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Eine Gedenkstätte für Kinderschicksale

Verein will für Kindermisshandlung sensibilisieren

Hunsrück/Nahe. »Pro Woche sterben in Deutschland drei Kinder an den Folgen von Misshandlung oder Vernachlässigung«, sagt Daniela Kempen. Damit diese Kinder nicht vergessen werden, betreibt die junge Frau aus Boppard mit ihrem Verein „Schutzlos-wehrlos“ eine Online-Gedenkstätte für Kinder, die durch Misshandlungen ihr Leben verloren haben. Die Seite ist sowohl ein Ort der Erinnerung als auch der Mahnung. Außerdem unterstützt der Verein auch Beisetzungen von Opfern finanziell.

Die Idee zu einer Gedenkstätte für Opfer von Kindesmisshandlung kam Daniela Kempen, als sie 2009 ihren Sohn zur Welt brachte. „In dieser Zeit habe ich diese Fälle vermehrt  wahrgenommen“, erklärt sie. Die grausamen Schicksale ließen die Mutter nicht mehr los: „Ich fragte mich, wie man diesen Kindern einen Ort der Erinnerung schaffen kann, denn die Opfer sind meist nach einem halben Jahr vergessen.“ Denn Kindesmissbrauch ist eine Tat, über die in unserer Gesellschaft immer noch kaum geredet wird.
Auch finden nur wenige Schicksale eine breite mediale Beachtung und geraten danach meist sofort in Vergessenheit.

Gegen das Vergessen


Nach langer Recherche stellte Kempen mit Bedauern fest, dass es nirgendwo in Deutschland eine Gedenkstätte für die Opfer von Kindesmisshandlung gibt. Aus diesem Grund gründete sie 2009 die Initiative „Schutzlos-wehrlos“, die Anfang des Jahres als Verein anerkannt wurde. Dieser hat es sich zu zum Ziel gesetzt, die erschütternden Kinderschicksale nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Hier setzt das Memorial auf der Webseite www.schutzlos-wehrlos.de an. „Im Gegensatz zu Medienberichten, bei denen der Fokus oftmals auf den Tätern liegt, geht es auf unserer Gedenkseite um die Opfer“, betont Kempen.
Hier finden sich nicht nur die Namen der Kinder, sondern auch deren Geschichten – mittlerweile schon mehr als 150. Diese sollen neben dem Erinnern an die traurigen Schicksale auch der Sensibilisierung dienen. „Mit den Geschichten möchten wir aufzeigen, dass es sich nicht, wie so oft angenommen, um tragische Einzelfälle handelt. Wir möchten die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, welches Leid viele Kinder in unserer Mitte ertragen müssen“, mahnt die Gründerin.

Tägliche Recherche


Mittlerweile hat der Verein 15 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen – alles Mütter – die die Kinderschicksale in ganz Deutschland recherchieren. Dazu durchkämmen sie fast täglich das Internet auf der Suche nach alten und neuen Fällen. Keine leichte Aufgabe. Denn neben der schrecklichen Natur der Schicksale, was ein einfaches Niederschreiben schon fast unmöglich macht, muss die Recherche auch neben dem Berufleben erfolgen. Die Internetseite des Vereins will darüber hinaus Anlaufstelle sein für Menschen, die ein solches Martyrium überlebt haben. So finden sich auf der Seite auch Namen und Geschichten von Überlebenden.
Die Prävention ist ein weiteres wichtiges Anliegen von „Schutzlos-wehrlos“. Die Homepage  klärt auf, was der Einzelne tun kann und wie man Signale von Kindesmissbrauch oder Vernachlässigung erkennen kann. Die Mitglieder wollen damit auch Menschen darauf aufmerksam machen, besser auf ihr Umfeld zu achten. Aber auch überforderten Eltern soll eine Anlaufstelle geboten werden. Denn häufig seien die Taten das Resultat von Überforderung auf Seiten der Erziehungsberechtigten. Deshalb soll die Homepage in Zukunft einen Hilfebutton erhalten, mit der Eltern schnell an die Telefonnummer für die nächste Hilfestelle gelangen können.

Verein organisiert jährlich einen Tag der Erinnerung


Der Verein ist nicht nur online aktiv. 2014 organisierten die Mitglieder einen Memorialday („Tag der Erinnerung“) vor dem Brandenburger Tor in Berlin. An diesem Tag erinnerten sie an alle Kinder, die seit dem Jahr 2000 das Martyrium der Misshandlung nicht überlebten. Dabei wurden auch die Namen von allen 96 Opfern verlesen, deren Schicksale „Schutzlos-wehrlos“ bis zu diesem Zeitpunkt recherchiert und auf der Gedenkseite verwahrt hatte. „In den folgenden Minuten herrschte betretenes Schweigen bei den Zuschauern“, erinnert sich Kempen. Der zweite Memorialday fand in diesem Jahr online statt. Aufgrund der aufwendigen und langwierigen Vorbereitung war es nicht möglich, eine Veranstaltung vor Ort zu organisieren. Im nächsten Jahr ist ein Gedenktag in Hamburg geplant.

Spenden ermöglichen würdevolle Bestattungen


Die Spenden, die der Verein einnimmt, werden vor allem für eine würdevolle Bestattung von Kindern verwendet. Gerade wenn Babyleichen gefunden werden, gibt es meist niemanden, der eine Beerdigung organisiert oder finanziert. „Meist verschwinden sie so anonym wie sie gekommen sind“, bedauert Daniela Kempen. So konnte der Verein in den vergangenen Jahren wenigstens ein paar Kindern eine angemessene Bestattung ermöglichen und gleichzeitig dafür sorgen, dass sie nicht vergessen werden.
Ein großes Anliegen von Kempen, das in den nächsten Jahren verwirklicht werden soll, ist eine reale Gedenkstätte. „Wir arbeiten an der Umsetzung eines Ortes der Erinnerung irgendwo in Deutschland“, erklärt sie. Eine Idee ist ein Gedenkgarten – ein Ort, an dem für alle Menschen sichtbar den Verstorbenen gedacht werden kann. Dies soll auch helfen, das Thema Kindesmissbrauch mehr in die Öffentlichkeit zu tragen.

Kontakt und Spendenmöglichkeit:

Der Verein freut sich über jede engagierte Unterstützung. Der Mitgliedsbeitrag beträgt 2 Euro pro Monat. Wer aus Überzeugung ein Teil von „Schutzlos-wehrlos“ sein möchte, kann sich über E-Mail info@schutzlos-wehrlos.de mit dem Verein in Verbindung setzen.

Wer den Verein finanziell unterstützen möchte, kann dies tun über das Spendenkonto von Schutzlos-wehrlos e.V. bei der

Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück

IBAN: DE 21 56 09 00 00 00 07 40 92 55

BIC: GENODE51KRE

Verwendungszweck: Spende

Der Verein ist auch auf Facebook vertreten: www.facebook.com/schutzloswehrlos

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