Äerhn

Manni kallt platt. In der Landwirtschaft unterschied man die Erntezeiten sprachlich je nach Erntegut in „Heuäehrn“, „Äehrn“, „Aerpels- unn Knollezitt“. Im Garten wurden „Äerz jeplott“ (Erbsen gepflückt), später im Haus „jekü-ernt“ (gepalt), „Äerpel jekaasch unn jeraaf“ (Kartoffeln ausgemacht und aufgehoben), „Murre“ en de Kuhl jedohn“ (Möhrenmiete als Winterlager), „Kappes jeschaaf, ent Fass jedohn unn jestampelt“ (aus Kohl wird Sauerkraut).

Im Norden gedeihen auf idealen Bördeböden Zuckerrüben und Weizen, „Knolle“ unn „Wees“. Böse Zungen nennen die flachgehobelte Euskirchen-Zülpicher Börde deshalb „Zuckerrüben-Steppe“ und behaupten, die Zuckerknolle sei dort die höchste Erhebung, wo man „mohndaahs att sehn kann, wer friedaahs op Besöök kütt.“

Im Braugerstengürtel um die Wallenthaler Höhe gedeihen die gängigen Getreidesorten, neben „Wees“ auch „Koern“ (Roggen), „Haafe“ und „Jäersch“ (Gerste), besonders die zweizeilige eiweißärmere „Sommejä-ersch“, die man für Kölsch, „Jemöngde“ und „Bit“ mälzt. Die vierzeilige „Wönktejäersch“ ist das erste Getreide im Jahr, das erntereif wird. Die eiweiß- und ertragsreichere Gerstenvariante wird zu Viehfutter vermahlen.

Nicht nur am Bleiberg hat ein weiteres Getreide, der Mais, fast alle früher angebauten Feldfutterarten verdrängt. Er wird als ganze Pflanze gehäckselt und als „Silomais“ in großflächigen Futtermieten gelagert und ans Vieh verfüttert.

Man sieht kaum noch „Foodeknolle“ (Runkelrübe), „Äerpel“ (Kartoffeln), „Ruede Klie“ (Rotklee) oder Luzerne. Stattdessen fallen die im Mai gelbblühenden Ölfruchtfelder auf. „Raps“ wird wie Getreide mit Mähdreschern „jedreische“.

Südlich des Bleibergs herrscht fast nur noch Grünlandwirtschaft. Früher kamen die Landwirte aus den Highlands noch mit ihrer spärlichen Getreideernte auf niederbordigen Anhängern zu den „Ko-ernhüüse“ (Getreidelager) der Landhandelsfirmen Strotkötter, Speuser oder RWZ.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.