»Ich habe gedacht wir sterben gleich alle«

Idar-Oberstein Stadt. »Wir haben alles verloren« erzählt Malik Mohamed nach dem verheerenden Brand in der Wasenstraße, bei dem seine Familie um Haares Breite ums Leben gekommen wäre. Wir trafen den dreifachen Vater am Klinikum Idar-Oberstein. Mohamed wirkt bei dem Gespräch mit unserer Zeitung wieder relativ gefasst. Aber hinter der Fassade des Geschäftsmanns, der auf dem Platz auf der Idar die Boutique M Fashion World betreibt, ziehen immer wieder die Ereignisse der Brandnacht vorüber.

Der 36-Jährige schlief in jener  Montagnacht (30. Juli) bereits, als offenbar vor dem Haus Sperrmüll angezündet wurde. Nach einem langen, arbeitsreichen Tag war er sehr müde. Zufällig durften an diesem Abend auch die Kinder im elterlichen Schlafzimmer übernachten, was sich im Nachhinein als großes Glück für die Familie erwies. Seine kleine Tochter Lareib (6) bemerkte plötzlich den Rauch, weckte den Papa. Er bemerkte schnell, dass unten alles in Flammen stand. »Ich habe sofort alle Fenster geöffnet, überall waren Flammen, wir konnten nicht entkommen. Auch vom Dach her kam das Feuer inzwischen«, erinnert sich Mohamed. »Meine Tochter sagte, Papa, wir sterben gleich. Da bin ich wieder aufgestanden, habe ein bisschen Luft durch ein Fenster bekommen«. Die Nachbarn hatten inzwischen die Feuerwehr gerufen, während die Familie in dem brennenden Haus Todesängste erlitten. Die Wehrleute waren schnell vor Ort und konnten die Familie aus dem zweiten Stock über eine Leiter in Sicherheit bringen. »Hätte es eine Minute länger gedauert, wären wir alle tot gewesen«, ist sich Mohamed sicher. Auch die Feuerwehr sprach buchstäblich von Rettung in allerletzter Minute. Die Familie wurde sofort mit Rauchvergiftungen ins Krankenhaus gebracht. Am Freitag sollten die Kinder entlassen werden, die Mutter ist immer noch mit einem Schock in der Klinik untergebracht. »Meine Kleinen sind natürlich immer noch verängstigt und können schlecht schlafen. Auch bei mir zieht nachts die Situation immer wieder an den Augen vorbei«, ergänzt der Geschäftsmann im WochenSpiegel-Gespräch. Die Familie hat ihr gesamtes Hab und Gut bei dem Feuer verloren.  »Ich wollte schon aufgeben«, beteuert Mohamed. Aber mein Freund Detlev Hosser hat mich ermutigt weiterzumachen und sehr viel geholfen«. Hosser war es, der sofort bei den Behörden die Hebel in Bewegung setzte wegen einer Notunterkunft, Geld- und Sachspenden. Die Hilfsbereitschaft war überwältigend. Ministerpräsident Kurt Beck spendete sofort 1 000 Euro. Aus Wohnungsauflösungen sind inzwischen genug Sachspenden vorhanden. Doch da im Kellerraum die gesamte Ware von Mohamed verbrannte, hat die Familie einen großen finanziellen Engpass. Wer helfen möchte, kann auf ein Sonderkonto der Stadt Idar-Oberstein spenden, Kontonummer 825 bei der Kreissparkasse Birkenfeld, Verwendungszweck: Brandkatastrophe Wasenstraße 40.Mittlerweile haben Zeugenaussagen ergeben, dass eine Gruppe Jugendlicher, vermutlich zwei Mädchen und drei Jungen aus Richtung Wilhelmstraße gekommen sein und bereits kurze Zeit nach Brandausbruch an dem Wohnhaus gestanden haben. Da es sich um wichtige Zeugen des Vorfalls handeln könnte, bittet die Kripo die Jugendlichen sich dringend zu melden. Es ist auch ein Vertrauenstelefon eingerichtet worden, bei dem Personen ohne Angabe ihres Namens anonym Hinweise geben können: 0 67 81 / 21 97 27.

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