»Gute Handwerker können sich den Job aussuchen« (mit Video)

Teil zwei der WochenSpiegel-Serie "Karriereschub 2018"

Kreis Vulkaneifel. Der Fachkräftemangel in Deutschland trifft auch die Handwerksbetriebe. Mit Dirk Kleis und Raimund Licht von der Kreishandwerkerschaft MEHR hat der WochenSpiegel über Probleme und Lösungsansätze gesprochen.

»Handwerkliche Leistungen werden zukünftig eine größere Wertschätzung erfahren. Das bedeutet, dass auch die Löhne im diesem Sektor steigen werden«, prognostiziert Raimund Licht, Vorsitzender Kreishandwerksmeister der Kreishandwerkerschaft Mosel-Eifel-Hunsrück-Region (KHS MEHR).

Der Grund für diese Entwicklung ist allerdings weniger erfreulich. Dem Handwerk fehlt es am Nachwuchs und an den nötigen Fachkräften. Dirk Kleis, Geschäftsführer der KHS MEHR schildert die Ausgangslage für den Fachkräftemangel: »Die demografische Entwicklung ist nur ein Faktor, aber sie ist dafür verantwortlich, dass einfach weniger junge Menschen da sind. Die Konjunktur ist gut, die Arbeitslosenzahlen in der Region sind sehr niedrig und der Trend geht zu einer langen schulischen Ausbildung. Mehr als 50 Prozent eines Jahrgangs gehen heute auf das Gymnasium. Das führt dazu, dass die Berufsorientierung heutzutage viel später stattfindet. Gymnasien und zusätzliche Angebote der Berufsbildenden Schulen entziehen dem Arbeitsmarkt zunächst viele junge Menschen.« Auch ziehe die Industrie, die selbst unter dem Fachkräftemangel leidet, häufig gut ausgebildete Handwerker ab. »Von oben wird abgeschöpft, von unten kommt zu wenig nach«, so Kleis.

Handwerk poliert sein Image auf

Der Schwund nach oben lässt sich nur bedingt vermeiden, um mehr Nachwuchs wirbt das Handwerk unter anderem an Schulen, auf Messen oder mit der Imagekampagne »Das Handwerk – die Wirtschaftsmacht von nebenan«. »Viele wissen einfach nicht, welche Möglichkeiten sie haben. Man kann heute in jeder Lebensphase alles machen«, erklärt Raimund Licht. Ein Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz gewährt Gesellen mit einem Prüfungsergebnis von mindestens 2,3 die Zulassung zu einem Hochschulstudium in ihrem Berufszweig. »Jemand, der schon mal im Handwerk gearbeitet oder Praxiserfahrung hat, geht mit einem ganz anderen Grundwissen in ein Studium«, erklärt Dirk Kleis. Neben der klassischen dualen Ausbildung zwischen Lehre im Betrieb und Unterricht an der Berufsbildenden Schule besteht auch die Möglichkeit ein duales Studium zu absolvieren. »Das Modell ist sehr begehrt. Ziel ist es nach fünf Jahren sowohl eine abgeschlossene Berufsausbildung als auch den Bachelor in der Tasche zu haben«, erklärt Kleis.

Praktikum muss sein

Bevor man sich für einen handwerklichen Beruf entscheidet, sollte man jedoch testen. »Nach wie vor gilt der Spruch ‚ohne Praktikum, keine Ausbildung‘«, sagt der KHS-Geschäftsführer. »Man sollte möglichst viel ausprobieren. Es ist keine Schande, wenn man nach einigen Tagen feststellt, dass einem der entsprechende Beruf gar nicht gefällt«, so Kleis. Hat man dann allerdings seinen Traum-Ausbildungsberuf gefunden, dann stehen alle Türen offen. »Ein guter Handwerker kann sich heute seinen Job aussuchen«, sagt Licht, der selbst Bäckermeister ist.
Die Aussichten im Handwerk seinen Traumjob zu finden, sind ebenfalls gut. Rund 900 freie Ausbildungsstellen wurden der KHS MEHR gemeldet, rund 1500 Facharbeiterstellen warten ebenfalls darauf besetzt zu werden.  »Die Chance, dass jemand handwerklich überqualifiziert ist geht gegen null. Im Gegenteil, viele Betriebsinhaber haben keine Nachfolger. Da sind Hochqualifizierte gern gesehen«, sagt Raimund Licht. Weitere Artikel unter www.wochenspiegellive.de/karriereschub2018.de


Ansprechpartner in Sachen Praktikumsbetriebe findet man bei der Kreishandwerkerschaft MEHR unter www.das-handwerk.de. Den neuen Imagefilm des Handwerks gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=yfGYJhIzPqQ

 

 

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.