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Strahlende Augen und Durchblick

Wie Hans-Peter Platten aus Mörsdorf ehrenamtlich Kindern in Afrika hilft. Mehrfach fliegt er im Jahr nach Namibia um Schülern das Sehen zu ermöglichen.
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Von Mario ZenderWenn Hans-Peter Platten etwas anpackt, hat es Hand und Fuß. Das zeigt sich nicht nur an der Erfolgsgeschichte des Unternehmens »Platten Optik und Akustik«, das er vor 23 Jahren gegründet hat und mit dem er auf Expansionskurs ist, sondern auch an seinem ehrenamtlichen Engagement. So gilt der 51-jährige Unternehmer aus dem Hunsrückort Mörsdorf als einer der »Väter« der Geierlaybrücke, dem Touristenmagneten im Hunsrück. Besonders hängt das Herz des zweifachen Vaters aber an der Hilfe für Kinder in Afrika. Seit 2008 ist er aktiv beim Verein »Kids and Poors Eyes«, was auf Deutsch so viel heißt wie: »Kinder und arme Augen«. Der gemeinnützige Verein hat sich zur Aufgabe gestellt, nach dem Grundsatz der Freiwilligkeit Hilfe für Sehbehinderte in den ärmsten Regionen der Welt auf dem Gebiet der Augenheilkunde zu leisten. Dabei werden Kinder in armen Regionen von Afrika mit Brillen versorgt und auch medizinische Eingriffe und Operationen durchgeführt. Und die Tätigkeit für den Verein, der vom Traben-Trarbacher Augenarzt Dr. Wolfgang Fischbach gegründet wurde, hat Platten schon zahlreiche Male persönlich nach Afrika geführt. Als der 51-Jährige vor rund zwölf Jahren im Norden von Namibia war, hat ihn das nachhaltig bewegt, wie er im Gespräch mit dem WochenSpiegel erzählt. Platten wurde schnell klar, dass sich die Versorgung der Menschen in Sachen Augenheilkunde in Afrika auf einem ganz anderen Level stattfindet als bei uns. »Wenn in Deutschland ein Kind eine Kurzsichtigkeit von -1,0 Dioptrien hat, bekommt es eine Brille. Damals wurde mir ein zwölfjähriges Mädchen vorgestellt, das von seiner fünfjährigen Schwester zu mir gebracht und für blind gehalten wurde. Meine Messung ergab eine Kurzsichtigkeit von -18 Dioptrien«, erzählt Platten. Als das Kind sich dann eine Testbrille aufsetzen konnte und aus dem Fenster schaute, sei sie völlig verändert gewesen, berichtet Platten. »Den Gesichtsausdruck von ihr, als sie ihre Brille von mir bekam, werde ich wohl nie vergessen«, so der 51-Jährige. Für Platten ein Signal, hier »muss und will« ich mehr tun. Jährlich reist der Augenoptikermeister seitdem nach Afrika. Damit er dort auch helfen kann, wird er vielfältig unterstützt. »Wir versuchen über unsere Zulieferer Brillen und Gläser gespendet zu bekommen. Die Augenärzte in unserem Verein, erhalten ebenfalls von der Industrie, Linsen und Materialen für OP´s gespendet.« Die Hilfe von Hans-Peter Platten in Afrika ist nur möglich, weil ihn viele unterstützen. So werden etwa, gemeinsam mit den Augenärzten Dr. Thomas Schwarz aus Bernkastel-Kues, Dr. Andreas Künster aus Traben-Trarbach und Andreas Chantzaras aus Kastellaun, auch Katarakt-Operationen gegen den grauen Star durchgeführt. Nachdem die Augen  der Kinder durch Hans-Peter Platten und seinen Helfern vor Ort in Afrika eingemessen wurden, nehmen sie die Unterlagen mit nach Deutschland. Hier angekommen, lässt Platten die Brillen in seinen beiden Standorten in Kastellaun und in Traben-Trarbach fertigen. Nach etwa drei Monaten geht es mit den Brillen im Gepäck wieder nach Afrika. Für Platten ist dabei wichtig, dass sie nicht geschickt, sondern persönlich den Empfängern übergeben werden. »Sonst wissen wir nicht, ob sie auch ankommen und ob sie wirklich kostenfrei an die Kinder abgegeben werden und sich nicht noch irgendjemand daran bereichert oder sie anderweitig verkauft«, so Platten.  Deshalb nimmt er auch persönlich den zehnstündigen Flug in das rund 11.000 Kilometer entfernte Windhoek auf sich. »Wenn wir dann die Brillen überbringen, erfahren wir so viel Dankbarkeit. Die Kinder haben dadurch von jetzt auf gleich eine ganz andere Lebensqualität«, so Platten. Und diese Dankbarkeit ist es, die Hans-Peter Platten antreibt, sich ehrenamtlich so stark zu engagieren.  Denn der Verein finanziert sich nur aus Spenden, die zahlreich aus der Region kommen, und Unterstützung durch Unternehmen. Platten beispielsweise stellt mit seinen Mitarbeitern die Brillen zusammen und arbeitet die erforderlichen Brillengläser ein. Alles ohne dafür auch nur einen Cent zu verlangen. Und immer wieder bekommt der Mörsdorfer bei seinen Hilfsfahrten nach Afrika neuen Antrieb. So hatte er davon erfahren. dass es in Engela, einer Grenzstadt zu Angola, besonders viele Albinos mit enormer Sehschwäche gibt. Diese würden dort verfolgt, ausgegrenzt und erfahren fast keine Hilfe. Für die Kinder mit einer Pigmentstörung, die meist auch auf die Netzhaut übergeht und daraus resultierend die Sehleistung unter 20 Prozent reduziert, erhielten bislang keine Hilfe. »Speziell um diese Albinos habe ich mich gekümmert, um mit Hilfsmitteln die Sehleistung auf etwa 40 bis 50 Prozent zu steigern, und ihnen somit den Zugang zur Schulbildung zu ermöglichen«, so Platten. Besonders bewegt hat ihn auch die Situation von behinderten Kindern in Katumba in Tansania. Dort war Platten mittlerweile mit dem Verein »Kids and Poors Eyes« zehn Mal. Und was er in dem kleinen Dorf erlebt habe, hat ihn nach eigenen Worten »nachhaltig bewegt«.  »Ich fand dort rund 140 Kinder mit allen erdenklichen Handicaps vor. Ein Kinderheim mit über 20 Albinos, etliche Kinder mit Down-Syndrom, Epilepsie, geistiger Behinderung oder fehlenden Gliedmaßen. Beim Anblick dieser Kinder und Einzelschicksale, die fast keine Unterstützung erhalten, hat es mir echt die Schuhe ausgezogen«, beschreibt Platten. Denn der 51-Jährige hat selbst einen Sohn mit Handicap, 15 Jahre alt mit einem Dravet-Syndrom. »Ich habe dort etliche Kinder mit solchen Behinderungen gesehen – das ist für mich der Antrieb, dort zu helfen. An einem Ort, wohin sich kein Tourist verirrt, da man von Deutschland aus mindestens drei Flüge und eine eineinhalbstündige Autofahrt auf sich nehmen muss, um Katumba zu erreichen.« Bei all dem Leid der Kinder dort, hat er auch viele positive Aspekte vorgefunden. »Trotz aller Widrigkeiten haben wir ein ergreifend herzliches und fürsorgliches Miteinander erlebt, was mich nach wie vor sehr bewegt.«  Für Platten steht fest, dass er und der Verein »Kids and Poors Eyes« sich auch weiterhin stark in Afrika engagieren möchte.  Die Bilanz der letzten Jahre kann sich sehen lassen. In den vergangenen Jahren haben Platten und seine Unterstützer rund 1.500 Brillen für afrikanische Kinder gefertigt und unter Mithilfe der Augenärzte Dr. Andreas Künster und Dr. Thomas Schwarz konnten dort rund 3.000 Augenoperationen durchgeführt werden. »Und es sollen noch viele mehr werden«, so Platten. Der 51-Jährige ist sichtlich zufrieden mit dem Hilfsprojekt. Als er noch von einem weiteren Einsatz in Afrika sprechen will, schaut er auf die Uhr und sagt: »Ich muss leider gleich zu einer Sitzung. Es geht um die Hängeseilbrücke und die touristische Weiterentwicklung.«  Man erkennt, dass der Vollblut-Unternehmer viele Projekte neben seiner Unternehmensgruppe »anzettelt«. Und die kommen vielen Menschen zu Gute. Ob bei der »Durchsicht« in Afrika oder beim naturnahen Erlebnis auf der Hängeseilbrücke im Hunsrück…