"Ohne Ehrgeiz und Disziplin geht nichts"

Hunsrück/Nahe. Wer Christina Brenner gegenüber steht mag kaum glauben, dass es sich bei ihr und der muskelbepackten Frau in grünem Glitzerbikini und viel Make Up um ein und dieselbe Person handelt. Die junge Frau brennt leidenschaftlich für den Kraftsport und hat kürzlich bei ihren ersten drei Bodybuilding-Wettkämpfen vordere Plätze belegt. WochenSpiegel besuchte die Athletin zu Hause in Mittelreidenbach.

Christina Brenner öffnet uns die Tür. Auf den ersten Blick eine ganz normale junge Frau, zierlich, mit langen blonden Haaren und festem Händedruck. In ihren Ohren, in Lippe und Augenbraue stecken Piercings. Sie trägt Pulli und weite Jeans. Von stählernen Muskeln ist  nichts zu sehen. Und doch  stemmt die 32-Jährige in ihrer Freizeit die Eisen und macht mit ihrem harten Training so manchem Mann Konkurrenz. 

Etwas Neues probiert

Zum Krafttraining sei sie vor zehn Jahren gekommen, erzählt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. »Ich habe verschiedene Kurse im Fitnessstudio gemacht, aber irgendwann tat sich nichts mehr an meiner Figur. Also wollte ich etwas Neues ausprobieren.« Und die Fortschritte kommen schnell. »Auf einmal tat sich wieder was an meinem Körper.« Von da an begeistert sie sich für den Kraftsport, viermal die Woche fährt sie zum Training nach Idar-Oberstein. Stets unterstützend an ihrer Seite ist Ehemann Alex. Der 33-Jährige ist selbst begeisterter Kraftsportler. »Er gab mir immer tolle Tipps zum Trainingsplan und zu meiner Ernährung«, sagt Erzieherin Christina.

Christina will auf die Bühne

Inspiriert von Fotos anderer Athleten im Internet und in Zeitschriften erwacht in ihr langsam der Wunsch, selbst auf der Bühne zu stehen, zu posieren und die Muskeln spielen zu lassen. »Ich habe so hart trainiert und wollte die Ergebnisse dieser Arbeit einfach mal zeigen«, sagt die Nachwuchs-Bodybuilderin und ihre Augen strahlen.Sie tritt Anfang des Jahres dem  Dachverband für Fitness und Athletiksport, »NAC Germany« bei, und lässt sich dort von einem Profi coachen. Zu der Zeit gibt es dort ein spezielles Programm für Wettkampf-Neulinge. Das Projekt nennt sich »Road to stage« (dt. »Der Weg auf die Bühne«) und weckt Christina Brenners Ehrgeiz so richtig.

 

Fotos: privat

»Die Zeit war schon hart«, erzählt sie rückblickend, »Morgens zur Arbeit und nachmittags, nach einem anstrengenden Tag in meiner Krippen-Gruppe im Kindergarten, noch ins Training. Und dort einhundert Prozent geben.«Drei Monate lang bereitet sich die Athletin auf ihren ersten Wettbewerb vor, »Frey Classic« Mitte April in Koblenz. Einmal im Monat fährt sie zu Vorbereitungstreffen. »Da konnte man schon mal gucken, wie die Konkurrenz so ist.« Hier erhalten die Teilnehmer individuelle Betreuung, Trainings- und Ernährungspläne, ihre Fortschritte werden begutachtet, Fragen geklärt. Doch die eigentliche Arbeit muss Christina jeden Tag zu Hause machen.

Viel mageres Fleisch und Gemüse auf dem Teller

Viele Nahrungsmittel sind tabu. Wer jetzt glaubt, die junge Frau ernähre sich nur von ein bisschen Salat, irrt. Auf ihrem Teller landet hauptsächlich mageres Fleisch, zum Beispiel Huhn. Und das in großen Mengen und sogar schon zum Frühstück. Bis zu 800 Gramm am Tag. Dazu reichlich Gemüse. Alles ist genau berechnet, pro Tag gibt es bestimmte Mengen an Eiweiß, Kohlenhydraten und Fetten, die sie zu sich nehmen muss. Das Essen muss abgewogen und entsprechend zubereitet werden. An sechs Tagen in der Woche trainiert sie in dieser Zeit, jeweils rund anderthalb Stunden. Trotz aller Liebe zum Kraftsport hat die 32-Jährige auch Durchhänger. »Das war ein sehr emotionaler Prozess. Es gab Tage, an denen ich geweint habe, weil ich einfach keine Lust mehr hatte. Es drehte sich alles nur ums Kochen und Abwiegen. Zum Glück war mein Mann immer für mich da und hat mich motiviert und auch sehr viel unterstützt, auch beim Einkaufen und Essen zubereiten. Und ich wollte es durchziehen. Ich wollte es für mich machen.«

Aus einem Wettkampf wurden drei

Der Lohn für all die Mühe: Platz drei in ihrem ersten Wettbewerb, als Neueinsteiger ein super Ergebnis. Christina fährt stolz mit ihrem Pokal nach Hause. »Eigentlich sollte es das dann gewesen sein. Aber nachdem ich zwei Nächte darüber geschlafen habe, wollte ich doch weitermachen«, schmunzelt sie. Drei Wochen später folgt die Westdeutsche Meisterschaft, in der sie sich steigern kann und den zweiten Platz belegt. »Wenn man da oben auf der Bühne steht, ist all die Mühe vergessen. Man ist zwar aufgeregt, aber es ist ein schönes Gefühl«, umschreibt die Sportlerin ihre Passion. Es kommt wie es kommen muss und Christina nimmt nur eine Woche später an der Deutschen Meisterschaft in Cuxhaven teil.

Fitness-Studio unterstützte das Vorhaben

»Das konnte ich nur Dank der Unterstützung meines Studios, dafür einen ganz lieben Dank. Das alles kostet einiges an Geld, Wettkampfbikini und -schuhe, Make Up, die künstliche Bräune, Anfahrt und Übernachtung, da kommt einiges zusammen. Mein Studio hat mir die Teilnahme ermöglicht«, freut sie sich. Sie platziert sich in der Figurklasse auf dem fünften Rang. Im Idar-Obersteiner »Smile X« Fitnessstudio, in dem Christina trainiert, sind alle ganz stolz auf den Erfolg. Abseits der Bühne gibt sie sich ganz bodenständig, fast schüchtern. »Ich stehe nicht so gern im Mittelpunkt.«

Für Neulinge mit Bühnenambitionen hat Christina einen Tipp auf Lager: »Ohne Ehrgeiz und Disziplin geht definitiv nichts. Sucht euch einen Profi, der euch dabei hilft, eure Ziele zu erreichen.«Den Rest des Jahres will sie ruhiger angehen lassen, aber Schluss ist noch lange nicht. Im kommenden Jahr, spätestens 2017, will Christina wieder auf der Bühne stehen.

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