Nach Hangrutsch: Mehr Güterzüge auf der linken Rheinseite

Hunsrück/Nahe. Mit einem dringenden Appell an alle Landes- und Bundespolitiker, endlich ein Tempolimit und Nachtfahrverbote für laute Güterzüge auszusprechen, wendet sich das Bürgernetzwerk Pro Rheintal in diesen Tagen an die Politik. Hintergrund ist der Hangrutsch auf der rechten Rheinseite bei Kestert.

Pro Rheintal-Sprecher, Frank Gross, sagt: „Die Bahn hat nichts von dem eingehalten, was sie seit zwei Jahrzehnten versprochen und fest zugesagt hat, nämlich den Bahnlärm bis 2020 um die Hälfte zu reduzieren.“ Auch das Gesetz zum Verbot lauter Güterzüge sei eine Farce, denn es gehe lediglich darum, dass damit Graugussbremsen verboten werden sollen, was aber die eigentlichen Störgeräusche, das Rattern, das Quietschen, das Dröhnen und Vibrieren, gar nicht berücksichtige."

"Hangrutsch ist ein Produkt aus Witterung und zunehmenden Erschütterungen"

Der Hangrutsch auf der rechten Rheinseite bei Kestert sei ein Produkt aus Witterung und zunehmenden Erschütterungen durch Rad- und Schienen­fehler. Das Schiefergestein, das – wie Blätterteig strukturiert – durch Witte­rung Risse bilde, werde dann durch die Bahnerschütterungen zum „Ausein­anderblättern“ und Abstürzen gebracht. Die Gefahr würde aber seitens der Bahn und des Bundes nicht einmal gemessen und bewertet, weil die Lärmmessungen tiefe Frequenzen und Erschütterungen ausklammerten.

Zuglärm würde so ermittelt, als würde man den Schall einer Stereoanlage messen, bei der man vorher die Bassboxen abgeklemmt habe, erklärt das Bürgernetzwerk weiter. Hier läge auch der Fehler in der Kalkulation der Bahn, dass sich die Lärmpegel nach der Umrüstung der Bremsen um die Hälfte reduzieren. Die Umrüs­tung verringert lediglich das Rauschen, also die hellen Töne, aber nicht das Poltern, Rattern und Dröhnen, das gar nicht erfasst würde.

Das sei Körperverletzung in höchstem Grade, so Groß. Die Menschen bekämen keine Ruhe und stünden nicht nur in Gefahr, Herz-Kreislauf-Erkrankun­gen zu erleiden, sondern müssten im Alltag durch Konzentrations­störungen und Sekundenschlaf mit dramatischen Folgen für Leib und Leben rechnen. Hier gebe es eine politische Verantwortung, vor der die inzwischen sprichwörtliche Dummheit, die auch die Coronakrise offenbare, keinen Schutz biete.

Mehr Güterverkehr auf der linken Rheinseite

Zudem kommt es durch die Aufräumarbeiten auf der rechten Rheinseite zu einem erhöhten Güterverkehr. "Nach dem Geröllabgang bei Kestert werden die Züge derzeit linksrheinisch über Bingen oder weiträumig zum Beispiel über die Sieg- und Moselstrecke umgeleitet", erklärt die Deutsche Bahn (DB) in einer Pressemeldung. "Für den Nahverkehr hat die VIAS Ersatzverkehre organisiert. Fernverkehrszüge sind hier nicht unterwegs."

Die Arbeiten an der Rheinstrecke laufen unter Hochdruck. Heute, 20. März, sollen rund 1 500 Kubikmeter lockerer Fels am Hang mit einer gezielten Sprengung abgelöst. Nach der Sprengung beräumt und stabilisiert die DB den Hang. Eine verlässliche Prognose zur Befahrbarkeit der Strecke sei voraussichtlich erst Anfang kommender Woche möglich, so die DB. Die Bahnstrecke zwischen Loreley und Kamp-Bornhofen ist zunächst weiter in beiden Richtungen gesperrt.
 

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.