Kirner Baptisten: Wir haben kooperiert!

Glaubensgemeinschaft erhielt Morddrohungen

Kirn Stadt. Dramatisches Infektionsgeschehen mit einer Wocheninzidenz von über 500 in Kirn: Ausbrüche gab es in einer Kita, bei mehreren Großfamilien und in der Baptistengemeinde. Während die Familien mit der Corona-Stabsstelle kooperieren, soll sich die Glaubensgemeinschaft zunächst quer gestellt und keine Kontaktlisten zur Nachverfolgung übermittelt haben. »Wir haben durch die Coronaverweigerer doppelte und dreifache Arbeit«, zeigte sich Landrätin Bettina Dickes höchst verärgert. Indes kassierten die Baptisten einen Shitstorm in den Sozialen Medien, es gab sogar Morddrohungen.

Der WochenSpiegel kontaktierte den Sprecher der Baptistengemeinde aus Kirn-Kallenfels. Dieser weist fast alle Vorwürfe von sich. Als am 4. April bekannt geworden sei, dass nach dem Gottesdienst positive Fälle aufgetreten seien, habe sich die Gemeinde sofort ans Gesundheitsamt gewandt. Die Kontaktpersonen seien in Quarantäne gekommen. Bei Verdachtsfällen seien PCR-Tests vorgenommen und die Ergebnisse  gemeldet worden. Von mehr als 25 Infizierten sie die Rede gewesen.

"Masken getragen und Abstand gehalten"


Bei den Gottesdiensten habe es zwei voneinander getrennte Gruppen mit je 25 Personen gegeben. »Alle haben Masken getragen und Abstand gehalten«, so der Sprecher, der betont: die von der Kreisverwaltung massiv kritisierte Blockadehaltung der Gemeinde sei »ein Missverständnis«. Als die Behörde am 12. April um die Teilnehmerliste vom Gottesdienst gebeten habe, sei der Gemeindeleiter gerade bei der Arbeit gewesen und habe diese nicht dabeigehabt. »Ich wusste nichts von einem Infektionsgeschehen, nur, dass sich vier Familien schon in Quarantäne befinden«. Die Stabsstelle habe dann abends bei ihm Zuhause anrufen wollen, dies sei aber nicht geschehen. Der Sprecher der Baptistengemeinde vermutet, dass sich die Gläubigen an ihren Arbeitsstellen, etwa in Krankenhäusern, angesteckt haben könnten.  Die Gemeinde habe zudem schon vor über einem Monat bei der Kreisverwaltung nachgefragt, wie sie sich verhalten solle. »Es hat aber keine Rückmeldung gegeben.« Auch der Vorwurf, dass die Gemeinde seit Januar von Infektionen gewusst und geschwiegen habe, würde nicht stimmen.

"Wir machen euch platt"

Nach dem Shitstorm grassiert Sorge bei den Gläubigen. »Wir machen euch platt!« sei dort geschrieben worden. Das Bethaus wurde komplett geschlossen, bis Ende April gibt es dort keine Gottesdienste. Ron Budschat von der Corona-Stabsstelle zufolge gab es inzwischen konstruktive Gespräche mit der Gemeinde. Diese habe nun auch eine Mitgliederliste mit Kontaktdaten übermittelt. ie neue Allgemeinverfügung für den Kreis inklusive Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr tritt voraussichtlich am Mittwoch in Kraft. »Die vom Land vorgegebene Verfügung muss ich umsetzen, eine Reduktion der Einschränkungen aufgrund des sehr hohen lokalen Infektionsgeschehens ist nicht erlaubt. Damit schließen wir in Spall den Spaller Hof und dürfen in Löllbach abends nicht mehr spazieren gehen. Und in Bad Kreuznach werden Geschäfte extrem eingeschränkt. Aber so ist die Vorgabe«, so Landrätin Bettina Dickes. www.kreis-badkreuznach.de

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