Der Stetz

Manni kallt platt. „Alles, alles öss verjänglich, nur der Kohstetz, der bliev länglich“, das könnte die Eifeler Version sein von Stephan Remmlers dadaistischem Ohrwurm „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei…“ Auf „Stetz“, den ripuarischen Begriff für Viehschwänze (von althochdeutsch und mhd. „Sterz“), aber mitnichten auf Dada-Pop („Oh Baby, Baby, balla balla“) hat sich die Eifelrockband „Wibbelstetz“ eingelassen.

Sie nannte sich nach ihrer Gründung vor fast 40 Jahren nach jenen unruhigen Menschen, die nicht still sitzen wollen und nicht stillsitzen können, nur immer „röm wibbele“ wie das etwas verstümmelte hintere Ende einer Ziege. Auch der permanent in Bewegung befindliche „Jeeßestetz“ ist ein „Wibbelstetz“, denn er „wibbelt de janze Zegg für de Fleeje fott ze jaare“.

Wobei der plattdeutsche Ausdruck für Schwanz je nach Ecke anders ausgesprochen wird. Der „Stetz“ kann ohne weiteres auch „Stötz“ heißen. Immerhin sieht selbst der Duden bis auf den heutigen Tag auch im Hochdeutschen den „Sterz“ als Schwanzende, aber auch als „Führungs- und Haltevorrichtung an Geräten“ vor, beispielsweise am „Honksplooch“ (Pflug), der früher n der Mittelgebirgsregion zum Einsatz kam.

In der Eifel nannte man ehedem auch den Stiel einer Bratpfanne „Pannestetz“. Namensgeber für den „Wibbelstetz“ war aber ohne Zweifel der gleichnamige Schwanz der Ziege, der etwas kürzer ist als bei anderen Paarhufern. „De Jeeß wollt jäer ene lange Stetz hann“, heißt es in einem alten Kinderlied. Andere Namen für den „Wibbelstetz“ sind „Jeßelääpche“ oder „Flümm“. Über einen unruhigen Menschen sagt man: „Er hätt kenn Rou em Stetz!“

Die Haltung des „Stetz“ gibt bei manchen Tieren Auskunft über den Grad des Wohlbefindens. Von einem Hofhund, der vor Freude mit seiner Rute wackelt, geht kaum Gefahr aus. Die Mundart in Börde und Eifel wusste bereits in Zeiten, als es noch keine Katzenfutterwerbung gab: „Je mieh me dr Katz et Fell strich, deste schnacke witt de Stetz.“

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