Blutige Messerstecherein zwischen Afghanen und Türken

Bad Kreuznach. Brachten ein toter Fisch und ein paar Wassertropfen das Fass zum Explodieren? Im Mai 2014 lieferten sich in Bad Kreuznach Gruppen von afghanischen und türkischen Männern mehrfach hintereinander schwere Schlägereien auf offener Straße - zwei Personen wurden dabei mit tiefen Messerstichen verletzt. Drei beteiligte afghanischstämmige Männer müssen sich nun unter anderem wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Bad Kreuznach verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft den zum Tatzeitpunkt 20, 21 und 24 Jahre alten Angeklagten vier Fälle von gefährlicher Körperverletzung vor. In einem der Fall sollen die Männer sogar versucht haben,  einen anderen Menschen zu töten. Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Gruppen in der historischen Neustadt in der Nähe des Bocksbrunnen verletzten die Afghanen laut Anklage einen Türken unter anderem mit einem 15 Zentimeter tiefen Messerstich in den Bauch und nahmen dessen Tod billigend in Kauf.

Tod billigend in Kauf genommen?

Die Klärung der Fragen, wieso der Streit zwischen den Gruppe dermaßen eskalierte und wer dabei der federführende Aggressor war, dürfte für das Gericht unter Vorsitz von Dr. Bruno Kremer nicht einfach werden. Bereits am ersten Prozesstag widersprach einer der Angeklagten der Darstellung der Anklage, dass die Afghanen gemeinschaftlich Angriffspläne gegen die Türken geschmiedet hätten. Vielmehr seien sie von einer Übermacht von rund zehn oder sogar mehr Türken mit Baseballschlägern und Latten unvermittelt angegriffen worden und hätten sich nur verteidigt.

Fest steht, wo die schweren Schlägereien ihren Anfang nahmen: An einem warmen Frühlingstag im Mai 2014 hielten sich die befreundeten Angeklagten, die alle drei wegen Auseinandersetzungen mit den Taliban aus ihrem Heimatland flohen und in Deutschland Asyl beantragten, ebenso in der Kirschsteinanlage auf wie eine Gruppe türkischstämmiger Bürger. Die Afghanen spielen Ball, der in die Nahe fällt. Der 21-Jährige holt ihn wieder heraus, seine Freunde machen sich einen Spaß daraus, diesen wieder ins Wasser zu werfen. Irgendwann wirft der 21-Jährige einen toten Fisch, den er am Naheufer entdeckte, in Richtung Kirschsteinanlage. Ab diesem Punkt gehen die Schilderungen der beiden Parteien auseinander, denn wem der Wurf galt, ist umstritten. Während der 21-Jährige aussagte, er habe den Fisch zu seinen Freunden geworfen und unter Umständen seien "ein paar Wassertropfen oder ein vom Boden abprallender Teil des Fisches" in Richtung der Gruppe von Türken geflogen, sehen diese sich als direktes Ziel des Fischwurfes.  So oder so: Es fliegen die Fäuste zwischen den Afghanen und Türken.

Messerstecherei im Kurviertel

Noch am Abend desselben Tages kommt es zu einer weiteren Schlägerei. Die drei Afghanen treffen am Kurpark auf eine Gruppe von Türken. Laut Aussage des 21 Jahre alten Angeklagten ist dies eine Falle, denn "zehn bis fünfzehn Türken sind mit Baseballschlägern und Holzlatten von allen Seiten auf uns zugekommen". Die Anklage spricht hingegen von nur drei Türken ohne Waffen, die von den Angeklagten mit Messern angegriffen werden. Zwei Türken erleiden Schnittverletzungen, einer davon eine sechs Zentimeter breite und 14 Zentimeter tiefe Stichverletzung am Rücken.

15 Zentimeter tiefer Bauchstich

Am Folgetag kommt es in der Nähe der Wohnung eines der Angeklagten in der historischen Neustadt zum Höhepunkt der Auseinandersetzung: Wieder kämpfen die drei Angeklagten mit einer mit Baseballschlägern und Holzlatten bewaffneten Gruppe von Türken, wieder teilen die Afghanen Messerstiche aus. Laut Anklage verletzen sie den Cousin des ersten Messerstichopfers unter anderem mit einem 15 Zentimeter tiefen Bauchstich. Der Geschädigte sei dann zunächst geflohen, doch die Angeklagten hätten den Mann verfolgt und erneut auf diesen eingestochen. "Die Angeklagten haben dessen Tod billigend in Kauf genommen", so die Staatsanwältin. Die Afghanen sehen sich indes eher als Opfer denn als Täter: "Die Türken wollten uns eine Abreibung verpassen. Das war eine Falle", so der 21-Jährige.

Der Prozess wird am Dienstag, 3. Februar, 9 Uhr, fortgesetzt. Folgetermine sind  für den 5., 11. und 18. Februar sowie 3. März angesetzt.

Foto: Drei afghanischstämmige Männer lieferten sich im Mai 2014 schwere Straßenkämpfe mit türkischen Männern. Nun sind sie unter anderem wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Bad Kreuznach angeklagt.

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