Der Tod lauerte im Kühlschrank

54-Jährige vor Gericht: Tötung durch Unterlassung?

VG Birkenfeld. Weil nach einer Partynacht in ihrer Wohnung ein 16-Jähriger gestorben ist, steht eine Mutter (54) derzeit vor dem Bad Kreuznacher Landgericht.

Bundesweit hatte diese Tragödie für Schlagzeilen gesorgt. Die damals drogenabhängige und mehrfachst vorbestrafte Frau soll in ihrem Kühlschrank ein Drogen-Substitionsmittel aufbewahrt haben, das allerdings mit »Waldmeistersirup« deklariert und für die jugendlichen Partygäste frei zugänglich gewesen sein soll (wir berichteten). Ein 16-Jähriger trank bei der Feier im Januar 2017 offenbar von dem Polamidon und verstarb einen Tag später. Die Frau sagte aus, dass man am Folgetag die Spuren der Partynacht beseitigen wollte, den regungslos auf der Couch liegenden jungen Mann entdeckte und ihn mittels Herzmassage reanimieren wollte. Vergebens.        

Im Gerichtssaal flossen Tränen

Zwei andere Jugendliche tranken ebenfalls einen Schluck aus der Flasche, spuckten es aber aus, weil es bitter schmeckte. Außerdem soll die Angeklagte Joints gedreht und diese an die Feiernden überreicht haben. Das Gericht versucht nun herauszufinden, wie es dem Opfer am Abend und in der Nacht ging, befragt dazu viele damals Anwesende. Auch der dritte Verhandlungstag am Montag war wieder sehr tränenreich. Der Nebenkläger verließ zwischenzeitlich schluchzend den Gerichtssaal, auch ein als Zeugin geladenes Mädchen brach in Tränen aus. Vorgestern wurden zahlreiche der Partygäste vernommen. Viele hatten keine genauen Erinnerungen an jenen Abend, doch Richter Folkmar Broszukat half ihnen auf die Sprünge - mit den Aussagen, die sie kurz nach der Tragödie bei der Polizei getätigt hatten. Immer wieder fragte der Vorsitzende die Zeugen, ob sie gewusst hätten, was sich in der grünen Flasche befand. »Waldmeisterschnaps«, entgegnete ein junger Mann.   

Gras und Haschisch konsumiert?

Auch wollte er wissen, ob sämtliche Räume und auch der Kühlschrank für alle Gäste zugänglich waren, was bejaht wurde. Von dem Polamidon will jedoch keiner so recht Kenntnis gehabt haben. »Ein paar Leute haben gekotzt, ich dachte, das sei wegen des Alkohols, sagt ein damals 15 Jahre alter Zeuge aus. Offenbar war auch Gras oder Haschisch auf der Party konsumiert worden, was noch am Abend von einem Bekannten mit einer großen, dunklen Limousine geliefert worden sein soll. »Ich wundere mich, da ist etwas Frappierendes passiert und Sie erinnern sich nicht«, kommentierte der Richter vielfach die meist schwammigen Aussagen der Zeugen. Der Prozess wird am Montag und Mittwoch fortgesetzt.



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