Ein einfacheres Leben für Sükran (16)

Simmern. Einkaufen, schwimmen gehen oder in die Schule fahren: Was für andere eine Selbstverständlichkeit ist, bedeutet für Familie Bayrakci aus Simmern stets einen Kraftakt. Die 16-jährige Sükran leidet an einer schweren Hirnfehlbildung und sitzt im Rollstuhl. Die kleine Familie muss Sükran rund um die Uhr betreuen. Ein behindertengerechtes Auto und eine neue Wohnung würden den Alltag erheblich erleichtern. Der Förderverein Lützelsoon bittet um Spenden.

Ümmü Bayrakci lebt seit der Trennung von ihrem Ehemann im Jahr 2008 gemeinsam mit ihren beiden Töchtern, Sükran und Halime, in der rund 70 Quadratmeter großen Wohnung. Behindertengerecht ist hier gar nichts: Die Stufen, die vom Flur zur Wohnung führen, sind ein großes Hindernis für den Rollstuhl. Auch das Badezimmer ist nicht barrierefrei. Zudem hat die Wohnung nur ein Schlafzimmer. Das Bett teilt sich Mutter Ümmü mit Sükran. Der Raum ist vollgestellt mit aufgehängter Wäsche. »Wr hatten einen Wäschetrockner, der ist aber kaputt gegangen«, sagt Halime. Die 28-jährige schläft auf der Couch im Wohnzimmer. Privatsphäre? Fehlanzeige. Ein eigenes Zimmer haben die beiden Schwestern nicht. Halime ist eine große Hilfe für ihre Mutter, die aufgrund einer Krankheit keine schweren Lasten heben darf. So muss sie ihre Schwester vom Bett in den Rollstuhl hieven, ihr in die Badewanne helfen oder auf die Therapiegeräte. Das geht nicht spurlos an der 28-Jährigen vorbei. »Ich habe mittlerweile starke Rückenschmerzen«, sagt sie. Manchmal kommt der Onkel vorbei und hilft ihr dabei. Bei Sükran, die im Januar 17 Jahre alt wird, wurde septo-optische Dyslapsie bei Balkenagenesie und konnatalem Hydrocephalus Internus diagnostiziert. Sie ist geistig und körperlich schwer behindert, blind, und auf dem Stand eines vierjährigen Kindes. Außerdem leidet sie an Epilepsie. Jeder noch so kleine Anfall verschlechtert die Spastik ihrer Füße. Sie besucht die Theodor-Heuss-Schule in Kastellaun. Ihre Schwester begleitet sie stundenweise dorthin, um mit ihr gemeinsam Übungen zu machen. Sie fährt dazu mit dem Bus nach Kastellaun. Ein Auto hat die kleine Familie nicht.

Ein wenig Unterstützung erhalten die Bayrakcis von einer Hilfskraft, die dreimal die Woche mit Sükran spazieren oder schwimmen geht. Dies wird über die Kreisverwaltung finanziert. Mutter Ümmü kann aufgrund ihrer Krankheit nicht mehr arbeiten, Tochter Halime ist so eingebunden mit der Pflege ihrer Schwester, dass auch sie keinen Job ausüben kann. Überhaupt existiert so etwas wie Freizeit nicht für sie. Hinzu kommen die Fahrten mit Sükran nach Bad Kreuznach, wenn sie zur Kontrolle muss, um Medikamente zu erhalten oder zur Therapie, oder nach Gau-Algesheim ins Schwimmbad. Dann ist Familie Bayrakci auf ein Taxi angewiesen. »Das klappt zwar meist ganz gut, ist aber sehr umständlich«, sagt die 47-jährige Mutter, die 1980 nach Deutschland kam.

Ein behindertengerechtes Fahrzeug würde den Alltag der Bayrakcis um einiges erleichtern. »Dann könnten die Drei auch mal spontan rausfahren, in den Tierpark oder einen kleinen Ausflug machen«, sagt Alice Wendling. Sie und Ümmü lernten sich im Januar im Krankenhaus kennen und mittlerweile ist eine herzliche Freundschaft entstanden. Alice Wendling war es auch, die den Kontakt zum Förderverein Lützelsoon rund um Herbert Wirzius herstellte. Der zögerte keine Sekunde, denn die Not der Familie ist groß. Eine Wohnung, mit Platz genug, in der auch für Privatsphäre und ein wenig Rückzugsmöglichkeiten gesorgt ist, und vor allem, die behindertengerecht ist, braucht die Familie ebenfalls dringend. Die Drei möchten in Simmern bleiben. »Nicht gerade einfach ist die Wohnungssuche für uns, wenn die Leute hören, dass wir arbeitslos sind«, sagt Halime Bayrakci.

Wenn Sie der Familie helfen möchten, können Sie spenden auf das folgende Konto:

Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück, Bankleitzahl 560 900 00, Kontonummer 33 33 33 7, Kennwort Simmern.

Bei Fragen zur Wohnung wenden Sie sich an den Förderverein Lützelsoon, Telefon 0 67 52 / 91 38 50.Foto: Bomba

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