Nackter Sommerausflug wird nicht bestraft

Simmern. War es nur ein Sommer-Spaziergang im »Adamskostüm« oder tatsächlich Exhibitionismus? Damit beschäftigte sich das Amtsgericht Simmern am vergangenen Dienstag.

Das Amtsgericht in Simmern hat am Dienstag einen 25-Jährigen vom Vorwurf des Exhibitionismus freigesprochen. Der junge Mann war im August des vergangenen Jahres nackt auf dem Radweg zwischen Simmern und Kümbdchen spazieren gegangen. Zwei Spaziergängerinnen fühlten sich durch den Liebhaber der Freikörperkultur belästigt und erstatteten Anzeige.

Doch zu einem Exhibitionisten wollte das Erscheinungsbild des Angeklagten im Simmerner Amtsgericht nicht so recht passen: Lange, glatte schwarze Haare, dichter Pony und weibliche Kleidung. Man musste zweimal hinschauen, um zu bemerken, dass es sich bei dem Angeklagten nicht um eine Frau handelte.

Während der Angeklagte behauptete, er habe Anfang August 2012 lediglich unbekleidet einen Spaziergang auf dem Radweg zwischen Simmern und Kümbdchen gemacht, ganz ohne sexuellen Hintergedanken, wollen die zwei Zeuginnen, die ihm begegnet waren, sein erigiertes Glied gesehen haben. Der Angeklagte bestritt diesen Vorwurf: »FKK ist doch nicht verboten und ich betrachte es als persönliche Freiheit, nackt spazieren zu gehen." Er sei auch Joggern und Fahrradfahrern begegnet. Auf einer Brücke habe er sich nur ans Geländer gelehnt. »Ich wollte nur die Sonne genießen«, so der Angeklagte. Aus den Augenwinkeln habe er die zwei Frauen gesehen. Als die Frauen vorbei kamen, sei er weitergegangen. Vehement bestritt er, sein Glied sei erigiert gewesen. Es sei nur so groß, dass es von der Seite so aussehen könnte.Ganz anders die zwei Zeuginnen: "Wir haben erst aus der Nähe erkannt, dass es ein Mann war und dann hat er sich zu uns herumgedreht." Er sei direkt an ihnen vorbei gegangen. "Wir waren geschockt", so eine Zeugin.

»Exhibitionismus ist nicht gleich nackt sein«, erläuterte Staatsanwältin Nicole Frohn, »Exhibitionismus liegt nur dann vor, wenn ein Mann in voller Absicht sein erregtes Geschlechtsteil vorzeigt." Dies sei in diesem Fall nicht gegeben, da der Angeklagte den Spaziergängerinnen nur den Kopf zugewendet hatte und dann sofort weitergegangen war. Dies ließe sich nicht in Einklang mit einer sexuellen Motivation bringen. Eine Absicht, sich den Frauen zu präsentieren, sei nicht erkennbar. Sie plädierte auf Freispruch, aber riet dem Angeklagten, sich den Ort für seine Spaziergänge künftig besser auszusuchen und weniger belebte Wege zu wählen.

Der vorsitzende Richter Peter Hüttemann schloss sich der Staatsanwaltschaft an und sprach den jungen Mann frei - allerdings nicht ohne gute Ratschläge: Auch wenn es prinzipiell nicht verboten sei, unbekleidet spazieren zu gehen, so sollte man dennoch darauf Rücksicht auf andere Leute nehmen. »Auch wenn Sie das nicht so sehen: Es gibt Leute, denen es unangenehm ist, nackte Menschen in der Öffentlichkeit zu sehen«, so Hüttemann. Die Begegnung mit den Frauen zeige, wie schnell es zu Missverständnissen kommen könne.

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