Kritik von Mitarbeitern.«
Besonderen Wert hat der Verwaltungschef daher auch auf familienfreundliche Arbeitsverhältnisse gelegt. »Die Kreisverwaltung bietet zum Beispiel Mitarbeiterinnen während der Schwangerschaft oder in der Elternzeit die Möglichkeit und das Equipment, um aus dem Homeoffice zu arbeiten. Es ist schließlich das Know-How der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das zählt. Gerade in Zeiten, in denen auch in der Verwaltung Fachkräfte rar sind, gilt es bei potenziellen Mitarbeitern zu punkten und die eigenen zu binden«, erklärt Rosenke.
Ebenso wichtig, wie der Kontakt ins Innere der Kreisverwaltung, ist für den Landrat der Kontakt nach außen, beispielsweise zu den Unternehmen im Kreis. Auch die Wirtschaftsförderung sei für den Kreis Euskirchen ein unverzichtbares Instrument.

Wirtschaftsfaktor Tourismus

Einer von vielen wirtschaftlichen Faktoren, mit dem der Kreis Euskirchen punktet, ist selbstverständlich der Tourismus. »Unser Slogan ,Kreis Euskirchen: Einfach wohlfühlen’ gilt nicht nur für die Bürger, die hier leben, sondern auch für Gäste. Man kann die Landschaften nicht nur bewundern, sondern auch bewandern«, weiß Rosenke. Auch das Thema Fahrradfreundlichkeit wird seit jeher großgeschrieben.
Die Kommunen des Kreises in puncto Tourismus unter dem Dach der gemeinsamen Gesellschaft »Nordeifel Tourismus« zu vereinen, sei eine echte Herausforderung gewesen. »Unser Ziel war es, alle Kommunen im Kreis mitzunehmen, und das ist uns gelungen«, sagt Rosenke.
Günter Rosenke blickt auf eine lange und ereignisreiche Amtszeit zurück. »Landrat kann man nicht studieren, jedes Projekt und jede Aufgabe sind neue Herausforderungen, in die man sich hineindenken muss. Ich kann und ich will auch nicht alles wissen und manchmal muss man sich auch Fehler eingestehen. Aber wenn man wie ich ein gutes Team hinter sich hatte, dann macht die Arbeit Spaß«, resümiert der 69-Jährige.

Mehr Zeit mit den Enkeln verbringen

Pläne für seinen Ruhestand hat Rosenke viele. Am meisten freut er sich darauf, mehr Zeit mit seiner Familie und besonders mit seinen Enkeln verbringen zu können. Auch wenn er ab kommender Woche nicht mehr Landrat sein wird, will er die Tradition der wohltätigen Konzerte mit seiner BüLaRose-Band (Bürger-Landrat-Rosenke-Band) weiter fortführen. »Bei einem Beruf, der einen fordert, muss man sich seine Nischen schaffen. Bei mir war es die Musik. Und wenn die Corona-Krise vorbei ist, dann werden wir auch zukünftig auftreten und Freude verbreiten«, verspricht der Frontmann der Band. So wie es für ihn eine Freude war, 26 Jahre als Landrat an der Spitze des Kreises Euskirchen gestanden zu haben.
Die gleiche Freude und Begeisterung wünscht er auch seinem Nachfolger Markus Ramers (34), der sich in der Stichwahl gegen Johannes Winckler durchgesetzt hat und der sein Amt am 1. November 2020 antreten wird. »Für diese verantwortungsvolle Aufgabe an der Spitze des Kreises wünsche ich ihm eine ebenso große Loyalität und Unterstützung wie ich sie erfahren habe sowie eine glückliche Hand bei den vor ihm liegenden Herausforderungen«, so Rosenke.