Klaus Desinger

Sch(l)eichwerbung für die WM in Katar

Kreis Birkenfeld. In elf Tagen, am 20. November, wird die umstrittene WM in Katar angepfiffen. Der heimische Bundestagsabgeordnete Joe Weingarten war vor Ort. 

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Joe Weingarten stattete den Scheichs in Katar einen Besuch ab.

Joe Weingarten stattete den Scheichs in Katar einen Besuch ab.

Foto: Joe Weingarten

Das Mega-Event im Wüstenstaat steht aus vierlerlei Gründen in der Kritik. Einer ist die Menschenrechtssituation im Emirat. Kritik daran köchelte hoch, die Scheichs bestellten den deutschen Botschafter ein, Innenministerin Nancy Faeser holte sich vor Ort Sicherheitsgarantien ein, dass sich deutsche Fans, egal welcher religiösen oder sexuellen Orientierung, unbeschwert in Katar bewegen können. Der heimische SPD-MdB, Dr. Joe Weingarten, reiste ebenfalls zu Gesprächen an den Golf, posierte munter mit den Scheichs für ein Selfie. Der umtriebige Politiker traf sich zu Gesprächen mit der katarischen beratenden Versammlung, der Shura, und mit Vertretern des National Human Rights Comittee. Die katarische Öffentlichkeit sei aufgebracht über die Kritik in Deutschland im Vorfeld der WM.

»Es gab politische und soziale Verbesserungen«

Zwölf Jahre habe sich das Emirat auf das Ereignis vorbereitet und viele Forderungen erfüllt, habe der Vorsitzende des Parlaments, Al Ghanem, sehr deutlich gemacht. Weingarten ganz Diplomat: »Katars Positionen etwa zu Frauenrechten oder queeren Menschen sind aus unserer Sicht nicht akzeptabel, aber es hat in den letzten Jahren viele politische und soziale Verbesserungen gegeben.« Der SPD-Mann ist stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Arabischen Parlamentariergruppe des Bundestags und Mitglied des Verteidigungsausschusses. Für Katar sei Deutschland der engste Partner in Europa. Frank und frei habe er beim Human Rights Comittee die Menschenrechtslage angesprochen, gerade auch in Hinblick auf die Situation asiatischer Arbeiter in Katar. »Der FIFA World Cup und die öffentliche Aufmerksamkeit dafür haben die Situation dieser Bauarbeiter deutlich verbessert, das ist gar keine Frage. Es gibt neue arbeitsrechtliche Gesetze, Interessenvertretungen und Beschwerdemöglichkeiten«. Vor der WM habe der Wüstenstaat sieben internationale Abkommen zur Verbessserung der Menschenrechtssituation unterzeichnet und entsprechende nationale Gesetze geschaffen. An der Umsetzung hapert es noch bisweilen, aber der Fortschritt ist erkennbar«, so Weingarten.

Klöckner: Kann die Schattenseiten nicht ausklammern

»Eine Stimmung wie beim Sommermärchen wird schon aufgrund der Zeit so nicht aufkommen - November, Dezember - und dann noch die Zeitverschiebung zwischen Katar und Deutschland sind andere Rahmenbedingungen«, konstatiert die heimische Bundestagsabgeordnete Julia Klöckner (CDU). Die WM werde sie sicher nicht so verfolgen, wie andere Sportevents zuvor. »Ich kann die Situation der Menschenrechte vor Ort und die Berichte über die Schattenseiten bei der Errichtung der Spielstätten nicht ausklammern und nur hoffen, dass sich das Verbindende des Sports und die ökonomischen Erträge durch ein solches Großereignis doch noch einen nachhaltigen Effekt für die Zivilgesellschaft im Land haben werden.« Zwar bleibe sie skeptisch und findet es falsch, dass Katar den Zuschlag für die WM bekam. Wenn der Anpfiff der deutschen Spiele erfolge, werde sie die Umstände im Hinterkopf haben. Sie werde die Partien mehr oder weniger intensiv verfolgen, zumal sie in dieser Zeit ihren 50. Geburtstag feiere. »Vielleicht gibt es ja ein Geschenk von unserer Elf, den Einzug ins Finale«.


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