Zu Besuch in der "Heimat der Heimat" (VIDEO)

Hunsrück/Nahe. Es ist nur ein kleines Fachwerkhäuschen und doch eine Berühmtheit: Im kleinen Soonwalddörfchen Gehlweiler steht das »Filmhaus« aus dem Edgar Reitz-Epos »Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht«.

Von Monika Kirschner (»Initiative Soonwald«)

Nur ein großes Schild an der Fassade lässt Passanten stutzen. »Willkommen in der Heimat der Heimat« liest man dort. Das betagte Gebäude steht unter Denkmalschutz. Es ist das ehemalige Zuhause einer Hunsrücker Bauernfamilie aus dem 17. Jahrhundert. Gleichzeitig ist es innen eine professionell gestaltete Filmkulisse, die bis zu den Rußspuren an der Decke das Produkt einer künstlerischen Drehbuch-Inspiration ist. Die Hunsrücker nennen es das »kleine Filmhaus«. Es ist der zentrale Drehort des letzten Spielfilms des Jahrhundert-Epos von Edgar Reitz: »Die andere Heimat - Chronik einer Sehnsucht«.

Nur wenige wissen, dass man dem Zauber des Film-Kunstwerks von 2012 noch heute nahekommen kann. Dazu muss man nur das kleine Dörfchen Gehlweiler am nördlichen Soonwaldrand besuchen. Überquert man am Ortseingang die Brücke über den Simmerbach duckt sich dahinter ein unscheinbares Fachwerkgebäude. Hier gilt die freundliche Aufforderung: »Eintritt erwünscht!« Gleich hinter der in die Jahre gekommenen Haustür findet man sich in einer dunklen Wohnstube wieder, die in jedem Detail so wirkt, als hätten ihre Bewohner sie gerade erst verlassen. Der Geruch von Ruß, Rauch und Schaffell hängt noch in der Luft und man ahnt die Glut in der Asche. Tatsächlich ist es noch nicht lange her, dass hier die Filmfamilie Simon mit Großmutter, Onkel, drei Kindern, den beiden Söhnen Gustav und Jakob und Tochter Lena verzweifelt Wege aus existentiellen Nöten suchte.

Das neunzehnte Jahrhundert ist die Zeit der großen Hungersnöte. Besonders schlimm ist das Jahr 1817, das als »Hungerjahr« in die Geschichte eingeht. Als 1822 die brasilianische Regierung einen Bevollmächtigten nach Deutschland schickt, um Kolonisten anzuwerben, machen sich auch Hunsrücker auf in die Ferne. Um 1840 kommt neue Not mit Teuerung, Missernten und Unruhen über das Land. Die Krise verstört die Landbevölkerung tief. Viele sehen keinen Ausweg mehr, sie fassen schier verzweifelten Entschluss, die vertraute Heimat ganz zu verlassen. Im Drehbuch für »Die andere Heimat« ist es Gustav Simon mit seiner Frau, der das Wagnis der ungewissen Reise in die Fremde eingeht.

Rückbau (zum Glück) nicht realisiert

Regisseur Edgar Reitz hat sich nie davon abbringen lassen, seine Dreharbeiten an Originalschauplätzen mitten im realen Alltag stattfinden zu lassen. Vieles nahmen die »Gelwiller« in Kauf, um ihr Dorf wieder zurück in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts zu versetzen. 2012 war es dann soweit: Gehlweiler war zu Schabbach, einem Soonwalddorf um 1840 geworden. Heute erinnern große farbige Fototafeln entlang der Hauptstraße an das Aussehen des Dorfes während seiner Transformation zur Filmkulisse. das »Filmhaus« als Kulisse im Originalzustand komplett erhalten. Das ist ein Glücksfall, denn es sollte nach Beendigung der Dreharbeiten innen rückgebaut werden. Dank seines Besitzers, Heribert Dämgen, ist dieses Kleinod bäuerlicher (Film)-Geschichte für uns alle erhalten geblieben.

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