Fridolin

Endloses Schreien: Das umstrittene Kiss-Syndrom

Fit & Fröhlich. Für junge Eltern ist das einfach schrecklich: Wenn Babys ganz ohne ersichtlichen Grund immer wieder schreien, dann sind Eltern schnell am Ende mit ihren Nerven. Sie verzweifeln regelrecht, weil sie ihrem Kind nicht helfen können. Vor allem, wenn einfach kein Grund für das Schreien auszumachen und auch der Kinderarzt ratlos ist.

Das Kiss-Syndrom

Dann kommt schnell der Begriff Kiss-Syndrom ins Spiel. Die Abkürzung steht für Kopfgelenk induzierte-Symmetrie-Störung bei Babys. Damit gemeint ist eine durch das Kopfgelenk ausgelöste Störung der Symmetrie. Das Kind läge dann eher einseitig, also vermehrt auf einer Seite. Diese Fehlstellung der ersten beiden Kopfgelenke bzw. Halswirbel soll ein ganzes Bündel von Symptomen bei Säuglingen und Kleinkindern auslösen.

Symptome und Ursachen des Kiss-Syndroms

Der Chirurg Dr. Heiner Biedermann hat den Begriff Kiss-Syndrom 1991 eingeführt. Als Haupt-Symptom gilt eine starke Einseitigkeit, also eine klar bevorzugte Seite, zu der das Baby auch immer den Kopf dreht. Dieses vermehrte Liegen auf einer Seite soll unter anderem Probleme beim Stillen auslösen sowie Schluckbeschwerden und Schlafstörungen verursachen. Danach wird die Beweglichkeit des Kopfes eingeschränkt. Babys entwickeln starkes Speicheln, und es kommt zum häufigen, unstillbaren Schreien.

Ausgelöst werden könne das Kiss-Syndrom, wenn starker Druck auf den Kopf und die obere Halswirbelsäule ausgeübt wird, was bei einer Geburt zwangsläufig passiert. Prädestiniert seien Babys, die in der Schwangerschaft lange in einer Lage verharrt haben. Als Risiko-Gruppe genannt werden außerdem Kaiserschnitt-Kinder und Kinder mit hohem Gewicht bei der Geburt bzw. in der Schwangerschaft.

Folgen und Kritik

Kiss-Verfechter sind der Auffassung, dass sich das Syndrom nicht mit der Zeit auswächst. Die Folge seien gestörte Bewegungsabläufe, Konzentrationsschwierigkeiten, Migräne, ADHS, ADS, auffälliges Sozialverhalten und eingeschränkte Wahrnehmung. Viele Kinderärzte und Orthopäden stehen dem Begriff kritisch gegenüber, da es keine wissenschaftlich anerkannten Studien gibt, die beweisen, dass es das KISS-Syndrom überhaupt gibt. Deshalb ist die Diagnose auch nicht Bestandteil des international anerkannten Klassifizierungssystems für Diagnosen.

Behandlungsmethoden

Gleichwohl gibt es Behandlungsmethoden. Verschiedene Therapieformen sollen Säuglingen schon in den ersten Wochen helfen können. Dabei geht es jeweils darum, die verschobenen Halswirbel wieder in Position zu bringen und somit die Bewegungsblockaden zu lösen und die Form des Hinterkopfes wieder normalisieren. rb

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