»Man kann so viele Dinge ausprobieren«

Karriereschub 2018. Die Fleischer im Kreis Ahrweiler haben Nachwuchssorgen. Derzeit gibt es keine Azubis im zweiten und dritten Lehrjahr. Doch der Job bietet viele Möglichkeiten.

Dagmar Groß-Mauer betreibt nicht nur eine Metzgerei und einen Partyservice im Kempenich, sondern ist auch Obermeisterin der Fleischer-Innung im Kreis Ahrweiler. Doch die 39-jährige Fleischerin ist einer der wenigen jungen Menschen ihres Fachs im Kreis. »Zu meiner Ausbildungszeit gab es in Berufsbildenden Schule in Bad Neuenahr noch eine Berufsschulklasse für Fleischer«, sagt sie. Nach der Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin absolviert sie eine Ausbildung zur Fleischerin. »Da merkte man schon, dass es weniger wird«, erinnert sie sich.

Mittlerweile gibt es in Bad Neuenahr keine Fachklasse mehr. »Und weder im zweiten noch im dritten Lehrjahr gibt es derzeit einen Auszubildenden im Kreis Ahrweiler«, sagt Dagmar Groß-Mauer. Ein Grund dafür sei sicherlich, dass die Auszubildenden seit sechs Jahren zur Berufsschule nach Neuwied müssen. »Ein 16-Jähriger aus Kempenich hat keine Chance, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin zu kommen«, sagt sie. »Der Beruf hat außerdem ein schlechtes Image«, ergänzt die Obermeisterin: »Das fängt beim Schlachten an.«

Allerdings zähle das Schlachten nicht zwangsweise zur Ausbildung. Es sei nur eine von sechs Fachrichtungen, aus denen Azubis zwei wählen müssen – darunter Partyservice, Verpacken, Verkauf. Wer später seine Meisterprüfung absolviert hat, kann sich umfangreich weiterbilden. Dagmar Groß-Mauer etwa hat Ernährungsberatung studiert. Wer es kaufmännisch mag, kann sich als Betriebswirt weiterbilden. Wer gerne Gewürze, Verarbeitungsmethoden und mehr im Labor entwickelt, bildet sich zum Fleischtechniker weiter. Die Möglichkeiten sind breit gefächert. Genauso sieht es bei den Fleischereifachverkäuferinnen aus.

Wichtig sind auch Weiterbildungen in Richtung Catering. »Viele Metzgereien mussten sich zweites Standbein mit Catering oder einem Mittagstisch aufbauen«, sagt die Obermeisterin. Sie hat ihren Traumberuf gefunden. Viel Spaß macht ihr der Kontakt zu den Kunden und Lieferanten. »Wir kennen die Bauern, das ist wichtig. Und es macht Spaß, den Kunden zu vermitteln, wie wertvoll und kostbar ein Stück Fleisch ist«, sagt sie.

Ebenso viel Freude findet sie an der Kreativität in ihrem Job. »Man kann viele Dinge ausprobieren, zum Beispiel neue Gewürze, Produkte für die Verarbeitung zuhause oder eine neue Wurst. Wir haben beispielsweise eine neue Wurst entwickelt, die kein tierisches Fett enthält und darum cholesterinarm ist«, schildert sie begeistert. Sie weiß von mindestens drei Betrieben im Kreis, die Lehrlinge suchen. »Alle Betriebe bieten Praktikumsplätze an. Es wäre schön, wenn sich die Jugendlichen die Berufe einfach einmal ohne Vorurteile anschauen. Es ist ja nicht schlimm, wenn man nach zwei Tagen sagt: Das ist auf keinen Fall was für mich.«

www.fleischer-innung-ahrweiler.de

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