Klaus Desinger

Demütige Angriffslust

2 500 Besucher bei CDU-Regionalkonferenz in Idar-Oberstein

Idar-Oberstein Stadt. Hätte man sich das Applausometer von Rudi Carell ausgeliehen, wäre klar geworden, wer die größeren Chancen auf den Parteivorsitz der Christdemokraten hat.

Wie einen die aktuellen Umfragen Glauben machen, gibt es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz. Bei verschiedenen Fragerunden in der Messehalle am Dienstag, heimsten beide tosenden Beifall der 2 500 anwesenden Mitglieder ein. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn erhielt durchaus Zuspruch, jedoch nicht ganz so fulminant, zöge man jenes Relikt aus Rudi Carells Show hinzu.

Gehobene Mittelschicht

Für AKK, Ex-Ministerpräsidentin des benachbarten Saarlandes, war die Veranstaltung ein Heimspiel. Mit Bussen waren viele Teilnehmer aus der Grenzregion angereist, aber auch aus Hessen. Sogar der Ortsvorsitzende aus St. Pauli hatte die 600 Kilometer lange Reise auf sich genommen, um den Kandidaten eine Frage zu stellen. Diese zeigten sich demütig, aber auch angriffslustig. Allen voran Friedrich Merz, der Sauerländer, der sich im Vorfeld trotz Millionengehalt, Privatfliegern und diversen Aufsichtsratsposten, wie bei der umstrittenen Blackrock, zur gehobenen Mittelschicht zählt.

Fahnenjunker Friedrich

Merz, so schien es schon bei seinem Auftritt bei Anne Will am vorigen Sonntag, fehlt es noch an Fach- und Insiderwissen im Berliner Betrieb. Dennoch verfügt er über ausgeprägte Politerfahrung, war damals Fraktionsvorsitzender und auch Abgeordneter im Europaparlament. Merz gibt sich an diesem Abend jovial, eloquent und hat auch schon mehr Antworten, als in der sonntäglichen Talkshow. So befürwortet der den Pflichtdienst, aber zunächst auf freiwilliger Basis. Er war bis zum Fahnenjunker bei der Bundeswehr in der Region und ist der Auffassung, dass beispielsweise eine Wehrpflicht mindestens ein Jahr dauern müsste.

Krawallo versus Lethargie

AKK will diesen verpflichtend, zeigt klare, aber auch harte Kante bei vielen Themen. Sie ist keine Mini-Merkel, aber sie ist ebenso gelassen und bedacht, wie die Kanzlerin. Krawallo versus Lethargie? Weit gefehlt. Jeder Jeck ist anders, sagt man im Rheinland. Und die Mitglieder haben die Qual der Wahl, denn es gibt noch den Dritten im Bunde, Jens Spahn aus dem Münsterland. Er polarisiert, besetzt mit letzter Kraft Politikfelder, um zu punkten. Der Spiegel ging der Frage nach, warum er sich dümmer stelle, als er ist. Stichwort Migrationspakt. Zwar fand er in der Messehalle dafür einige Befürworter, doch das Gros der Christdemokraten hat das "C" im Namen nicht vergessen und ist überhaupt gegen eine Debatte darüber. Spahns wohl nachhaltigster Satz an diesem Abend: "Die jungen Leute sind mehr CDU denn je, sie wissen es nur noch nicht".

Medienrummel

350 Medienvertreter aus der ganzen Republik reisten nach Idar-Oberstein. Die Hauptstadtjournaille an der Nahe. Das ist Balsam auf der Seele der geschundenen Stadt. Man interessiert sich wieder für die einst glänzende Edelsteinmetropole. Ein Verdienst von Kai-Uwe Hille, der innerhalb weniger Tage die Messe für dieses Event herrichtete, nachdem die ursprünglich vorgesehene Mainzer Rheingoldhalle aus Kapazitätsgründen storniert werden musste. Messechef Hille sagte spontan zu und wuppte die Regionalkonferenz mit Bravour.

Im Foyer wurde auch so mancher Schabernack getrieben. Hazel Bruger von der ZDF "heute show" und Jakob Leube von "xtra 3" interviewten auf ihre Weise die Unionisten. Letzterer wollte wissen "Wer ist Ihr Herzblatt". Rudi Carell hätte seine Freude an diesem Abend gehabt.

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