Fachkräfte im Handwerk: Impulse auf dem Neujahrsempfang

Hunsrück/Nahe. „Wir sind Spezialisten für grüne Mobilität und für smartes Wohnen!“ Handwerker wissen, wie man Energie einspart, nachhaltig repariert und restauriert, wie man gesunde Lebensmittel vor Ort statt Massenprodukte herstellt. Handwerk macht heute mehr Sinn denn je. Trotzdem fehlt der Berufsnachwuchs, gehen dem Handwerk die Fachkräfte aus. Auf ihrem 24. Neujahrsempfang setzte die Kreishandwerkerschaft diesmal eher praktische denn politische Zeichen: Mit der Arbeitsagentur als Partner kämpfen die Meisterbetriebe um ihre Zukunft.

Kreishandwerksmeister Peter Mumbauer sieht das Handwerk auf dem richtigen Weg. Nicht zuletzt dank der unermüdlichen Lobbyarbeit von Raumausstattermeister Helmut Schmidt (Pfaffen-Schwabenheim) sei die Meisterpflicht von 12 Handwerken 2020 wieder eingeführt worden. Auch hätte die handwerkliche Aus- und Fortbildung durch die neuen internationalen Bezeichnungen Bachelor Professional und Master Professional eine Aufwertung erfahren. „Wir im Handwerk können Vieles für eine gute Zukunft beitragen“, machte er deutlich. Aber nur, wenn das Handwerk eine Zukunft hat.

Prägnant, pointiert und ganz praktisch zeigte Geschäftsführerin Gundula Sutter von der Arbeitsagentur auf, wie das Handwerk an mehr Fachkräfte kommt. Auf dem 24. Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft Rhein-Nahe-Hunsrück machte ihre kurze, knackige Festansprache nicht nur bei den Handwerkern einen guten Eindruck, sondern zeigte zielgerichtet konkrete Lösungsversuche für das Problem Fachkräftemangel auf.

„Für den Fachkräftemangel gibt es kein Patentrezept“, machte sie direkt klar. Die Beschäftigungsquote im Bezirk der Arbeitsagentur, die auch den Bereich der Kreishandwerkerschaft mit den Landkreisen Bad Kreuznach, Birkenfeld und Rhein-Hunsrück abdeckt, sei noch nie so hoch gewesen. Allein aus demografischen Gründen sei der Fachkräftemangel nicht einfach zu lösen. Aber auf drei Säulen könnte die Arbeitsagentur das Handwerk zielgerichtet bei der Suche nach mehr qualifizierten Mitarbeitern unterstützen: bei der Ausbildung, der Beschäftigtenförderung und bei einem Pilotprojekt, das die Einwanderung von geeigneten Fachkräften möglich macht.

So würden die Berufsberater jetzt noch häufiger in die Schulen gehen und nicht auf junge Menschen warten, die freiwillig einen Termin bei der Berufsberatung machen. „Wir beraten Jugendliche vor Ort und zeigen alle Möglichkeiten – auch im Handwerk – je nach Neigung und Eignung auf.“ Mit der Beschäftigtenförderung will die Arbeitsagentur den Betrieben helfen, aus ihren „Helfern“ qualifizierte Fachleute zu machen. Im vergangenen Jahr hatte die Arbeitsagentur rund 120 Arbeitnehmern eine Weiterbildung finanziert. „Wir wollen auch Handwerksbetriebe stärker unterstützen“, forderte Gundula Sutter auf: „In diesem Jahr würde ich gern doppelt so viel für solche Weiterbildungen ausgeben!“

Zum guten Schluss sollen im Rahmen eines Pilotprojektes gemeinsam mit der Handwerkskammer in Koblenz in Bosnien-Herzegowina die Einwanderung von geeigneten Fachkräften unterstützt werden. Vor Ort werden BewerberInnen auf Fach- und Sprachkenntnisse geprüft, dann für geeignete Weiterbildung oder Beschäftigung in die Region vermittelt. Nächsten Monat schon werden Bewerber vor Ort in sogenannten Assessment-Centern geprüft und „im Sommer werden wir auf Arbeitgeber hier in der Region zugehen“, versprach die Geschäftsführerin. Im Kammerbezirk Koblenz, schätzt sie, könnten gut 40 solcher Arbeitskräfte Beschäftigung finden. Eine Patentlösung für den Fachkräftemangel seien diese Maßnahmen zwar nicht, „aber es bringt uns einen Schritt weiter“, ermunterte sie.

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