Drei Fragen an Kreisklimaschutzmanager Frank-Michael Uhle

Hunsrück/Nahe. Diese Woche steht unsere Print-Ausgabe ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit. Doch wie steht der Rhein-Hunsrück-Kreis beim Thema Klimaschutz da? Wir haben den Kreisklimaschutzmanager Frank-Michael Uhle gefragt.

Reduktion der Treibhausgas-Emissionen, Senkung der Energiekosten - was sind die Ziele des Kreises in Sachen Klimaschutz?

Der Kreistag hat im Dezember 2011 einstimmig unser Klimaschutzkonzept beschlossen. Hierdurch wollen wir die vorhandenen lokalen Einspar- und Erneuerbare Energiepotentiale aus Biomasse, Sonne und Wind konsequent bis zum Jahr 2050 ausschöpfen mit dem Ziel:

-  Reduzierung des Gesamtenergieverbrauchs (Wärme, Verkehr, Strom) um 40%.

-  Halbierung des Energiebedarfs im Gebäudebestand. 

-  Verdrängung einer jährlichen fossilen Energiemenge von umgerechnet 210 Millionen Litern Heizöl.

Bis zum Jahr 2050 sollen hierdurch rund 250 Millionen Euro jährliche Energiebezugskosten regional gebunden werden.

Somit wandeln wir Energieimportkosten durch die Ausschöpfung von Energieeffizienz und die Nutzung der Erneuerbaren Energien in regionale Arbeitsplätze und Wertschöpfung um!

Was wurde bisher erreicht, was muss noch umgesetzt werden?

Aktuell werden bilanziell 310 Prozent des Gesamtstrombedarfs im Rhein-Hunsrück-Kreis erneuerbar erzeugt. Viele Ortsgemeinden nutzen ihre Windpachteinnahmen zur Unterstützung privater Energiesparmaßnahmen nach dem „Schnorbacher Modell“. Insgesamt sind 17 Bürgernahwärme-verbünde in Betrieb. Seit dem Jahr 2018 sind wir bilanzieller Null-Emissions-Kreis in den Sektoren Wärme, Strom und Abfall, was nach Auffassung zahlreicher Experten für eine deutschen Binnenlandkreis einmalig sein dürfte. 

Das „dickste Brett“ für die nächsten Jahre bleibt jedoch nach wie vor die Umstellung auf Erneuerbare Wärmeversorgung und auf nachhaltige Mobilität. Bei der klimaneutralen Mobilität liegt noch 99 Prozent des Weges vor uns.   

Durch welche Maßnahmen oder Verhaltensänderungen kann jeder Bürger im Kreis wesentlichen Beiträge zur Verbesserung des Klimaschutzes beisteuern?

Am Anfang aller Bemühungen sollte die Energieeinsparung stehen. Es ist ohne Einschränkung der Lebensqualität möglich, den Wärme und Strombedarf im privaten Haushalt zu halbieren. Beginnen sollte man mit geringinvestiven Maßnahmen: kompletter Austausch der Beleuchtung gegen LED. Dies spart 80 Prozent des Beleuchtungsstroms und kann 80 bis 100 Euro Stromkosten im Jahr einsparen. Hiernach sollte mal alle Haushaltsgeräte wie Kühlschrank, Gefrierschrank, Waschmaschine, Trockner ect., die älter als zehn Jahre sind Zug-um-Zug gegen Geräte der Effizienzklasse A+++ auswechseln. Je „Weiße-Ware-Gerät“ sind 100 Euro Stromkostenersparnis im Jahr möglich. Wer dies konsequent macht, hat seine Stromrechnung halbiert. Die Investitionen haben sich sehr schnell amortisiert.

Im nächsten Schritt sollte man schauen, wie man Heizenergie einsparen kann. Der verringerte Energiebedarf lässt sich leicht mit lokal erzeugten, erneuerbaren Energien decken. Photovoltaik ist wirtschaftlicher denn je! Wer auf seinem eigenen Dach Strom selber produziert, kann diesen aktuell zu weniger als der Hälfte des Vollkosten-Preises erzeugen im Vergleich zum Strombezug aus dem Netz. Wer mit dem eigenen Photovoltaik-Strom sein E-Auto betankt, fährt mit Verbrauchskosten, die nur noch 25 Prozent des aktuellen Benzinpreises entsprechen.

Ein Schritt kann jeder nachhaltig denkende Bürger problemlos selber vollziehen: Zu einem zertifizierten Ökostromanbieter wechseln. Der Ökostrom ist i.d.R. noch nicht einmal teurer, als der ortsübliche Strom im Grundversorgungstarif.

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