Klaus Desinger

Urbaner Lifestyle im Papa Rhein

Bad Sobernheimer Hotelier Jan Bolland plant Hotel in Bingen

VG Bad Sobernheim. Ein großes Segelboot ziert die Bar im Beach-Club, ein verrosteter Hochseecontainer dient als Entrée. Und auch der Name des geplanten Hotels ist speziell: »Papa Rhein«.

Jan Bolland will immer etwas Neues ausprobieren. Der umtriebige Hotelier, der das Bollant‘s im Park in Bad Sobernheim leitet, sprüht vor Ideen und Energien. Widerstände? Bei ihm zwecklos. Er macht sein Ding. Sein neuestes Baby wird in Bingen geboren.  Im Hafenpark. 2019. Im Sommer. Voraussichtlich. Das Papa Rhein passt scheinbar so gar nicht in das bisherige Luxus-Konzept der Familie Bolland. In Bad Sobernheim konzentriert sich der Unternehmer auf zahlungskräftige Gäste aus ganz Europa. In Langweiler bietet er ein exklusives Tagungs- und Familienhotel.

Für die jungen, hippen Gäste

Doch irgendwas fehlt noch. Genau. Wo sollen die jungen, hippen Leute und Familien hin? Richtig, nach Bingen. Hier entsteht ein Urban Stay Hotel im »Industrial Harbour Design«, das eine jüngere Klientel zu vertretbaren Preisen anlocken soll. Ab 59 Euro pro Nacht. Gerne aus Großstädten. Entspannen mit Rheinblick. Wandern. Klettern.  Eine Kletterwand wird direkt an der Hotelfassade über vier Etagen  installiert. Bolland wirbt in seiner Imagekampagne mit tätowierten und gepiercten jungen Leuten. Die können es sich in einer Koje, wie die Hotelzimmer dort heißen, oder in einer Suite gemütlich machen. Auch Junggesellenabschiede können  in diesem Budget-Hotel zelebriert werden, beispielsweise in der »Kirner-Pils-Suite«, Zapfhahn inklusive.

Kirner-Pils-Suite mit Zapfhahn

Und ein entsprechendes Pendant für Mädels. Mit Adjektiven wird in der Bewerbung nicht gegeizt. Jünger, frischer, moderner, lockerer, lässiger, rockiger, unkomplizierter. Im Vorfeld gab es Zoff in Bingen. Mit Banken. Dem Naturschutz. Und wegen des wegfallenden Pendlerparkplatzes auf dem Gelände, wo das Gebäude errichtet wird. Doch einen Aufschrei habe es bisher bei allen Projekten gegeben, räumt der Hotelier ein. Das lege sich aber. Meist nach ein bis zwei Jahren. Ohnehin sei das Gelände schon früher für einen Hotelbau angedacht gewesen. »Wir wollen nichts kopieren«, sagt Jan Bolland und schwärmt von seinem neuen Aktionshotel samt kleinem Spabereich mit Pool (hier werden noch eigens Hildegard von Bingen-Produkte entwickelt), Saunen, dem Beach-Club mit kleiner Tribüne in der  Long Island Bar, wo auch mal DJs oder Live-Bands auftreten sollen. Die Lobby vermittelt den Charme einer alten Lagerhalle. Neue Konzepte seien gefragt, die Kunden möchten unterhalten werden. Im Segment des boomenden Binnentourismus will Bolland auf der Rheinwelle freilich mitschwimmen.

Auf der Rheinwelle mitschwimmen


Kein Wellnesshotel, kein Standort für eine Ruheoase mit der vorbeirauschenden Bahn im Nacken. Aber ein Spagat zu einer preisgünstigen Bleibe mit Charme. Ein bekannter Koch aus der Region soll für zünftige Speisen sorgen, die Bistroküche wird mittags und abends bereitstehen. Urbaner Chic soll am Hafenpark auf Lifestyle treffen. Ungezwungen soll die Atmosphäre wirken. Das Team, locker in Jeans, Poloshirts und Sportschuhen. Während der warmen Sommermonate fährt das maritim angehauchte Hotel auch einen Plungepool auf der Dachterrasse. Geschäftsleute, die sterilen Herbergszimmern überdrüssig sind, sollen ein wohliges und individuelles Zuhause auf Zeit bekommen.

Binger Locals gern gesehen

Gern gesehen sind auch die Binger Locals, die regionalen Gäste. Aus einem Airstream-Foodtruck werden regionale Speisen und Weine direkt am Rhein serviert. Papa Rhein, dieser unkonventionelle Hotelname, soll die historische Figur von Vater Rhein aufs Korn nehmen. Zig Beteiligte und Marketingleute haben sich den Kopf zerbrochen, um zu diesen Namen zu etablieren. »Papa« heißt in fast allen Sprachen der Welt »Vater«, hatte Bolland in Fremdwörterbüchern nachgeschlagen. Das wird mal schnell gegoogelt. Weitere Häuser der jungen, dynamischen Urban Stay-Marke sollen folgen.
www.paparheinhotel.de

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