Bahnlärm: Pro Rheintal-Event in Boppard

Hunsrück/Nahe. Das Bürgernetzwerk Pro Rheintal stellt für die Mittelrheinregion am 22. Oktober in Boppard erste Ergebnisse der Fragebogenaktion zur Bahn-lärmbetroffenheit am Mittelrhein und im Rheingau vor. Bei den beiden Veranstaltungen wird auch das neue Buch „Schaden in der Oberleitung“ präsentiert, das der Autor Arno Luik, ein bekannter und in Bahnfragen profilierter Journalist, in einer Lesung vorstellt.

Man muss das System Bahn beziehungsweise das, was davon noch übrig geblieben ist, verstehen, um zu begreifen, wie frevelhaft hier im Rheintal und in anderen Regionen mit der Bevölkerung und den Interessen der Kommunen umgangen wird. Bahnlärm sei kein not­wendiges Übel, wie man meinen könnte, sondern entstehe durch technische Fehler an Schienen und Rädern. Insbesondere nachts bei freier Strecke wird durch hohe Geschwindigkeiten und enorme Transportgewichte Bahnlärm zu einer physischen Energie, die Wasser zum Kochen und Menschen vorzeitig ableben lässt, sagt Pro Rheintal-Vorsitzender Frank Gross.

Zusammen mit anderen Mittelrheinern, Bahnexperten, Wissenschaftlern und ehemaligen Bahnvorständen hat Gross kräftig am Buch von Luik mitgewirkt, der das große Ganze von Stuttgart 21 bis zum Lärm im Rheintal unter die Lupe nimmt und dabei auch die Schuldigen benennt. Es mache wenig Sinn, ein System zu schützen, dass jährlich Milliarden von Euro verschlingt und dabei immer schlechter wird und weniger leistet, erklärt Gross.

Für Münchner Verkehrsexperten, die im Buch zu Wort kommen, ist die Bahn nur noch eine Scheinverkehrsfirma. 95 Prozent der Bahnhöfe sind heute ohne Personal. Wichtige Werkstätten wurden geschlossen und wertvolle Ersatzteile an Schrotthändler verkauft. Gleichzeitig agiere die Bahn als Konzern in mehr als 140 Ländern. Was zum Teufel machen die da, wer hat das beauftragt, wohin fließen unsere Steuermilliarden, fragen Luik und Gross.

In einem Monolog in dem Buch schildert Gross die schleichenden Ver­änderungen, die zu der heutigen untragbaren Situation geführt haben: „Wir müssen die Öffentlichkeit wachrütteln, damit sich Politik und Bahn endlich mit der Realität beschäftigen. Wir konnten zwar einiges erreichen, doch was weiterhin hier Nacht für Nacht und Tag für Tag geschieht, ist nicht länger zu verantworten. Dabei ist längst bewiesen, dass auch Güter­züge nicht laut sein müssen, sondern auf dem Geräusch-Niveau von Perso­nenzügen durch das Rheintal rollen können. Wir geben dem Desaster eine Öffentlichkeit und dadurch zwingen wir Politik und Bahn, sich damit auseinanderzusetzen – damit endlich begriffen wird, dass es Lösungen gibt, die jetzt und hier angegangen werden können und nicht in ferner Zukunft von noch mehr Beton und Umweltzerstörung liegen!"

Die Lesungen finden in Boppard in der Stadthalle am 22. Oktober um 19.30 Uhr und in Oestrich-Winkel in der Brentano-Scheune am 23. Oktober ebenfalls um 19.30 Uhr statt. Winzer spenden Wein und Bäcker Gebäck. Es wird um Anmeldung gebeten (Pro Rheintal e. V.: Tel. 0 67 42 / 8 01 06 90, E-Mail: info@pro-rheintal.de).

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.