Andreas Bender

Hohe Energiekosten belasten Handwerk

Lieferengpässe und Preissteigerungen setzen auch dem Handwerk zu. Wir haben darüber mit Patrick Mayer, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, gesprochen.

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Rhein-Hunsrück-Nahe. Zwei Jahre Corona-Pandemie und aktuell der Krieg in der Ukraine stellen die Gesellschaft und Betriebe vor Herausforderungen.

 

Herr Mayer, wie ist das Handwerk durch die vergangenen Pandemiejahre gekommen? Wer sind die »Verlierer« und gibt es auch »Gewinner«?

»Gewinner« gibt es in einer Pandemie nicht. Für unsere Handwerker*innen gesprochen kann man alle diejenigen Betriebe in etwa als Gewinner bezeichnen, die ihren Arbeitsalltag weitestgehend normal und ohne größere Personalausfälle verrichten konnten. Der Wortlaut »Verlierer« hat hingegen eine viel größere Bedeutung, denn das sind alle wirtschaftlich betroffenen Handwerker*innen mit pandemiebedingten Umsatzeinbußen. Obwohl viele Betriebsleiter und deren Mitarbeiter*innen die Hygienevorschriften oftmals über das Maß der Vorgaben eingehalten haben oder einhalten hätten können, waren zum Beispiel die Friseure oder Cafebetreiber an die Entscheidungen des Staates gebunden und sind dadurch ohne eigenes Verschulden in Schieflage geraten.

 

Durch den Krieg sind die Öl-, Gas- und Energiepreise explodiert. Was bedeutet das für Unternehmen?

Viele Handwerker*innen spüren die steigenden Energiekosten täglich, zum Beispiel bei der Fahrt auf die Baustelle oder den Heizkosten in der Werkstatt. Ein Beispiel aus der täglichen Versorgung sind die Bäckereien und Metzgereien. Die Produktion der Lebensmittel verbraucht die gleiche Energie wie vorher. Die explodierenden Energiepreise treiben die Produktionskosten in ungeplante Höhen. Unseren Recherchen nach haben noch nicht alle Unternehmer ihre Verkaufspreise erhöht, aber irgendwann ist es denke ich für alle verständlich, dass die Steigerung an die Kunden weiterberechnet werden müssen. Und davon abgesehen werden einige Betriebe aufgrund der anstehenden Änderung beim Mindestlohn neu kalkulieren müssen.

 

Schon 2021 gab es Lieferengpässe und Preissteigerungen. Wie ist hier der aktuelle Stand?

In Sachen Materialverfügbarkeit sind Preissteigerungen und demzufolge Planungsunsicherheiten weiterhin ein enormes Problem. Termine können wegen Lieferengpässen nicht immer genau eingehalten werden und Angebote werden immer häufiger mit Preisgleitklauseln versehen. Kundenservice sieht anders aus, aber der Unternehmer ist logischerweise gezwungen die Preissteigerungen weiter zu geben. Bauherren oder Sanierer bekommen durch die Preisgleitklauseln Probleme bei der Finanzierung.

 

Wo und wie müssen Unternehmen umdenken?

Viele Handwerker*innen haben bereits zu Anfang der Pandemie umgedacht und gezeigt wie flexibel sie sind. Organisatorische Änderungen bringen schon viele Vorteile, sind allerdings begrenzt, Stichwort: Handwerker im HomeOffice unmöglich. Aufgrund des globalen Materialbezuges ist ein Umdenken für den Einzelnen schwierig. Im Lebensmittelhandwerk ist das möglich, denken wir an die Regionalität in Zusammenarbeit mit regionalen Erzeugern. Aber wenn man von Rohstoffen und Fertigerzeugnissen außerhalb des Landes abhängig ist, scheint es schier unmöglich etwas zu ändern. Deshalb funktioniert ein Umdenken nur gemeinsam mit Unterstützung der Politik.

Mehr Produktion in Deutschland oder auch mehr Flexibilität, wenn man zum Beispiel an öffentliche Ausschreibungen denkt. Schon oft sind öffentliche Ausschreibungen an weit entfernte Handwerker*innen vergeben worden, teilweise auch Subunternehmer geduldet worden, obwohl regionale Handwerker*innen die Arbeit hätten machen können. Ohne den Teilnahmewettbewerb zu gefährden ist es aus unserer Sicht sicherlich möglich die regionalen Anbieter besser zu berücksichtigen.

 

Aktuell schauen viele etwas düsterer in die Zukunft. Sehen Sie trotzdem einen Silberstreif am Horizont?

Der Ukraine-Krieg ist sehr besorgniserregend und keiner weiß, wie sich die Lage entwickelt. Die Politik muss gewissenhaft und sorgsam vorgehen, damit es nicht noch schlimmer wird. Wir alle können froh und dankbar sein, unserer täglichen Arbeit nachgehen und relativ normal weiterleben zu können. Besonders seit Anfang der Pandemie und den Ereignissen im Ahrtal haben wir erlebt, wie wichtig das Handwerk für unseren Alltag ist. Das stimmt uns positiv.