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Deutschlands jüngster Kino-Chef in der Erfolgsspur

Noch ist es ein kleines aber feines Kino im Keller mit seinen roten und blauen Sitzen samt Getränkehaltern und einer Theke mit Nachos, Popcorn und Getränken im Foyer. Doch das soll sich ändern...
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Hier packt der Chef überall mit an: Jurij Stroeve kennt sich auch an der Popcorn-Maschine aus. Stimmen die Rahmenbedingungen, will er bald sogar expandieren. Foto: T. Holtze

Hier packt der Chef überall mit an: Jurij Stroeve kennt sich auch an der Popcorn-Maschine aus. Stimmen die Rahmenbedingungen, will er bald sogar expandieren. Foto: T. Holtze

Für die Geschichte des Kinos in der Quellenhofpassage zeichnet seit beinahe drei Jahren der 25-jährige Jurij Stroeve verantwortlich. »Das Marketing hat gezündet. Wir sind auf Erfolgskurs«, sagt der jüngste Kinobetreiber Deutschlands mit der Leidenschaft für den Film. Der Erfolgskurs des Hauses nahm mit Stroeves gutem Händchen für Werbung Fahrt auf. In den Sozialen Netzwerken wurde ebenso intensiv geworben wie in den Printmedien, wo Stroeve das ältere Publikum vermutete.
Die Rechnung ging auf – mehr als 40.000 Besucher im Jahr 2015 sprechen für sich. Das ist die doppelte Besucherzahl im Vergleich zum Kino Scala, dem die Räume vorher gehörten.

Moderne Technik

»Die Leute haben entdeckt, dass sie hier ein hochwertiges Kinoerlebnis zu vernünftigen Preisen bekommen«, sinniert der junge Unternehmer.  Geburtstagsangebote für Kinder und Jugendliche  runden die zeitgemäßen Leistungen des Vergnügungsbetriebs ab. Bei fünf zahlenden Gästen erhält das Geburtstagskind denn eine Freikarte, eine Tüte Popcorn und ein Getränk gratis. »Diese Angebote nutzen die Leute sehr rege«, bemerkt Stroeve. »Da werden schnell mal zehn Sitze für die Festgesellschaft reserviert.«
Überhaupt scheint das Kino ein Treffpunkt für die jüngere Generation zu sein.  »Wir sprechen offenbar die jungen Leute in Bad Neuenahr und Ahrweiler an. Wir sind ja auch das einzige Mainstream-Kino in der Region«, stellt der Eigentümer und Betreiber fest. Doch dürften sich nicht nur junge Leute an der modernen Technik erfreuen.
»Neben der aktuellsten erhältlichen Projektionstechnik kommt der Filmfreund hier in den Genuss der besten 3-D-Technik bis Köln. Davon fühlten sich viele Besucher, so Stroeve, besonders angesprochen. Gezielt steuere man das Lichtspielhaus mit dem neuen Image deswegen an. »Es kommen Leute her, die uns sagen, dass sie extra wegen der 3-D-Filme kommen.«
Mit seinen zehn Mitarbeitern  im Service, als Kartenabreißer, an der Kasse oder im Putzteam sitzt der junge Mann selbst in der Technik. Die romantische Vorstellung des Technikers neben der großen Filmrolle ist natürlich veraltet. Aufgrund der Digitalisierung ist der Saal nur durch einen Mausklick vom Filmstart entfernt. Softwares, die per »drag and drop« zu bedienen sind, erlauben es, auch ohne Schulung in der Kinotechnik zu arbeiten.
Nicht nur die Technik in diesem Kino ist auf modernem technischen Niveau. Neben dem klassischen Kassendienst können Tickets auch auf der Homepage gekauft werden.

Das Programm

»Aus wirtschaftlichen Gründen müssen wir hauptsächlich Mainstream-Kino bieten«, sagt Stroeve. »Star Wars, Die Peanuts, dieses Popcorn-Kino muss sein. Das schlägt sich an den Kassen nieder.«
Ein Kino wie seines werde mit   enormen Kosten konfrontiert. Wenn an der Kasse für einen Blockbuster 8 Euro eingenommen werden, zahlt der Betreiber 4 Euro an die Verleih-Firma und weitere Gebühren für die Filmrechte. »Das muss erst einmal finanziert werden«, gibt der lockere Unternehmer zu bedenken. Trotz hoher Kosten und Abgaben blickt Stroeve unternehmungslustig in die nahe Zukunft. Es stehen eine Renovierung des Saalbodens, der Sitze und der Beleuchtung an. Das mache einen Posten von mehreren zehntausend Euro aus. Geplant sei außerdem ein Anbau zusätzlicher Säle. Mit einem Architekten wurden dazu bereits erste Überlegungen vor Ort angestellt. Stroeve sieht in der Erweiterung eine Chance. Weitere Programmpunkte könnten angeboten werden. Hierbei denkt er unter anderem an eine »Sneak Preview«: Bei diesem  Angebot laufen Filme in Vorpremiere zu meist günstigerem Eintritt und als Überraschungsfilm. »Nach einer Erweiterung könnten wir mehr Vielfalt bieten – auch für die ältere Generation. Wenn in einem Saal wochenlang ein bestimmter Kassenschlager läuft, blockiert der für diese Zeit den Saal – egal, wieviel Publikum kommt«, erläutert der junge Mann. »Mit einem  Saal mehr hätten wir eine größere Vielfalt.« Um diese Erweiterung zu finanzieren, muss regelmäßig genug Publikum kommen – schwierig, da auch das Kino beinah ein Saisonbetrieb ist. Im Winter steht Kino ganz oben bei den Freizeitbeschäftigungen vieler Familien und Jugendlicher. Im Sommer, besonders wenn wie in diesem Jahr eine Fußball-Europameisterschaft stattfinde, sei dies nicht so. Stroeve zieht alle unternehmerischen Register, um Publikum auch während der schwächer besuchten Zeiten in den Saal zu locken. »Wenn es gelingt, genug Leute auch in Kino untypischeren Zeiten mit attraktiven Angeboten in den Saal zu locken und auch die Stadt weiterhin hinter uns steht, dann kann erweitert werden«, lacht der 25-Jährige. Das könne aber auch noch ein Weilchen dauern…


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