Andreas Bender

Vernissage zur Sonderausstellung "Der Wernerkult und das Schicksal der Oberweseler Juden"

Oberwesel. Am 18. Juni wird im Kulturhaus Oberwesel eine Ausstellung im Rahmen des Ausstellungsparcours "Verluste - Jüdisches Leben am Mittelrhein" eröffnet.

Bilder
Dr. Walter Karbach und Carolin Manns beim Aufbau der Ausstellung im Gewölbekeller des Stadtmuseums Oberwesel. 
Es werden über 60 Altarbilder, Statuen, Reliquiare und Dokumente im gesamten Museum gezeigt.

Dr. Walter Karbach und Carolin Manns beim Aufbau der Ausstellung im Gewölbekeller des Stadtmuseums Oberwesel. Es werden über 60 Altarbilder, Statuen, Reliquiare und Dokumente im gesamten Museum gezeigt.

Foto: Kulturhaus Oberwesel

Mit einer Vernissage wird am Samstag, 18. Juni, um 15 Uhr, im Kulturhaus Oberwesel die Sonderausstellung "Der Wernerkult und das Schicksal der Oberweseler Juden" eröffnet. Der kath. Theologe und Philosoph Prof. Dr. Alexander Lohner aus Köln hält den Eröffnungsvortrag zum Thema: Der heilige Werner - und kein Ende? Fördert oder toleriert die römisch-katholische Kirche auch heute noch judenfeindliche Narrative? Eine kritische Analyse.

 

Prof. Dr. Alexander Lohner ist u.a. Mitglied der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste zu Salzburg. Für die Teilnahme an der Vernissage wird um eine Anmeldung unter info@Kulturhaus-Oberwesel.de gebeten; die Teilnahme ist ohne Eintritt.

 

 Die Ausstellung, - kuratiert von Dr. Walter Karbach, Carolin Manns und Doris Spormann, - ist bis 24. Juli zu sehen. Es werden über 60 Altarbilder, Statuen, Reliquiare und Dokumente gezeigt und kommentiert. An 13 Stationen, die im Museum verteilt sind, wird das Schicksal der Oberweseler Juden als Kontrapunkt zur Verehrung des Guten Werner dargestellt.

 

"Wenn wir mit unserem heutigen Wissen auf die Geschichte schauen, verstehen wir vieles besser", so Dr. Walter Karbach. "Das gilt auch für den Wernerkult. Die Ausstellung möchte dazu beitragen, - ohne anzuklagen -, die Vergangenheit zu dokumentieren und neu zu bewerten. Erfreulich war, dass zahlreiche Oberweseler Bürger sowie das Bistum Trier die Recherchen zur Ausstellung unterstützt haben. "

 

Märtyrer-Legende aus dem 13. Jahrhundert

Das Judentum, wie es am Mittelrhein gelebt, unterdrückt, vertrieben oder gar vernichtet wurde, ist bislang nur fragmentarisch aufgearbeitet und in der Region thematisiert worden. Bereits ab dem 10. Jahrhundert entstanden hier die ersten jüdischen Gemeinden. Ebenso weit reicht die unmenschliche Behandlung von Juden am Mittelrhein in die Geschichte zurück. Bekanntes Beispiel mit überregionaler Bedeutung ist die Märtyrer-Legende des "Guten Werner von Oberwesel" aus dem 13. Jahrhundert. Erst 1963 wurde die erfundene antijüdische Erzählung durch das Bistum Trier getilgt, der Kult hielt sich in Oberwesel jedoch noch bis 1971.

 

Unter dem Titel "Verluste -Jüdisches Leben am Mittelrhein" wird erstmals ein multimodales sowie multimediales Ausstellungsprojekt zu der Geschichte und den Geschichten der Landjuden am Mittelrhein der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Insgesamt präsentieren acht verschiedene Stationen in Bacharach und Oberwesel historische Hintergründe und persönliche Schicksale. Im Mittelpunkt stehen die Reflexion des Wernerkults, jüdisches Leben auf dem Land, das "Rote Fenster" des Künstlers Karl-Martin Hartmann sowie zahlreiche Familienbiografien und eine zeitgenössische künstlerische Verarbeitung der NS-Zeit von Ferdinand Frieß.

 

Info auch unter: www.kulturhaus-oberwesel.de und www.juedisches-leben-am-mittelrhein.de