Kastellauner Geschäfte proben den Ernstfall

Kastellaun. Wie sehen künftig die Innenstädte aus, wenn die Kunden statt im lokalen Einzelhandel weiterhin bevorzugt im Internet einkaufen? »Müller Büro & Buch« wagt gemeinsam mit vielen weiteren Geschäften in Kastellaun ein Experiment und stellt das Szenario ganz plastisch mit einer Verhüllungsaktion dar.

Betriebsaufgabe, Ladenlokal zu vermieten, suche Pächter, wegen Geschäftsaufgabe geschlossen: Das sind nur einige Schlagwörter, die Petra Müller-Wetstein in den Sinn kommen, wenn sie die derzeitige Entwicklung des Einkaufsverhaltens weiterspinnt.

Internetshops verdrängen stationären Handel

Seit Jahren beobachtet sie den Rückgang der Einkäufe im lokalen Handel und gleichzeitig die Zunahme von Bestellungen in Onlineshops mit wachsender Sorge. In ihrem Laden, der auch eine Post-Filiale beherbergt, sieht sie die Auswirkungen Tag für Tag. 

»Es ist schon traurig zu sehen, wie viele Pakete von Onlinehändlern tagtäglich ausgeliefert werden. Da fällt es manchmal schon schwer, nichts dazu zu sagen«, erzählt die Inhaberin. Es gehe aber nicht darum, den Internethandel zu verteufeln. Schließlich biete der ja auch Vorteile und man müsse mit der Zeit gehen - »Müller Büro & Buch« bietet ebenfalls einen Onlineshop an. Die meisten Kunden seien sich schlicht der Tragweite ihres Konsumverhaltens gar nicht bewusst, ist sie überzeugt, und es sei die Bequemlichkeit, zum Shoppen nicht mehr das Haus verlassen zu müssen. »Dabei sind wir Geschäftsleute es, die Arbeitsplätze bieten, Praktikumsplätze für Schulkinder, wir bilden aus, wir spenden für den guten Zweck«, zählt Petra Müller-Wetstein auf. Und je mehr im Internet bestellt wird, desto mehr verdrängen die Online-Riesen die kleinen, einheimischen Geschäfte.

Schaufenster hüllen sich in Dunkelheit

Durch die Initiative »Buy local«, der sie Anfang des Jahres beigetreten ist, ist die Buchhändlerin auf eine »Verdunkelungsaktion« in Kenzingen im Breisgau aufmerksam geworden. Die Geschäftsleute hatten ihre Schaufenster verhüllt, um zu demonstrieren: Was wäre, wenn es uns plötzlich nicht mehr gäbe? »Ich fand das eine super Aktion und habe dafür quasi die Werbetrommel gerührt«, erzählt Petra Müller-Wetstein. Bislang konnte sie 56 »Mitstreiter« für die Aktion in Kastellaun gewinnen: »Gerne dürfen sich weitere Geschäfte anschließen, egal ob sie Mitglied in der Fördergemeinschaft sind oder nicht.«

Aktion soll Warn- und Startschuss sein

Vom 4. bis 11. November werden sie sich in einen dunklen Mantel hüllen, sprich, ihre Schaufenster verdunkeln. »So wollen wir unseren Kunden zeigen, wie es aussehen könnte, wenn es so weitergeht wie bisher«, erklärt die Inhaberin des Geschäfts in der Bahnhoftsraße. »Wer kommt schon gerne in eine Stadt, in der alles im Dunkeln liegt?« Die Aktion soll ein Warnschuss und ein Startschuss sein für viele weitere gemeinsame, zukunftsorientierte Aktionen, die von einer Arbeitsgruppe entwickelt werden. Die Geschäfte bleiben während der Verhüllungswoche geöffnet, es werden lediglich die Fronten »dicht gemacht«. Zuvor werden in den Kastellauner Läden Flyer ausgelegt und Plakate aufgehängt, um die Kunden über die Aktion  und ihre Hintergründe zu informieren.

Foto: Petra Müller-Wetstein (rechts) und Mitarbeiterin Sonja Grillo sind startklar für die Verhüllungsaktion. Am Montag geht's los.

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