Fridolin

Voll im Trend – Einwecken wie zu Uromas Zeiten

Feinschmecker. Im Laufe der Jahrhunderte wurde ja schon oft „gutes Altes“ wieder neu entdeckt. So liegt seit einiger Zeit auch „Einmachen bzw. Einwecken“ von Obst und Gemüse oder anderen Nahrungsmitteln auch bei jungen Leuten wieder voll im Trend.

Manch einer erinnert sich vielleicht noch an die leicht eingestaubten großen Gläser in Omas oder Uromas Keller, die mit Gurken, Pfirsichen oder einfach mit Marmelade gefüllt waren. Damals wurde Obst und Gemüse hauptsächlich haltbar gemacht, weil es noch keine Kühlschränke, geschweige denn Gefrierschränke, gab. Außerdem konnte man sich auf diese Weise einen Vorrat für „schlechte Zeiten“ anlegen. Wer früher einen Obst- oder Gemüsegarten hatte, konnte die Ernte nicht auf einmal essen. Auch dies war ein Grund dafür, das Geerntete einzumachen bzw. einzukochen, um so das ganze Jahr über mit eigenem Obst und Gemüse versorgt zu sein. 

Einmachen, Einkochen oder Einwecken 

Das Einmachen kennen auch junge Leute von selbstgemachter Marmelade, Gelee oder Kompott. Hier werden die Lebensmittel, meist Obst, gekocht und anschließend in sterile, luftdichte Gläser gefüllt. Wenn man aber vom Einkochen oder auch vom „Einwecken“ spricht, ist die Methode eine ganz andere. Hier wird das Einmachgut, das zuvor natürlich gewaschen und portioniert wurde, roh oder blanchiert in ein spezielles Einmachglas geschichtet. Dieses wird dann mit Hilfe eines Gummirings, eines Deckels und Klammern fest verschlossen und im Wasserbad erhitzt. Nach Ablauf der entsprechenden Kochzeit, werden die Gläser aus dem Wasser genommen und kühlen ab. Da beim Abkühlen ein Unterdruck entsteht, ist der Inhalt danach luftdicht verschlossen. Durch das Kochen im Wasserbad wurden zuvor auch Keime und Bakterien abgetötet, so dass das Eingekochte je nachdem ein Jahr und länger haltbar ist. Dafür müssen die Gläser an einem kühlen und dunklen Ort aufbewahrt werden. Ende des 19. Jahrhunderts war es der Chemiker Rudolf Rempel, der herausfand, dass der Inhalt von luftdicht verschlossenen Gläsern durch Kochen konserviert werden konnte. Das Patent für diese Methode erwarb dann allerdings Johann Carl Weck. Daher wird diese Methode auch heute noch nach ihm benannt, wenn alle Welt vom „Einwecken“ spricht. Die Firma Weck stellt übrigens bis heute noch die besagten „Weckgläser“ her. 

Was benötigt man zum Einwecken? 

Zum Einwecken benötigt man frische Zutaten, eine Küchenwaage, spezielle Einkochgläser (mit Gummiring, Deckel und Klammer), ein Kochthermometer, einen großen Topf und Geschirrtücher. Viele Haushaltswarengeschäfte bieten diverses Einkoch-Zubehör an. Es gibt zum Beispiel auch Einweckautomaten, die das Einwecken erleichtern, da hier ganz genau die gewünschte Temperatur und Kochdauer eingestellt werden kann. Ganz wichtig ist, dass die Gläser steril sind. Es reicht nicht, sie einfach mit heißem Wasser auszuspülen, sie müssen ausgekocht oder bei 150 Grad zehn Minuten in den Backofen gestellt werden. Natürlich ohne die Gummiringe, diese legt man separat am besten ein paar Minuten in kochendes Essigwasser.

Jetzt geht’s los! 

Das je nach Rezept vorbereitete Einmachgut wird in die Gläser gefüllt und diese werden samt Gummiring, Deckel und Klammern fest verschlossen. Nun werden die Gläser in den Kochtopf gestellt, anschließend wird Wasser hinzugefügt, das ungefähr die Temperatur der Gläser haben sollte. Dann wird das Wasser je nach Lebensmittel auf eine Temperatur zwischen 75 und 100 Grad erhitzt. Falls kein Einkochautomat vorhanden ist, kommt jetzt das schon erwähnte Einkochthermometer zum Einsatz. Die angegebene Kochzeit sollte möglichst genau eingehalten werden. Nach dem Kochvorgang lässt man die Gläser dann noch ca. 10 Minuten im heißen Wasser stehen, ehe man sie auf die Tücher stellt und ganz auskühlen lässt. Jetzt kommt noch die Deckelprobe: Klammern entfernen und prüfen, ob der Deckel fest sitzt. Falls ja, hat alles geklappt und es hat sich ein Vakuum gebildet. Die Gläser kann man dann, wie es schon früher die Omas oder Uromas taten, schön beschriften und in den kühlen, dunklen Keller stellen. Sobald ein Glas angebrochen ist, sollte man dieses aber besser im Kühlschrank aufbewahren. 

Gesund und nostalgisch 

Warum aber ist das Einwecken heutzutage eigentlich wieder so in Mode gekommen? Das liegt in erster Linie daran, dass sich immer mehr Menschen gesundheits- und umweltbewusster ernähren und es toll finden, dass man durch diese altbewährte Einkoch-Methode, Lebensmittel ohne Konservierungsstoffe oder sonstige künstliche Zusatzstoffe haltbar machen kann. Im hektischen Familien-Alltag ist auch nicht immer Zeit, täglich frisch zu kochen. Wer eingeweckt hat, kann immer schnell etwas Leckeres und Gesundes auf den Tisch zaubern und so den Griff zu ungesunder Fertigkost vermeiden. Doch es gibt noch einen anderen Grund: Heutzutage leben die meisten Menschen mit moderner Technik, sind durch Smartphone und Tablet ständig erreichbar und oft unter „Dauerstrom“. Da kommt bei vielen der Wunsch nach Ursprünglichkeit und auch Nostalgie auf. Uromas „Einwecken“ verbindet man mit viel Zeit und Gemütlichkeit, wobei vermutlich manche Uroma ein stressigeres Leben hatte als die heutigen Urenkel und das Einwecken damals eher aus der Not heraus geboren wurde. 

Selbstgemachtes zum Verschenken 

Was soll man heutzutage jemandem schenken, der entweder schon alles hat oder so minimalistisch lebt, dass er nichts Unnötiges mehr haben möchte? Auch hier kommt Eingemachtes bzw. Eingewecktes sehr gut an; ob selbstgemachter Likör, ein edler Senf eine hausgemachte Marmelade oder auch ein Weckglas mit einem leckeren Inhalt ist auf jeden Fall heutzutage ein ganz persönliches und besonderes Geschenk. Noch ist ja genug Zeit bis Weihnachten; warum also nicht dieses Jahr einmal etwas Eingewecktes verschenken? Die Zeiten, in denen „Selbermachen“ ein Zeichen von Geldnot war, sind schon lange vorbei. Mittlerweile gibt es viele spezielle Bücher zu diesem Thema und natürlich findet man auch im Internet allerlei tolle und kreative Rezepte sowie detaillierte Anleitungen. Längst sind es auch nicht mehr nur Gemüse, Beeren oder Gurken, die eingekocht oder eingemacht werden, sondern beispielsweise sogar Fleischgerichte oder Kuchen

Swap-Partys sind der Renner 

Was es allerdings zu Omas Zeiten noch nicht gab, sind so genannte Swap-Partys (swap = Tausch). Hier trifft man sich heutzutage mit Freunden bzw. Gleichgesinnten und tauscht Konfitüren, eingelegte Gurken oder Bolognese-Sauce samt der eigenen Einmach-Rezepte und der neuesten Erkenntnisse zum Thema „Einwecken“ aus. Partygäste, die noch nichts eingemacht haben, bringen einfach Gebäck oder Kuchen mit und nach der Tauschparty gehen sie mit jeder Menge Anregungen und Einwecktipps nach Hause und veranstalten dann vielleicht die nächste Party. 

Frisch direkt vom Hof 

Die Zutaten, die man laut Rezept für das Einmachen oder Einwecken benötigt, sollten immer ganz frisch sein. Wer Wert auf gesundes und umweltbewusstes Essen legt, kann sehr gut die regionalen Angebote der nahegelegenen landwirtschaftlichen Betriebe nutzen, die zum Teil auch eine Hofvermarktung anbieten. Einige Höfe verkaufen vorrangig Obst und Gemüse, andere wiederum frische Milch, Käseprodukte und/oder Eier. Praktisch sind dort auch die modernen Selbstbedienungsautomaten, an denen man sich jederzeit – unabhängig von den Öffnungszeiten des Hofes – frische Milch zapfen oder Eier herausnehmen kann. Viele Hofläden bieten übrigens mittlerweile sogar selber Eingewecktes an, so dass man sich auch hier einige Anregungen holen kann. In diesem Sinne viel Spaß beim „Einwecken“ mit der Familie und natürlich guten Appetit!

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