Andreas Bender

Tempolimit: Pro Rheintal stellt Bürger*Buch Bahnlärm vor

Mittelrhein. Als Ergebnis einer Befragung von mehr als 2.000 Bahnlärm-Betroffenen kommen europäische Bahnlärm-Initiativen im Rheintal (Pro Rheintal) und am Wörthersee (Stopp den Bahnlärm) zu dem Schluss, dass der bisherige Lärmschutz an Bahnlinien weitgehend unwirksam ist. Nachzulesen ist dies im 140 Seiten umfassenden "Bürger*Buch Bahnlärm".
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Das 140 Seiten starke Bürger*Buch Bahnlärm enthält die Ergebnisse der von Pro Rheintal durchgeführten Betroffenheitsbefragung von mehr als 2 000 Anliegern und deckt darüber hinaus die jahrelangen Lärmlügen und Versäumnisse der Politik schonungslos auf.

Das 140 Seiten starke Bürger*Buch Bahnlärm enthält die Ergebnisse der von Pro Rheintal durchgeführten Betroffenheitsbefragung von mehr als 2 000 Anliegern und deckt darüber hinaus die jahrelangen Lärmlügen und Versäumnisse der Politik schonungslos auf.

Foto: Pro Rheintal

Laut dem Bürgernetzwerk Pro Rheintal werden große Teile des Lärms und die zusätzlichen Erschütterungen gar nicht bewertet und bleiben auch bei den Schutzmaßnahmen unberücksichtigt. Die Folgen sind Stress und Schlafentzug an Bahnlinien mit Folgeerkrankungen, die bis hin zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Krebs und Demenz reichen. Nach Betroffenheitsstudie verlangen die Initiativen aus Deutschland und Österreich jetzt gegen den überbordenden Lärm von Güterzügen ein Tempolimit von 50 km/h innerorts und ein qualifiziertes Nachtfahrverbot für überlaute Güterzüge (technische Defekte).
 
Die Initiativen kritisieren, dass sich die Verkehrsbelastungen dramatisch erhöht haben und der Schienengüterverkehr heute lauter ist als vor 40 Jahren. Konträr dazu sei das Bewusstsein für Lärm als Gesundheitsproblem nicht mitgewachsen, sondern nähre sich aus kümmerlichen Erinnerungen älterer Herren, die sich nicht ihre Spielzeugeisenbahn wegnehmen lassen wollen. Die Belastungen für Hirn und Organismus durch Lärm sind daher ein weiteres Thema im Bürgerbuch.
 
Die Lärmschutzmaßnahmen von Bund und Bahn, wie die Umrüstung der Waggons auf Kunststoffbremsen, führen laut Berichten der Landesmessstellen und der Anwohner keineswegs zu spürbaren Entlastungen. Technische Rad- und Schienenfehler verursachen weiterhin tieffrequente Geräusche (Dröhnen, Brummen), Impulsgeräusche (Rattern, Klopfen) und Erschütterungen (Vibrieren). Hinzu kommt, dass die Güterzüge nachts schneller fahren (weniger Personenverkehr) und dadurch noch lauter sind als am Tage.
 
Pro Rheintal-Sprecher Frank Gross weist darauf hin, dass die "Postkutschentechnik" der Güterwaggons völlig ungeeignet ist für die heutigen Achslasten und Geschwindigkeiten. Sowohl starre Achsen, die Räder in den Kurven springen lassen, als auch blockierende Bremsen, die bei einzelnen Waggons zu Flachstellen führen, machen einen dauerhaft einwandfreien Zustand von Rädern und Schienen geradezu unmöglich. Im Gegenteil, Infrastruktur und Fahrgestelle werden extremen Belastungen ausgesetzt und buchstäblich "kaputt gefahren".
 
Der Abbau an Personal und Servicekapazitäten bei der Güterbahn habe zu immer mehr Unzuverlässigkeit und technischen Problemen geführt, sagt Gross. Im letzten Jahr waren nur noch 71 Prozent der Güterzüge pünktlich (laut DB) und mit zwei Milliarden Euro Umsatz und einer Milliarde Verlust ist der Schienengüterverkehr 2021 nicht nur "Lärmweltmeister", sondern ökonomisch auch "Verlustweltmeister".
 
90 Prozent der befragten Bahnanlieger klagen über Schlafstörungen und spüren, dass der Lärm sie krank macht. Prof. Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz fordert angesichts der Lärmwerte ein sofortiges Nachtfahrverbot. Neue Erkenntnisse, wie sehr der Verkehrslärm den Menschen schadet, verweisen neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch auf Krankheiten wie Depressionen und Demenz. Laut Pro Rheintal wurden medizinische Studien über Bahnlärm in der Vergangenheit gezielt verhindert.
 


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