Bezahlbarer Wohnraum dringend gesucht

Langenlonsheim. Bezahlbarer Wohnraum? Das klingt nach einem Großstadt-Problem. Doch auch im ländlichen Raum wird selbst geförderter Wohnraum für Einkommensschwache zunehmend unbezahlbar.

Das Schreiben traf Nancy Bernutat aus heiterem Himmel. Sechs Jahre lang lebte die alleinerziehende Mutter mit ihren fünf Kindern in der Vier-Zimmer-Wohnung in Schweppenhausen, doch in diesem Frühjahr flatterte ihr die Kündigung ins Haus. Drei  Monate bleiben, um eine neue Bleibe zu finden. Dutzende Vermieter hat Nancy Bernutat daraufhin auf ihre Anzeigen hin kontaktiert. Das Ergebnis: Zwei Absagen. »Die übrigen haben gar nicht erst auf meine Anfrage reagiert«, berichtet sie. Die Suche bleibt erfolglos - obwohl Berufsbetreuer Alfred Matheis und Familienhelferin Ilka Link die Familie bei der Wohnungssuche nach Kräften unterstützen.

Dass die Suche so schwierig würde, hat die junge Mutter nicht erwartet. Schließlich sucht sie nicht in der Innenstadt, sondern möchte im Einzugsgebiet von Langenlonsheim bleiben – um ihre Kinder, die dort allesamt Schule oder Kita besuchen, nicht aus ihrem gewohnten Umfeld reißen zu müssen. Doch auch hier ist der Markt für bezahlbaren Wohnraum leergefegt. Die kleine Familie benötigt mindestens vier Zimmer – idealerweise sogar fünf. Denn bislang verzichtet die Mutter zugunsten der Kinder auf einen eigenen Rückzugsort. »Es ist nahezu unmöglich, eine ausreichend große Wohnung in akzeptablem Zustand zu einem erschwinglichen Preis zu finden«, sagt Alfred Matheis. Im schlimmsten Fall droht der Familie die Zwangsräumung und der Weg ins Obdachlosenasyl. Das wollen Nancy Bernutat und ihre Helfer nun um jeden Preis verhindern. »Im Brennpunkt hat die Familie nichts verloren«, sagt Matheis. »Dafür läuft es in der Entwicklung der Kinder viel zu gut.«

Selbst geförderter Wohnraum wird unbezahlbar

Nancy Bernutat ist bei weitem kein Einzelfall. Ihre Notlage ist exemplarisch für ein Problem, das längst nicht nur Ballungsräume betrifft: Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum - trotz Bauboom. »Es entstehen zwar allerorten neue Wohnungen, doch die sind so teuer, dass selbst die geförderten Wohnungen für einkommensschwache Familien nicht finanzierbar sind«, sagt etwa Susanne Syren vom Bad Kreuznacher Bündnis Wohnen.

Das Problem für viele Familien, die wie Nancy Bernutat und ihre Kinder von Hartz-IV leben müssen: Die Pauschalen, die das Jobcenter ansetzt, haben mit der Mietpreisentwicklung beileibe nicht mitgehalten. Bis zu 657 Euro darf eine Wohnung in den Verbandsgemeinden Rüdesheim, Langenlonsheim-Stromberg und Bad Kreuznach für eine fünfköpfige Familie kosten. In der Stadt darf‘s mit bis zu 676 Euro etwas teurer sein. Nur: Bemüht man die einschlägigen Portale, finden sich dort für den Landkreis gerade einmal sechs Angebot, die den Vorgaben des Amtes genügen. Setzt man dem gegenüber,  dass in den vergangenen Monaten mehr als 70 Familien Hilfe beim Bündnis Wohnen gesucht haben, macht das schnell deutlich, wie prekär die Situation auf dem Wohnungsmarkt mittlerweile auch im ländlichen Raum ist.

So können Sie helfen:

Hilfe tut also Not! Angebote für eine passende Wohnung im Schulbusgebiet von Langenlonsheim für Nancy Bernutat und ihre Kinder leiten wir gerne an die Familie weiter. Wer darüberhinaus helfen möchte, erhält weitere Informationen beim Bündnis Wohnen Bad Kreuznach.

Seit 2019 macht das Bündnis Wohnen Bad Kreuznach Lobbyarbeit für bezahlbaren Wohnraum. Gleichzeitig vermittelt das Bündnis auch Wohnungen. Wer als Vermieter Angebote zur Verfügung stellen möchte, erhält weitere Informationen über Telefon 06 71 / 4 83 77 99 oder unter: www.buendnis-wohnen.de

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