Klaus Desinger

Ausbildung ukrainischer Soldaten sorgt für Zündstoff

Idar-Oberstein. Ukrainische Soldaten werden derzeit in der Artillerieschule an der Panzerhaubitze 2000 ausgebildet. Das sorgt für Zündstoff.

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Die Panzerhaubitze 2000

Die Panzerhaubitze 2000

Foto: Florian Sorge

Schüsse, militärischer Lärm und Panzerbewegungen, das ist nichts Ungewöhnliches für die Idar-Obersteiner. Aber dass diese jetzt von ukrainischen Soldaten in der Ausbildung abgefeuert werden könnten, sorgt bei manch‘ einem doch für ein mulmiges Gefühl. Ganz abseitig der Ängste und Sorgen, die viele Schmuckstädter haben, stellt sich zunächst die Frage, warum das Ausbildungsszenario öffentlich gemacht wurde. Militärexperten kritisieren das, habe doch früher bei sensiblen Vorgängen stets höchste Geheimhaltungspflicht in der Bundeswehr geherrscht. Außerdem haben einige Einwohner Bedenken, dass die Stadt nun zur Zielscheibe russischer Aggressionen werden könnte. Doch auch ohne Publikation des Szenarios hätte der Kreml freilich Wind von der Sache bekommen. Der heimische Bundestagsabgeordnete Dr. Joe Weingarten (SPD) verteidigt gebetsmühlenartig die Ausbildung der Soldaten als »sinnvoll«.

"Müssen die Ukraine zivil und militärisch zur Selbstverteidigung unterstützen"

»Wir müssen die Ukraine zivil und militärisch in der Selbstverteidigung unterstützen. Ich halte es für richtig, dass die Bundeswehr in Idar-Oberstein ihren Beitrag hierzu leistet. Die Entscheidung zur Ausbildung der ukrainischen Soldaten an der Artillerieschule ist auch ein Beweis für das hohe Renommee, das die Schule genießt, so der Genosse. Weingarten ist zugleich Mitglied des Verteidigungsausschusses im Bundestag. Er ist der Auffassung: »Wenn die Ukraine weiter gegen den Überfall Putins bestehen soll, braucht sie moderne Waffen, mit denen sie sich auch gegen heimtückischen russischen Artilleriebeschuss aus dem Hinterland wehren kann. Die Panzerhaubitze 2000 ist hierfür sehr gut geeignet. Aber Waffenlieferungen ohne die dazugehörige Ausbildung wären zum Scheitern verurteilt.« Er verstehe auch die vielen Fragen und Sorgen der Idar-Obersteiner. Man wolle natürlich nicht in einen Krieg mit hineingezogen werden, aber der Bundeskanzler habe ja verdeutlicht, dass Deutschland durch die Ausbildung ukrainischer Soldaten nicht zur Kriegspartei werde. Wenig Informationen über die Vorgänge bei der Artillerieschule hat Oberbürgermeister Frank Frühauf (CDU): »Das läuft alles über Berlin«. Entweder weiß er wirklich nichts - oder wenigstens er ist ein Profi in Sachen Geheimhaltung.