Wer ist der brutale Pferde-Ripper?

Hunsrück/Nahe. Noch immer ist Michael Muth (Foto) aus Idar-Oberstein schockiert. Fassungslos musste der 60-jährige LKA-Beamte feststellen, dass in der Nacht von Freitag auf Samstag (12./13. Juli) eine unbekannte Person in Hennweiler eines seiner Pferde schwer verletzte.

»Mit einem heimtückischen, gezielten Angriff im Schutz der Dunkelheit, wahrscheinlich mit einem Eisenspieß oder einer Lanze« sei der Angriff erfolgt. Die verletzte Stute befand sich zu diesem Zeitpunkt mit zwei weiteren Pferden im Stallbereich des Hofes. Das gesamte Areal (5 Hektar) ist mit einer 1,80 Meter hohen Umzäunung und einem Tor abgeschlossen. »Aufgrund der Spurenlage ist der Angriff anscheinend von oben über den Holzzaun im hinteren Paddockbereich, der sich an Gärten anschließt, erfolgt«, mutmaßt Muth. Die Stute halte sich dort des Öfteren auf, um zu ruhen. »Sie ist ein freundliches Pferd mit einem Stockmaß von 1,72 Metern, verfügt über hohe Dressur- und Springausbildungen.

"Täter verfügte über örtliche und zeitliche Kenntnisse"

Schon einige Menschen haben auf ihr ordentliches Reiten gelernt«, sagt der Polizist, der den kleinen Bauernhof in Hennweiler seit zehn Jahren besitzt. Die Waffe drang etwa 8 bis 10 Zentimeter, oberhalb des linken Hinterbeines, in unmittelbarer Nähe des Genitalien Bereichs ins Fleisch ein. Die Stute sei daraufhin höchst wahrscheinlich zu ihrem Futterplatz im Unterstand galoppiert und habe sich dort längere Zeit aufgehalten, was die Blutlache zeigte. Ein Tierarzt versorgte die Wunde und klammerte sie mehrfach. Muth, der großen Wert auf artgerechte Pferdehaltung legt, ist sich sicher: »Der Täter dürfte über örtliche und zeitliche Kenntnisse verfügen, weil ich mich zu diesem Zeitpunkt im Ausland aufhielt. Die Pferde wurden durch eine Bereiterin betreut. »Wer tut denn sowas«, ist häufig die Frage, die bei solchen Misshandlungen immer wieder aufkommt. Denn nicht selten werden Pferde, oft unter Gebrauch von lanzenähnlichen Tatwerkzeugen oder Messern, gequält oder gar getötet. Michael Muth, der sich beruflich seit über 35 Jahren mit vielen Formen der Kriminalität beschäftigt, hat sich schlau gemacht: »Nach forensich-psychiatrischer Betrachtung ergeben sich deutliche Hinweise, dass Tierquälereien als frühes Warnsignal für spätere abweichende Verhalten und Entwicklungen gelten.

1 000 Euro Belohnung ausgesetzt

Das kann bis zu einer Mehrfachtötung von Menschen, als letzte Umsetzung eines Wahns sein«, sagt Muth, der auch schon Vorsitzender des Idar-Obersteiner Reitervereins war. Es würde dabei davon ausgegangen, dass das Quälen und Töten von Tieren möglichen Tätern dazu diene, sich in Form von Probehandlungen die notwendigen handwerklich und anatomisch-physiologischen Kenntnisse anzueignen. »Studien zeigen, dass ein Drittel der hierzu befragten Täter das Ausüben von Macht als vorherrschendes Motiv und die Hälfte eine psychische Krankheit annahmen. Als weitere Gründe werden Sadismus und sexuelle Perversionen gesehen«. In diesem Fall geht Muth aufgrund der Nähe der Verletzung zum Genitalbereich und der Tatsache, dass es sich um ein weibliches Pferd handelt. Michael Muth, der sich seit fast 30 Jahren in seiner Freizeit mit Pferden beschäftigt, hat nun aus eigener Tasche eine Belohnung von 1 000 Euro ausgesetzt für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen. Wer in der fraglichen Zeit etwas beobachtet  hat, kann sich an die Polizei in Kirn wenden, Telefon 0 67 52 / 15 60.

Das Foto zeigt Michael Muth mit seiner Stute Alexis.

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