Andreas Bender

Der Bedarf ist da - die Mittel nicht

Ohlweiler. Der Fachkräftemangel steigt, die Zahl der Jugendlichen, die durchs klassische Ausbildungsraster zu fallen drohen auch. Doch Fördermaßnahmen kosten Geld. Ist ein regionaler Ausbildungsfond die Lösung?
Bilder
Das EBZ in Ohlweiler hilft Jugendlichen dabei, wieder im Bildungssystem Fuß zu fassen. Die Nachfrage steigt stetig an, doch die Hürden sind hoch. Nun sucht der EBZ-Geschäftsführer nach Möglichkeiten, das Angebot niederschwelliger zu gestalten - könnte ein privater Ausbildungsfonds helfen?

Das EBZ in Ohlweiler hilft Jugendlichen dabei, wieder im Bildungssystem Fuß zu fassen. Die Nachfrage steigt stetig an, doch die Hürden sind hoch. Nun sucht der EBZ-Geschäftsführer nach Möglichkeiten, das Angebot niederschwelliger zu gestalten - könnte ein privater Ausbildungsfonds helfen?

Foto: Robert Syska

Es klingt paradox: In Zeiten, in denen es Betrieben von Jahr zu Jahr schwerer fällt, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, bleibt gleichzeitig das Potential einer wachsenden Anzahl von Jugendlichen ungenutzt, die durchs Raster der klassischen Bildungswege zu rutschen drohen. Die Gründe dafür sind vielfältig, äußern sich aber häufig in Schulmüdigkeit und mangelnder beruflichen Orientierung. »Die Schulen spiegeln uns, dass sich diese Fälle häufen«, sagt Berthold Breit. Er ist der Geschäftsführer des Schmiedel-Bildungszentrums »EBZ« in Ohlweiler. »Durchaus möglich, dass die zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Pandemie die Situation hier noch weiter verschärft haben«, vermutet er.
 
Als eine der wenigen Einrichtungen in der Region unterstützt und begleitet das EBZ Jugendliche und Erwachsene mit zusätzlichem Förderbedarf auf ihrem Weg ins Berufsleben - mit zusätzlicher fachlicher und sozialpädagogischer Förderung.
 
Als »Ausbildung plus« bezeichnet Breit dieses Angebot des EBZ. Außerbetrieblich werden an den Standorten Ohlweiler, Nannhausen und Simmern künftige Fachkräfte in den Bereichen Metall- und Holzverarbeitung, Malen und Lackieren, Hauswirtschaft, Küche und Gastronomie qualifiziert und ausgebildet. Zum großen Teil bereits jetzt Mangelberufe, in denen sich der Bedarf an Fachkräften in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte, wie Berthold Breit betont.
 
Das Problem: Der Bedarf nach Angeboten wie denen des EBZ steigt, doch außerbetriebliche Aus- und Weiterbildung kosten Geld. Die Maßnahmen des EZB werden in der Regel von kommunalen Kostenträgern übernommen - aber die Hürden dafür sind hoch. Die stetig wachsende Nachfrage nach dem Ausbildungsangebot des EBZ zeigt Berthold Breit aber, dass dringend ein niederschwelligeres Angebot gebraucht wird, »damit betroffene Jugendliche wieder im Bildungssystem Fuß fassen können.«
 
Eine wachsende Zahl von Eltern sucht deshalb auf private Initiative hin die Hilfe des EBZ und nehmen dafür weite Wege in Kauf – und hohe finanzielle Belastungen, denn ohne staatliche Unterstützung müssen die Familien die Kosten der Förderung alleine tragen. Doch das können sich nur die allerwenigsten leisten. »Wenn es nicht am Geld scheitern würde, hätten wir das Haus voll«, ist sich Breit sicher.
Doch um das Angebot auszuweiten, fehlt das Geld. Das EBZ hat alle kommunalen Kostenträger, die dafür in Frage kämen, bereits kontaktiert. Doch die sehen angesichts klammer Kassen keinen Spielraum.
 
Aufgeben möchte Breit trotzdem nicht: »Wir sehen das Problem und wären gerne Teil der Lösung«, sagt er. Seine Idee: Er möchte das Bildungsangebot des EBZ ausweiten und nicht alleine auf die finanzielle Unterstützung der Kommunen setzen. »Eine Möglichkeit könnte die Schaffung eines regionalen Ausbildungsfonds sein, in den Eltern, private Spender und Unternehmen aus der Region gemeinsam einzahlen«, so sein Vorschlag. Es läge sicherlich auch im Interesse der Unternehmen in der Region, das große Potential der sogenannten »unversorgten« Jugendlichen, die derzeit durchs Raster fallen, nicht ungenutzt zu lassen.
 
Hintergrund
Wer die Idee eines regionalen Ausbildungsfonds finanziell und / oder ideell unterstützen möchte, erhält weitere Informationen über Telefon 0 67 61 / 9 31 10 oder via E-Mail an die Adresse: ebz@schmiedel.de
 
An gleicher Stelle erhalten auch Familien und Jugendliche weitere Auskünfte über das Unterstützungsangebot des EBZ. Weitere Informationen gibt es zudem unter: www.ebz-bildung.de