Bahnbrechende Corona-Studie

Entscheidender Beitrag der Morsch-Stiftung

VG Birkenfeld. Die Blutgruppe ist ein wichtiger Faktor für den Verlauf einer Covid-19-Erkrankung. Zu diesem wegweisenden Ergebnis kam kürzlich die erste große Studie eines deutsch-norwegischen Forschungsteams. Entscheidend daran beteiligt war auch das HLA-Labor der Birkenfelder Stefan-Morsch-Stiftung.

Mehr als 3.000 Blutproben von Corona-Patienten mit schweren Krankheitsverläufen aus Norditalien und Spanien sowie einer Kontrollgruppe wurden in Rekordzeit im HLA-Labor von Deutschlands erster Stammzellspenderdatei „sequenziert“, wie der Fachbegriff für die labortechnische Genanalyse lautet. Der Vorgang an sich ist Alltag in der Stiftung – nicht jedoch das Tempo beziehungsweise die Zielsetzung, denn normalerweise werden dort die genetischen HLA-Muster von möglichen Stammzellspendern für Leukämiepatienten untersucht.

Ähnliche HLA-Merkmale

HLA-Muster sind essenziell für die Funktionalität des Immunsystems, bei der Abwehr von Krankheiten. Deshalb nahm das Forschungsteam der Studie an, dass HLA-Gene auch den Krankheitsverlauf des Corona-Virus bestimmen. Die Studienkoordinatoren am Uniklinikum Schleswig-Holstein in Kiel vermuteten, dass Patienten, die schwer erkranken, ähnliche oder übereinstimmende HLA-Merkmale haben. Um schnellstmöglich eine zuverlässige Auswertung der Proben zu erhalten, hat sich der Exzellenzcluster an das Labor der Stefan-Morsch-Stiftung gewandt, dessen Qualität von weltweit agierenden Fachgesellschaften für Immungenetik alljährlich geprüft wird. „Diese Untersuchungen sind für unsere Labormitarbeiter alltäglich. Seit 2014 machen wir das hier in Birkenfeld pro Jahr circa 30.000 Mal. Keine Frage, dass wir nicht nur unsere Expertise in diesen Dienst gestellt haben, sondern auch finanzielle Mittel“, erklärt Dr. Wolfgang Peter, Leiter Forschung und Entwicklung im HLA-Labor und Mitautor der Studie.

Wichtige Erkenntnisse aus Birkenfeld

Die Ergebnisse aus Birkenfeld lieferten nun wichtige Erkenntnisse zum Krankheitsverlauf von Covid-19: So konnte das Forschungsteam auf Basis der Analysen aus Birkenfeld ausschließen, dass bestimmte HLA-Muster für einen schweren Verlauf hauptverantwortlich sind. Laut den bereits vielfach zitierten Studienergebnissen aus dem New England Journal of Medicine – einer weltweit renommierten Fachzeitschrift – gibt es jedoch einen engen Zusammenhang mit den Blutgruppen. „Sehr außergewöhnlich beim Ablauf dieser Studie war das beispiellose Tempo mit dem alle Beteiligten die Prozesse unterstützt haben – und das ohne Sponsoring von großen Pharmaunternehmen. Für uns waren die Arbeiten unter den aktuellen Hygieneauflagen eine logistische Herausforderung, die unsere

Großes Engagement der Mitarbeiter

Mitarbeiter mit großem Engagement und Einsatz weit über die üblichen Arbeitszeiten hinaus dennoch gemeistert haben. Den Mitwirkenden auf allen Ebenen war von Anfang an die Relevanz dieser besonderen Untersuchung bewusst“, fasst Dr. Marco Schäfer, Leiter des Labors und Coautor zusammen. HLA ist die Abkürzung für Humane Leukozytenantigene. Diese Gene sind für die Funktion des Immunsystems ausschlaggebend. Sie bestimmen, wie gut Immunzellen andere Zellen als körpereigen und gesund oder aber als fremd und erkrankt erkennen. So sind Immunreaktionen überhaupt erst möglich, dass sich der Organismus gegen Krankheitserreger und entartete Zellen wehren kann. Bei einer Stammzelltransplantation müssen diese Gene bei Spender und Patient möglichst übereinstimmen. Denn nur so bleibt das Risiko einer lebensbedrohlichen Abstoßungsreaktion im Körper des Patienten nach der Transplantation gering.

6 000 weniger Spender als im Vorjahr


Auch die Stefan-Morsch-Stiftung ist von den Auswirkungen von Corona betroffen. Aufgrund der aktuellen Auflagen können nur vereinzelt Typisierungsaktionen vor Ort stattfinden – es fehlen über 6.000 Spender im Vergleich zum Vorjahr. Deshalb ruft die Stiftung verstärkt zur Online-Registrierung über die Homepage auf: Unter www.stefan-morsch-stiftung.de kann man sich schnell und einfach registrieren, nachdem man ein paar Gesundheitsfragen beantwortet hat. Danach erhält man ein Registrierungs-Set per Post, um seine Speichelprobe abzugeben. Diese muss dann lediglich an die Stiftung zurückgeschickt werden.

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