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"Handwerk wird oft unterschätzt" (mit Video)

Dritter Teil der Wochenspiegel-Serie "Karriereschub 2018"

Ahr. »Das Handwerk hat was zu bieten«, sagt Reinhard Adams. Als Obermeister der Baugewerks-Innung Ahrweiler weiß er, wovon er redet.

Zur Baugewerks-Innung zählen die Zimmerer, die Maurer und die Fliesenleger. Reinhard Adams ist selbst ein gutes Beispiel für die facettenreichen Möglichkeiten. Er startete als Bauzeichner, absolvierte eine Lehre als Zimmerer, machte seinen Meister, studierte Betriebswirtschaftslehre im Fernstudium und führt heute ein Holzbau-Unternehmen mit rund 70 Mitarbeitern.

Talente entdecken

»Die jungen Leute müssen herausfinden, wo ihre Talente liegen«, sagt er. Dann seien sie zufrieden im Job – und das sei das Wichtigste. Im Handwerk findet man mit vielen Talenten seinen Weg.
Reinhard Adams kennt viele Gesellen, die glücklich sind, jeden Tag zu bauen und zu fertigen. »Als Meister organisiert man und führt die Mitarbeiter«, ergänzt er. »Und eine Ausbildung ist eine gute Grundlage für ein späteres Studium.«

Vielfältige Tätigkeiten

Die Tätigkeiten im Baugewerbe sind also vielfältig. Sie reichen vom Bauen in der Werkstatt oder vor Ort über das Konstruieren bis hin zum Bedienen von anspruchsvollen Computerprogrammen und computergesteuerten Maschinen. »Da ist ein bisschen Gehirnschmalz gefordert«, sagt Adams: »Und wenn man etwas gerne macht, dann kommen die Weiterbildungen von ganz alleine.«
»Man kann den Job nicht mit dem Job vor 40 Jahren vergleichen«, sagt Adams. Die Arbeit werde durch zahlreiche Maschinen erleichtert. Die Werkstätten und Hallen sind geheizt, die Ausstattung auf den Baustellen ist modern. »Das Handwerk wird oft unterschätzt in dem, was es leistet.« Technisch sei man sehr gefordert.  Außerdem sehe man als Handwerker im Gegensatz zu vielen anderen Berufen abends, was man getan habe. »Das macht zufrieden«, findet Adams. Und gerade bei gutem Wetter sei es auch sehr schön, draußen zu arbeiten.

Große Auswahl vor Ort

Da es viele Ausbildungsplätze im Kreis Ahrweiler gibt, müssen Auszubildende ihr Lebensumfeld nicht verlassen. »Auch später bekommen sie einen Job in der Region«, sagt der Obermeister. Meist arbeite man für überschaubare, fast familiäre Betriebe. »Der Vorteil ist, dass den Menschen relativ schnell Verantwortung übertragen wird«, sagt Adams. Zudem sei der Verdienst im Handwerk gut. »Im Bauhauptgewerbe wird die höchste Ausbildungsvergütung für Auszubildende gezahlt. Und ein Polier liegt auf dem Level eines Ingenieurs«, berichtet er. Adams nimmt auch die Betriebe in die Pflicht. »Ein guter Geselle wird nicht geboren«, sagt er: »Man muss für einen Betrieb langfristig denken.« So seien etwa die meisten Führungsmitarbeiter seiner eigenen Firma Eigengewächse.
»Ich möchte, dass man nicht nur jammert, sondern anpackt.« Die meisten Handwerksbetriebe bieten Schülern die Möglichkeit, Praktika zu absolvieren.

Infos unter:
www.baugewerks-innung-ahrweiler.de

 

 

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