Andreas Bender

Kreisentwicklung vorantreiben

Rhein-Hunsrück. Seit rund zehn Monaten ist Volker Boch nun im Amt. Wir haben mit dem Landrat über die ersten Monate seiner Amtszeit gesprochen.
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Nach fast einem Jahr im Amt macht Volker Boch die Arbeit als Landrat weiterhin Spaß.

Nach fast einem Jahr im Amt macht Volker Boch die Arbeit als Landrat weiterhin Spaß.

Foto: Bender

Am 30. Januar 2022 konnte sich Volker Boch in der Stichwahl durchsetzen und wurde am 3. März als neuer Landrat vereidigt.

 

Herr Boch, wie haben Sie die ersten zehn Monate Ihrer Amtszeit erlebt?

Mir macht es sehr viel Freude, dieses Amt auszuüben, auch wenn die vergangenen Monate stark von Krisen und besonderen Herausforderungen geprägt waren. Die Arbeit für die Menschen im Rhein-Hunsrück-Kreis und für unsere tolle Region ist eine sehr schöne Aufgabe. Ich habe viele Termine wahrgenommen und viele Gespräche geführt, um Entwicklungen in der Region, in der Kreispolitik und auch in der Verwaltung auf den Weg zu bringen.

Insgesamt ist es natürlich keine ganz einfache Zeit. Aber ich denke, dass in den vergangenen Monaten bereits verschiedene Impulse gesetzt werden konnten.

 

Viel Zeit zum Eingewöhnen gab es nicht. Der Amtsantritt überschnitt sich mit dem Beginn des Ukraine-Krieges. Wie hat sich die Situation im Kreis in Bezug auf die Ukraine-Flüchtlinge seither entwickelt?

Seit dem 24. Februar dauert der verheerende Krieg in der Ukraine an. Ich bin sehr dankbar dafür, dass nach wie vor eine enorme ehrenamtliche Hilfe geleistet wird, auch für viele Menschen aus anderen Herkunftsländern, die aufgrund des Ukraine-Krieges weniger in der Öffentlichkeit stehen.

 

Aktuell leben mehr als 1 400 Personen aus der Ukraine im Landkreis. Allein in den weiterführenden Schulen, für die der Kreis verantwortlich ist, befinden sich davon mehr als 200 Kinder und Jugendliche. Das Miteinander funktioniert, vor allem, weil das Engagement vor Ort sehr groß ist. Dazu gehört auch der ehrenamtliche Einsatz rund um die Jugendherberge in Sargenroth, die rund 50 Geflüchteten aus der Ukraine ein Zuhause bietet. Nun kommt eine Aufnahmeeinrichtung des Landes auf dem Hahn hinzu [siehe Berichte KW 51 und 52, Anm. d. Red.]. Seitdem wir von der Planung erfahren haben, stehen wir als Kreis ebenso wie die Verbandsgemeinde Kirchberg im engen und konstruktiven Austausch mit dem Land.

 

Ein heiß diskutiertes Thema im Kreis ist seit Jahren der ÖPNV und dieser soll nun überarbeitet werden.

Wir haben im Frühjahr mit der Überarbeitung des ÖPNV im Landkreis begonnen. Dies ist kein einfacher und auch kein schnell umsetzbarer Prozess. Seitens der Verwaltung haben wir von Beginn an Gespräche auf verschiedenen Ebenen geführt, sei es mit Behörden, mit den Unternehmen, mit der Politik und auch mit vielen Bürgerinnen und Bürgern.

Die Interessen beim ÖPNV sind dabei sehr unterschiedlich, fest steht aber, dass wir ein flexibleres System benötigen. Aktuell sind noch viele Fragen offen, auf die wir als Kreis keinen Einfluss haben, beispielsweise hinsichtlich des ausstehenden Landesnahverkehrsplans, zur künftigen Finanzierung des ÖPNV sowie zum 49-Euro-Ticket.

Wir sind in den vergangenen Monaten zahlreiche kleine Schritte gegangen, haben Fahrten reduziert, Belastungen in den Gemeinden verringert und Umläufe punktuell angepasst. Dies hat zu ersten Verbesserungen und auch zu Einsparungen geführt. Gemeinsam mit der Kreispolitik wollen wir diesen Weg der Veränderung schnellstmöglich fortsetzen.

 

Die BUGA 2029 fällt in Ihre Amtszeit. Welche Bedeutung hat der Event – nicht nur für das Mittelrheintal?

Die BUGA 2029 ist nicht nur für den Mittelrhein und für die Orte, die unmittelbare Ausstellungsflächen bekommen, von großem Interesse, sondern für unsere Gesamtregion. Die BUGA 2029 ist eine große Chance für den Rhein-Hunsrück-Kreis. Ich sehe es deshalb als extrem wichtig an, dass in den kommenden Monaten und Jahren die Weichen für eine positive Entwicklung gestellt werden.

 

Wesentlich sind dabei sicher die nächsten beiden Jahre, um Fragen der Mobilität und der planerischen Entwicklung so zu fixieren, dass sie unter den teils drastisch veränderten Rahmenbedingungen gut funktionieren. Wenn das gelingt, kann ein sehr positives und starkes Wir-Gefühl entstehen für ein Projekt, das die Region voranbringt.

 

Der Flughafen Hahn hat seit Jahren mit Ungewissheiten zu kämpfen. Wie wichtig ist der Fortbestand für die Region?

Der Flughafen Frankfurt-Hahn kann für unsere Region und deren wirtschaftliche Entwicklung ein wesentlicher Faktor zur weiteren Stärkung sein. Im August hatte ich ein aus meiner Sicht sehr positives Gespräch mit der Käuferseite. Zwischenzeitlich ist allerdings nicht klar, ob das Unternehmen, das den Zuschlag für den Hahn erhalten hat, diesen Kauf auch vollzieht. Das Insolvenzverfahren ist nach wie vor nicht vollständig abgeschlossen.

 

Entsprechend ist offen, wann hier mit der Zukunftsentwicklung begonnen werden kann. Aus meiner Sicht ist eines allerdings unstrittig: Der Hahn ist sehr attraktiv, denn es gibt kaum noch zusammenhängende, versiegelte Potenzialflächen in dieser Größenordnung, auch weit über Rheinland-Pfalz hinaus.

 

Ein Landrat wird für acht Jahre gewählt. Da wird noch viel Unerwartetes auf den Landkreis zukommen. Welche Aufgaben sind bereits jetzt in Sichtweite und welche Themen stehen schon auf Ihrer Agenda?

Ich bin sehr froh, dass wir in den vergangenen Monaten die Weichen für den weiteren Breitbandausbau stellen konnten. Bis 2026 werden wir durch das Bundes-Förderprogramm und durch den parallelen eigenwirtschaftlichen Ausbau die Struktur deutlich verbessern und insgesamt rund 24 500 Adressen anschließen. Dies ist ein wesentliches Projekt, bei dem wir gegenüber der ursprünglichen Planung rund 3,3 Millionen Euro für den Kreis einsparen können, die somit für andere Projekte zur Verfügung stehen. Wichtig ist daneben auch, dass wir die Mobilfunkversorgung verbessern.

 

Insgesamt ist für mich die Kreisentwicklung ein Großthema. Dazu gehören unter anderem der Erhalt und die Stärkung der medizinischen Versorgung von der Geburtshilfe bis zur Notfall- und Hausärzteversorgung. Die Stipendien für Medizinstudierende sind ein erster Baustein auf diesem Weg. Es gibt zahlreiche weitere große Entwicklungsthemen wie die Mittelrheinbrücke, das Sparen und Speichern von Energie, die Stärkung der Kommunen beim Kita-Ausbau, die Reaktivierung der Hunsrückquerbahn und nicht zuletzt auch die dringend notwendige Sanierung des Kreishauses in Simmern. Zu tun gibt es genug – und darauf freue ich mich.


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