Vor 80 Jahren im KZ Buchenwald ermordet: Paul Schneider

Pfarrer aus Pferdsfeld wirkte in Dickenschied

Bad Sobernheim. Vor 80 Jahren wurde der evangelische Pfarrer Paul Schneider im KZ Buchenwald ermordet. Bei einem Gedenkgottesdienst in Dickenschied wurde sein Leben gewürdigt.

Als »einen Zeugen, der ohne Gewalt, aber mit großer Klarheit für die Wahrheit und die Gerechtigkeit eingetreten ist und der sich den Mund nicht verbieten ließ«, hat der Trierer Weihbischof Franz Josef Gebert den evangelischen Pfarrer gewürdigt. Weiter nannte er das Wirken des »Predigers von Buchenwald« ein »Zeugnis der Ermutigung« für alle Christen.

Schneiders Kinder bei Gedenkfeier

Jesus sende seine Jünger aus, wehrlos, nur mit sich selbst und der Botschaft, dass das Reich Gottes nahe sei, betonte der Weihbischof. »Und so war es auch bei Paul Schneider, der noch durch die Gitterstäbe seiner Zelle diese Botschaft seinen Mitgefangenen zurief, der auch die Wächter nicht entgehen konnten«, so der katholische Theologe. Rund 100 Menschen waren zum Gedenkgottesdienst auf den Friedhof gekommen, darunter mit Eva-Marie Vorster und Karl-Adolf Schneider auch zwei der noch lebenden Kinder von  Schneider, sowie Manfred Rekowski,  Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Mehrfach von Nazis verhaftet


Der Dickenschieder Geistliche wurde am 29. August 1897 in Pferdsfeld (Sobernheim) als Sohn des Pfarrers Gustav Adolf Schneider und seiner Ehefrau Elisabeth, geboren. 1937 verhaftet und ins KZ nach Buchenwald gebracht. Schon kurz nach der Machtübernahme Hitlers war er mit dem Regime in Konflikt geraten und mehrfach verhaftet worden. Im KZ rief er aus seiner Zelle heraus den anderen Lagerinsassen immer wieder biblische Trostworte zu, was ihn zum »Prediger von Buchenwald« machte.
Am 18. Juli 1939 wurde er vom Lagerarzt mit einer Medikamentenüberdosis ermordet und wenige Tage später unter großer Beteiligung nicht nur seiner Gemeinden, sondern vieler Menschen aus der Bekennenden Kirche und der Ökumene auf dem Friedhof in Dickenschied beigesetzt.

Mit starkem Herzmittel ermordet


Papst Johannes Paul II. hatte Schneider 2000 im Rahmen des Märtyrergedenkens als einen von zwei Zeugen Christi namentlich gewürdigt. Papst Franziskus nahm 2017 an einem Wortgottesdienst in der römischen Basilika San Bartolomeo teil, in dem auch Schneider gedacht wurde. In dieser Kirche gibt es eine Märtyrer-Ikone, die in der Bildmitte den »Prediger von Buchenwald« in seiner Arrestzelle zeigt.

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