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Oberes Baybachtal: Abwasser energieeffizient reinigen

Hunsrück/Nahe. Es ist eine Herkulesaufgabe: Für rund 14 Millionen Euro wird die Kläranlage "Oberes Baybachtal" neu gebaut – an gleicher Stelle und im laufenden Betrieb der bisherigen Anlage.

Wer einmal bis zum Gelände der Kläranlage vorgedrungen ist, weiß, dass Herkulesaufgabe der richtige Begriff ist, den Neubau zu umschreiben. Ein eng bebautes Gelände, schmiegt sich die Kläranlage in eine Talsohle, die nur über (asphaltierte) Wirtschaftswege erreichbar ist. Aufgrund des geringen Platzes ist die Anlieferung der Baumaterialen dabei ebenso eine Herausforderung, wie der hochmoderne Neubau neben dem Bestand.

Anlage reinigt Abwasser aus 14 Gemeinden

Für die VG-Werke Hunsrück-Mittelrhein ist die Anlage »Oberes Baybachtal« von hoher Bedeutung. Sie ist die größte in der VG und dabei für die Abwasserbeseitigung der Stadt Emmelshausen sowie den 13 Gemeinden Maisborn, Lingerhahn, Hausbay, Norath, Leiningen, Mühlpfad, Niedert, Bickenbach, Thörlingen, Hungenroth, Schwall sowie Pfalzfeld und Dörth, samt deren Industriegebieten zuständig. Damit betrifft das Einzugsgebiet rund 11 000 der 24 000 VG-Einwohner. Das Abwasser wird über 119 Kilometer Kanalnetz und fünf Pumpwerke hergeführt. 

»Die Generealsanierung ist elementar für einen wirksamen und nachhaltigen Umweltschutz«, betont Bürgermeister Peter Unkel. »Denn das geklärte Wasser wird in den Baybach abgegeben und landet so später in Mosel und Rhein.« Zudem ist eine moderne Abwasserbeseitigung Grundvoraussetzungen für Gewerbeflächen und Wohngebiete, ergänzt er. »Der Neubau ist eines der wichtigen wasserwirtschaftlichen Großprojekte in unserem Land«, bestätigte die damalige Umweltministerin Ulrike Höfken bei der Übergabe des Förderbescheides (3,5 Millionen Euro). »Weitere Förderungen sind in Sicht für die weiteren Bauabschnitte«, sagt Jitka Nick, technische Führungskraft der VG-Werke. Die Arbeiten sind seit Sommer in vollem Gange, die Fertigstellung ist für Ende 2024/Anfang 2025 geplant.

»Der Neubau ist notwendig, da die seit 40 Jahren betriebene, sanierungsbedürftige Kläranlage mittlerweile technisch veraltet ist«, sagt Nick. »Mit einem modernen Neubau können wir auch bessere Überwachungswerte erzielen.« Und das spart langfristig Geld. Denn die VG muss als Betreiber der Kläranlage eine Abwasserabgabe zahlen (für die Einleitung von Abwasser in ein Gewässer). »Je sauberer das Wasser am Ende ist, desto weniger Abgaben fallen an. Trotz guter Werte können wir uns hier verbessern«, sagt Nick. Immerhin fließen jährlich rund 1,2 Millionen Kubikmeter Abwasser durch die Anlage.

Blockheizkraftwerk und Photovoltaik

Das neue Herzstück der hochmodernen Anlage ist das Biocos-Becken, ein patentiertes Verfahren, das die Biologie und Nachklärung vereint. »Ganz zum Schluss wird sogar eine Tuchfilterstation nochmal Feinst-Partikel herausfiltern«, sagt Nick, »das ist nicht verpflichtend für diese Anlagengröße, aber wir haben uns dafür entscheiden. Damit leisten wir einen zusätzlichen Beitrag für die Gewässereinhaltung.«

Auch sonst hat man Umwelt und Nachhaltigkeit im Blick. Bei der Klärschlammfaulung etwa kann die neue Kläranlage eine Volumenreduktion von 35 Prozent erreichen. Mit dem anfallenden Klärgas (Methan) wird zukünftig ein Blockheizkraftwerk betrieben. Dazu kommt eine Photovoltaikanlage. »Damit können wir circa 73 Prozent des Strombedarfs der neuen Kläranlage decken«, erklärt Jitka Nick.

So entsteht im Vorderhunsrück eine der modernsten Kläranlagen in Rheinland-Pfalz, die energieeffizient das Abwasser reinigt und damit einen Beitrag zum Klima- und Gewässerschutz leistet.

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Kommentar von Günther Vogt
Es gibt hierzu einen Leserbrief von mir den Herr Bender am 6.10.2021 in Ihrer Zeitung abgedruckt hat .