Spaiki und Chela lassen schwerstkranke Menschen strahlen

Hunsrück/Nahe. Der Dienstag ist kein normaler Tag im Palliativbereich der Hunsrück Klinik. An diesem Tag haben zwei ganz besondere Therapeuten Dienst. Auf leisen Pfoten, schwanzwedelnd und mit feuchten Nasen laufen Spaiki und Chela über die Klinikflure. Vor gut zwölf Monaten haben der quirlige weiße Jack Russel Terrier mit dem dunklen Augenfleck und der anmutige Rhodesian Ridgeback ihre Prüfungen als Therapiebegleithunde bestanden und gehören seitdem zum Personal der Hunsrück Klinik.

Im ersten Stock haben die beiden einen wichtigen Job zu erledigen: ein Lächeln in die Gesichter schwerstkranker Menschen zu zaubern und ihren Tag zu erhellen. Mit „Leben im Sterben“ ist die ökumenische Woche für das Leben 2021 überschrieben, die am 17. April startet. Diese spezielle Woche nehmen Physiotherapeutin Claudia Drobeck (2. Foto) und Palliativmediziner Konrad Härtel zum Anlass, um zu berichten, wie Therapiehunde die palliative Arbeit bereichern.

„In der Palliativmedizin betreuen und behandeln wir Menschen mit fortgeschrittenen, unheilbaren Erkrankungen. Die Hunde sorgen für Ablenkung, sie holen den Menschen aus seiner Rolle als Patient heraus. Jede Auszeit, die ihn für einen Moment von seinen Sorgen befreit, ist unbeschreiblich wichtig“, erklärt Konrad Härtel. Er arbeitet seit 2013 in Simmern und betreut als Facharzt für Innere Medizin den Palliativbereich der Hunsrück Klinik.

Therapiehunde auf die Station ändern die Atmosphäre

Tiergestützte Therapie wird bereits in vielen deutschen Kliniken eingesetzt. Therapiehunde können Angstzustände, Sprach- oder Sozialstörungen und vielfältige Stresssymptome lindern. In der palliativmedizinischen Versorgung stehen vor allem der psychologische Effekt und das seelische Wohlbefinden im Vordergrund.

„Sobald die Therapiehunde auf die Station kommen, ändert sich die Atmosphäre“, weiß auch Claudia Drobeck. Sie ist die Besitzerin der beiden Hunde und arbeitet seit 26 Jahren als Physiotherapeutin in der Hunsrück Klinik. „Oft sind die Patienten sehr traurig, depressiv und kommunizieren wenig. Spaiki und Chela erspüren die Stimmungen der Menschen. Ganz unvoreingenommen und spielerisch nehmen sie Kontakt auf und vermitteln nur durch ihre Anwesenheit Wärme, Mitgefühl und Sicherheit.“

Spaiki und Chela sind nicht die ersten Hunde von Claudia Drobeck, aber die ersten, die sie als Therapiehunde hat ausbilden lassen. Ein ehemaliger Patient brachte sie auf die Idee für die neuen tierischen Mitarbeiter: „Er war Hundetrainer und ich habe ihm gerne Fotos und Videos der beiden Hunde gezeigt, um ihn aufzumuntern. Er hat mir viele Tipps gegeben und mir schließlich die Ausbildung bei der Malteser Therapiehunde-Staffel ans Herz gelegt.“

Tiergestützte Therapie individuell auf Patienten abgestimmt

In Simmern ist die Tiergestützte Therapie individuell auf den Patienten abgestimmt. „Manche Personen lieben es, die Tiere zu streicheln und zu füttern, andere möchten bloß in ihrer Nähe sein und mit den fitten Patienten ist auch ein kleiner gemeinsamer Spaziergang möglich“, erklärt Claudia Drobeck das Konzept. Sie beobachtet, dass Patienten im Kontakt mit ihren Hunden oft neue Energien mobilisieren, die sich positiv auf die Physio- oder Ergotherapie auswirken. So ist jede Streicheleinheit oder das Bücken nach einem Wurfball gleichzeitig auch eine spielerische Bewegungsübung. Das ist wichtig, denn es geht um Lebensqualität und Lebensmut – bis zuletzt. „Wir sind keine Sterbestation, sondern ein Ort, an dem gelebt wird“, fasst Konrad Härtel zusammen.
Der Dienstag bleibt dennoch ein besonderer Tag in der Hunsrück Klinik. Dann lassen sich Spaiki und Chela wieder streicheln, kuscheln, zeigen ihre Kunststücke und am wichtigsten: sie machen Beschwerden und Sorgen für einen Moment vergessen.  

Die Aktion „Woche für das Leben“ geht auf eine Initiative der Deutschen Bischofskonferenz und des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) zurück. Seit 1994 wird sie gemeinsam mit dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland durchgeführt. Mit Veranstaltungen und Aktionen rund um dieses Thema leisten die Kirchen seit mehr als 20 Jahren einen wichtigen Beitrag zur Bewusstseinsbildung für den Wert und die Würde des menschlichen Lebens.

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